30. Juni 2006

Fahrbericht Renault Laguna 2.0 dCi: Harmonische Symbiose

Der Renault Laguna Grandtour
Der Renault Laguna Grandtour © Foto: Werk

Mit dem Laguna kratzt Renault an der Oberklasse. Prunkstück neben den Annehmlichkeiten des Grandtour ist der neu entwickelte 2.0 Dieselmotor.




Von Thomas Flehmer

Der Renault Laguna begibt sich in Richtung Oberklasse. Nachdem der europaweit erfolgreiche Franzose jahrelang als unsicherer Kantonist in Sachen Zuverlässigkeit galt, bildet die neue Generation mit dem neu entwickelten 2.0 dCi FAP-Dieselmotor eine harmonische Symbiose.


Oberklasse-Ambitionen spürbar

In der von uns getesteten Ausstattungsversion «Initiale» war Komfort Trumpf. Das beginnt mit dem schlüssellosen System, bei dem der Wagen dank Chipkarte den Fahrer erkennt und ihm bei Annäherung folgsam die Türen öffnet. Auch zum Starten wird kein Schlüssel benötigt. Der rechts vom Lenkrad befindliche Knopf regelt nach Druck alles selbstständig. Beim Entfernen meldet sich der nicht nur vom Design her formschöne Laguna mit zwei kurzen Huptönen als Versicherung, dass der Wagen auch wirklich verschlossen ist.

Auch im Innenraum sind die Ambitionen auf die Oberklasse jederzeit spürbar. Die Sitze sind sehr bequem, geben aber genügend Halt. Eine Handbremse fehlt, dafür sorgt eine automatische Parkbremse, die sich beim ersten Anfahren selbstständig löst, für sicheren Halt. Die Armaturen sind gut einsehbar, die Verarbeitung der Materialien sehr wertig. Eine Dekorleiste aus Ahornholz unterstreicht das Streben nach Höherem ebenso wie die Lederpolsterung, die elektrisch einstellbaren Vordersitze oder die elektrisch einklappbaren Außenspiegel.

Abstriche beim Handschuhfach und Navi

Viel Komfort im Innenraum
Viel Komfort im Innenraum © Foto: Werk

Abstriche muss man trotz zahlreicher Ablagemöglichkeiten beim Handschuhfach machen. Dieses ist deutlich zu klein geraten. Noch gravierender sind die Mängel beim Navigationssystem.

Zwar verspricht Renault aufgrund der sehr sinnvollen perspektivischen Darstellungsform der Autobahnabfahrten von einem Spitzenklassemodell, doch auf der Fahrt durch die Niederungen des Havellandes verabschiedete sich das System und zeigte nur noch den Führungspfeil auf hellem Untergrund an. Vorbei war es mit der Perspektive, das Ziel zu erreichen. So musste die alte Methode wieder hervorgekramt werden: den nächsten Tankwart fragen.

Genialer Motor

Der 2,0 Liter cDi FAP
Der 2,0 Liter cDi FAP © Foto: Werk

Dass das Ziel dann doch noch einigermaßen rechtzeitig erreicht wurde, ist dem Dieselmotor zu verdanken, der im Laguna seine Premiere begeht und mittlerweile auch den neuen Espace erquickt. Der 2,0 Liter-Dieselmotor ist mit kräftigen 127 kW/173 PS ausgestattet und erreicht nach 8,4 Sekunden die 100 Stundenkilometer- Marke. Dabei zieht der Vierzylinder - das maximale Drehmoment von 360 Nm liegt bereits bei 1750 U/min an - nicht nur schnell an, sondern zählt auch mit 222 km/h nicht unbedingt zu den langsamen Vertretern. In der Praxis stoppte die Tachonadel auf freier Strecke zudem erst jenseits der 230 Stundenkilometer.

Stolz sind die Ingenieure von Renault auf den Zylinderkopf aus Aluminium mit zwei oben liegenden Nockenwellen und einer eigenständigen Vierventiltechnik. Die Einlässe treffen dabei in einem unterschiedlichen Winkel auf den Zylinder und erwirken dadurch einen Wirbel, der das Gemisch verbessert und somit eine effizientere Verbrennung garantiert. Hinzu kommt beim Common-Rail-Diesel der Einspritzdruck von 1600 bar, der den Kraftstoff über Sechsloch-Einspritzdüsen mit Piezo-Technik in die Brennräume drückt.

Lediglich Windgeräusche vernehmbar

Im Innenraum wird die komplizierte Technik des Motors mit seinen Düsen aus Spezialkeramik nur dadurch wahrgenommen, weil man merkt: Es fehlt etwas. Selbst bei einer Geschwindigkeit von 160 oder 170 Stundenkilometern vermitteln lediglich Windgeräusche, dass man sich vorwärts bewegt. Man selbst nimmt die Geschwindigkeit nicht so wahr. Sechs Gänge tragen das ihrige dazu bei.

Dass die Sicherheit mit bis zu acht Airbags, ESP, Gurtstraffern und Kopfstützen sowie sonstigen Featuren - gerade bei Renault - eine Selbstverständlichkeit ist, ist ebenso klar, wie das Engagement für die Umwelt dank serienmäßigen Rußpartikelfilter.

Fairer Preis

Schnittiges Heck
Schnittiges Heck © Foto: Werk

Nicht ganz halten kann Renault den angegebenen Schnitt von 6,2 Litern Diesel auf 100 Kilometer. Im Mix zwischen Autobahn und Stadtverkehr sind aber die von uns verbrauchten 7,5 Liter für den 1,5 Tonner immer noch im Limit. Zumal der Grandtour seine Sportlichkeit öfters unter Beweis stellen musste und immer wieder Fahrspaß trotz Kombidasein mit einem «Buckel» von 430 Litern Kofferraumvolumen vermittelte.

Der Spaß hört natürlich beim Geld auf. Dass Neuwagen in der heutigen Zeit viel zu teuer sind, ist ein markantes, aber kein gutes, Phänomen unserer Zeit. Mit den Ansprüchen in Richtung Oberklasse ist der Renault Laguna 2.0 dCi FAP mit der wertigsten Variante «Initiale» aber schon fast preiswert zu nennen. Bei 31.750 Euro beginnt der Spaß und liegt damit über 11.400 Euro über dem Preis des Einstiegmodells, des 1.6 Benziners mit 82 kW / 112 PS in der Basisversion «Emotion».

Allerdings ist die serienmäßige Ausstattung in der Variante «Initiale» üppig. Optional fallen nur noch Seitenairbags hinten (300 Euro), ein Sicherheitstrennnetz (150), 17-Zoll-Leichtmetallräder (400), Holzlenkrad (100), beheizbare Windschutzscheibe (200), Schiebedach (850), getönte Scheiben (200) sowie das Navigationssystem Carminat 3 (2220) und eine Telefonvorrüstung mit Sprachsteuerung (450) an. Dafür wären dann weitere 4700 Euro fällig. Im Vergleich zu den Konkurrenten trotzdem ein faires Angebot - im Gefühl, mit dem Laguna an der Oberklasse zu kratzen, sowieso.






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