18. Februar 2009

Fahrbericht Renault Kangoo Be Bop Mit Charlie Parker im Kofferraum

Der Renault Kangoo Be Bop
Der Renault Kangoo Be Bop © Foto: Jürgen Mainx

Renault verwandelt den Kangoo in ein Lifestyle-Mobil. Doch auch mit Glasschiebedach und auffallendem Design wird der kleine Kangoo nur wenige Liebhaber finden.




Von Thomas Flehmer

Dass sich über Kunst trefflich streiten lässt, mussten besonders Dizzy Gillespie oder Charlie Parker Mitte der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts spüren. Der Trompeter und der Altsaxofonist mischten die gewohnten Rhythmen des Swing mächtig auf und gaben dem Jazz eine neue, bis dahin unbekannte Richtung. Mit dem Be Bop begann die Zeit des Modern Jazz.


Kleines Kunstpaket

60 Jahre später versucht der auf Revolutionen spezialisierte Autohersteller Renault ab dem 6. April dem Kastenwagensegment ebenfalls eine neue Ausrichtung weg vom Lastenesel hin zum Lifestyle-Mobil zu geben. Wie damals die zumeist schnell und hektisch gespielten Improvisationen auf ein geduldiges Publikum hofften, so ist aber auch der erste Eindruck des Kangoo Be Bop gewöhnungsbedürftig. 34,2 Zentimeter an Länge fehlen dem neuen Vertreter gegenüber dem Serienmodell, der Radstand schrumpfte gleich um 38 Zentimeter.

So ist aus einem ehemals großen Kasten ein 3,87 Meter kleines Paket geworden. Um dem verkleinerten Auftritt aber trotzdem Größe zu verleihen, setzen sich Motorhaube, Frontstoßfänger und die obere Hälfte der Heckklappe farblich ab. Pfiffig gemacht, aber nicht unbedingt schön - Kunst halt, über die sich trefflich streiten lässt.

Disharmonie in Blau

Nicht jedermanns Geschmack
Nicht jedermanns Geschmack © Foto: Jürgen Mainx

Auch im Innenraum kann der Streit fortgesetzt werden. Eine mächtige Armaturentafel in Blau lässt einen zusammenzucken wie eine Disharmonie aus der Trompete Charlie Parkers. Die dazu erhältlichen silber-blau-orangen Sitzbezüge strahlen schon eher Freundlichkeit und Wohnlichkeit aus. Die vier Sitze selbst sind bequem und geben genügend Halt, die Sitzflächen könnten aber etwas länger ausfallen.

Auch auf den beiden Sitzen in der zweiten Reihe, in der Bein- und Ellenbogenfreiheit reichlich vorhanden ist, fällt der Komfort mit zunehmender Dauer ab wie im Laufe eines vollbesetzten Jazzkonzerts. Zwar sind die Sitze über neun Zentimeter höher angebracht als die vorderen Sitzgelegenheiten, eine kleine Bühne für die Füße aber sorgt für einen nicht unbedingt angenehmen Sitzwinkel. Zudem können die Füße nicht unter den Vordersitz geschoben werden. Aber mit diesen Hindernissen haben die Insassen ja auch im Laguna zu kämpfen.

Open-Air-Feeling im Gepäckraum

Viel Platz dank Glasdach
Viel Platz dank Glasdach © Foto: Jürgen Mainx

Sehr kunstvoll ist die Aufteilung der insgesamt 3,9 Quadratmeter großen Glasdachflächen gelungen. Zwei über Fahrer- und Beifahrersitz angebrachte Glasdächer können separat geöffnet werden, das Glasdach in der Mitte lässt Licht, aber keine Luft durch. Dafür sorgt eine Dachklappe aus Glas im hinteren Dachdrittel für Open-Air-Feeling. Die Klappe kann, nachdem zwei Hebel gelöst wurden, über dem Dach nach vorn verschoben werden.

Hinzu kommt eine elektrisch versenkbare Heckscheibe, die den Frischluftgenuss komplettiert. Die Scheibe ist auch per Fernbedienung versenkbar, sodass Einkaufstüten ohne das Öffnen der Heckklappe im allerdings lediglich 214 Liter kleinen Kofferraum platziert werden können. Sind die beiden hinteren Sitze ausgebaut, stehen 1462 Liter zur Verfügung. Ist dann noch das Dach geöffnet, könnten gleich zwei Billy-Regale transportiert werden - eines vertikal, das andere horizontal, dem manchmal chaotischen Be Bop-Charakter entsprechend.

Konservative Motorenauswahl

Agil auf der Straße
Agil auf der Straße © Foto: Renault

Flott wie ein Trompetensolo von Gillespie zeigt sich der Be Bop auf der Straße. Ein Wendekreis von lediglich 9,6 Metern sowie ein gute Kurvenlage lassen den immerhin bis zu 1,5 Tonnen schweren Kunstkasten sicher auf der Straße liegen. Nach dem verpatzten Elchtest des Serienkangoos sind beim Be Bop ein ESP sowie vier Airbags immer an Bord.

Ebenso konservativ beschränkt sich Renault bei der Motorenauswahl, hier ist Classic Jazz gefragt. Der 1,6 große Benziner mit 78 kW/106 PS sowie einem Drehmoment von 148 Nm bei 3750 U/min sowie der 1.5 Selbstzünder mit 76 kW / 103 PS, einem Drehmoment von 240 Nm bei 2000 Kurbelwellenumdrehungen und sechs Gängen sind alte Bekannte aus dem Konzernregal.

Hoher CO2-Ausstoß

Pfiffiges Konzept
Pfiffiges Konzept © Foto: Jürgen Mainx

Trotz des Gewichtes, das in den Modellreihen der Kompakten beheimatet ist, spricht auch der Benziner gut auf die Gasbefehle an. Sicher, ein Raser ist der Ottomotor nicht, aber nur Smooth ist auch nicht angesagt. Agiler ist dagegen der Selbstzünder, der es in 13,2 Sekunden von Null auf 100 km/h schafft.

Dass die von Renault angegebenen 7,9 Liter Verbrauch beim Benziner und 5,7 Liter beim Selbstzünder auf 100 Kilometer eine Anspielung auf die Süchte mancher Jazz-Musiker sein sollen, ist ein Gerücht. Zu hoch sind die beiden Verbräuche für dieses Segment allemal. 191 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer beim Ottomotor haben ja schon fast SUV-Charakter.

Stolzer Preis

Auch beim Preis des Be Bop, der laut Renault ein Nischendasein führen wird, haben die Franzosen mächtig zugelangt, auch wenn die Aufpreisliste sehr gering ausfällt. 16.950 Euro stehen für den Benziner mindestens an, 18.300 Euro sind für den Diesel aufzubringen.

So ist auch die Preisausrichtung für das nicht einmal vier Meter lange Auto eine Kunst, über die sich trefflich streiten lässt und für den die Urväter des Be Bop in ihren Anfangszeiten einige Auftritte hätten geben müssen, um nicht nur Be Bop zu spielen, sondern auch Be Bop zu fahren.






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