28. November 2007

Fahrbericht Robust, aber sexy

Renault Kangoo
Renault Kangoo © Foto: Renault

Renault hat zehn Jahre nach der Einführung des Kangoo den Kombivan völlig neu gestaltet. Die praktische Handhabung steht beim Kangoo dabei immer noch im Vordergrund.




Von Thomas Flehmer

Diesmal kommt kein Nashorn. Als Renault vor zehn Jahren den Kangoo einführte, versuchte ein Nashorn in einem Werbefilm das Modell aus dem damals neu gegründeten Segments der Kombivans zu begatten. Auch diesmal hätte der Kangoo gute Chancen, bei den Dickhäutern zu landen. Über 150.000 deutsche Kunden waren in den vergangenen zehn Jahren dem Charme des Kangoo nach dem Motto «Robust, aber sexy» erlegen.


Neue Plattform

Nun kommt der Kombivan völlig überarbeitet daher, hat aber seinen eigenständigen, robusten Charakter, den er früher lediglich mit dem Citroen Berlingo teilen musste, behalten. Beim Kangoo, dessen Vorgänger über 2,3 Millionen Mal verkauft wurde, zählen zuerst Praktikabilität und Nutzen.

Die wichtigste Veränderung erfolgte bei der Wahl der Plattform. Während der erste Kangoo auf Basis des Clio II entstand, basiert der neue Kangoo auf dem größeren Scenic. Das macht sich an den Maßen bemerkbar. Der neue Kangoo ist mit 4,21 Metern sage und schreibe 18 Zentimeter länger, verfügt mit 2,70 Meter über einen zehn Zentimeter längeren Radstand und über 15 Zentimeter mehr Breite als der Vorgänger. Die Höhe ist mit 1,81 Metern dagegen gleich geblieben.

Enorme Kopffreiheit

Das Cockpit des Kangoo
Das Cockpit des Kangoo © Foto: Renault

Platzprobleme im Innenraum kommen deshalb auch kaum auf. Wer über 1,85 Meter groß ist, kann hinten sehr gut sitzen, auf dem Beifahrersitz stoßen die Knie an das Handschuhfach. Gut daran ist, dass dieses dadurch nicht schnell aufspringen und den Knien etwaige Beulen zufügen kann. Die Sitze geben einem einen guten Seitenhalt, das Muster auf den Sitzen dagegen hätte schon vor 40 Jahren gute Chancen gehabt, durchzufallen. Dagegen sind Instrumente sowie das Van-artig aufgebaute Cockpit auf der Höhe der Zeit.

Ansonsten läuft man Gefahr, sich im Kangoo zu verlaufen. Eine enorme Kopffreiheit steht zur Verfügung, die Renault aber auch ausnutzt. Über den Sonnenblenden sowie zwischen den Reihen am Dachhimmel stehe Staufächer mit insgesamt 77 Liter Raum zur Verfügung.

Nutzen vor Design

Bis zu 2688 Liter Kofferrauminhalt
Bis zu 2688 Liter Kofferrauminhalt © Foto: Renault

Noch mehr Raum bietet das Areal hinter den Rücksitzbänken. 660 Liter stehen von Beginn an zur Verfügung. Bis auf 2688 Liter können diese erweitert werden. Wenn dann noch die Rücksitze und auch der Beifahrersitz eine ebene Fläche mit dem Kofferraum bilden, können bis zu 2,5 Meter lange Gegenstände transportiert werden. Dank der je nach Ausstattung bis zu zwei Schiebetüren kann man auch von der Seite den robusten Praktiker gut beladen. Der Ikea-Einkauf der Familie kann also ebenso beginnen wie der Handwerker seine tägliche Arbeit. Denn für diese beiden Zielgruppen wurde und wird der Kangoo gebaut.

So nimmt auch das Design bei den Kundenwünschen einen eher peripheren Charakter ein. Die kurze Motorhaube vor dem Kasten - quadratisch, praktisch, gut. Während die Mandelaugen den Rundungen der Motorhaube noch so etwas wie ein Gesicht geben, wirkt die Heckklappe - optional können auch zwei Hecktüren geordert werden - recht konturlos. Doch das stört keinen.

Lauter Diesel

Praktisch, quadratisch, gut
Praktisch, quadratisch, gut © Foto: AG/Flehmer

Etwas störender wirkt das Ambiente beim Fahren. Der bereits bewährte 1.5 Dieselmotor mit 50 kW/68 PS sowie 63 kW/86 PS und in einer neuen Variante als Topdiesel mit 76 kW/103 PS verrichtet nicht so leise die Arbeit wie in anderen Renault-Modellen. Zwar wurde die Dämmung verstärkt, aber der Lieferwagencharme bleibt erhalten. Gespräche sind weiterhin möglich, doch von einem Commonrail-Diesel werden weniger Geräusche erwartet.

Etwas spritziger präsentiert sich da der ebenfalls zum Marktstart am 18. Januar 2008 angebotene 1.6 16V-Benziner Hier arbeiten 76 kW/106 PS - und zwar nicht ganz so laut wie im Selbstzünder. Allen gemeinsam ist das gute Fahrwerk, dass den Kangoo auf Spur hält. Klar ist, dass der Kombivan dank seiner Größe empfänglich für Winde ist.

Zwei bis drei Prozent teurer

Gute Figur im Schilf
Gute Figur im Schilf © Foto: AG/Flehmer

Dass die Spezialisten für fünf Sterne beim Euro-NCAP auch für den Kombivan die Höchstnote erwarten ist klar. So ist neben ABS und serienmäßig vier Airbags beim neuen Kangoo ab dem mittleren Diesel mit 86 PS, dass laut Renault zum Topseller avancieren wird, für 300 Euro ein ESP bestellbar. Der Dieselpartikelfilter, beim Top-Selbstzünder serienmäßig, kostet sonst 600 Euro Aufpreis.

Das sind aber bisher die einzigen Preise, die Renault herausrückt. Der neue Kangoo soll zwischen zwei bis drei Prozent teurer sein als sein Vorgänger und wird um die 14.000 Euro beginnen, die Dieselversionen dann zwischen 16.500 und 17.000 Euro starten. Da die Zielgruppen sicherlich nicht auf Topausstattungen schielen, wird sich der Diesel mit 86 PS und zweiter Ausstattungslinie bei 18.500 Euro einfinden - ohne Nashorn.






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