21. September 2006

Fahrbericht Renault Grand Scenic: Fahrbarer Rucksack

Renault Grand Scenic
Renault Grand Scenic © Foto: Werk

Renault hat den Grand Scénic leicht überarbeitet und die Diesel-Palette verstärkt. Als XXL-Version bietet er einen immensen Stauraum und läuft damit dem Espace aus dem eigenen Konzern den Rang ab.




Von Sebastian Viehmann

Großfamilien werden immer seltener, die wenigsten Familien brauchen Platz für mehr als zwei Kinder. Der Bedarf für Vans mit mehr als fünf Sitzplätzen ist begrenzt. Renault bietet den Grand Scénic deshalb jetzt als 5-sitzigen „XXL“ (nur noch 700 Euro Aufpreis gegenüber dem Scénic) an.


Gestrecktes Heck

Geblieben ist der zusätzliche «Rucksack» - das um 24 Zentimeter gestreckte Heck. Die dritte Sitzreihe kostet 500 Euro Aufpreis. Damit ist der Preisunterschied zwischen 5-Sitzer Scénic und 7-Sitzer Grand Scénic (bisher 1200 Euro) gleich geblieben. Renault hat die Frontschürze ein wenig verändert und größere Scheinwerfer eingebaut. Die Rückleuchten bestehen aus wartungsfreien LEDs.

An der Spitze der Motorenpalette (vier Benziner und vier Diesel) steht nun der 2,0-Liter dCi mit 150 PS und neuer Sechsgang-Automatik. Das gleiche Aggregat werkelt schon im großen Bruder Espace. Dass der Grand Scénic immer stärker im Revier des Espace räubert, gibt auch Scénic-Produktmanager Sebastien Auguin zu.

«Der Laderaum des Grand Scénic ist so groß wie der der zweiten Espace-Generation», sagt Auguin. Auch im Innenraum werden sich Espace-Fahrer sofort heimisch fühlen. Sitzposition und Fahrgefühl sind fast identisch, der Grand Scénic ist nur etwas schmaler. Das Cockpit bleibt für Umsteiger von anderen Marken gewöhnungsbedürftig. Armaturen gibt es nicht, alle Instrumente sind auf einem großen Digital-Display in der Mitte des Armaturenbretts vereint.

Leichte Bedienung

Das  Cockpit des Renault Grand Scenic
Das Cockpit des Renault Grand Scenic © Foto: Werk

Dafür gibt es im Gegensatz zum Espace noch eine richtige Mittelkonsole. Die Bedienung selbst geht nach kurzer Eingewöhnungszeit leicht von der Hand. Gestartet wird per Knopfdruck. Unschlagbar ist die Fülle an Ablagen und Staufächern. Geschickt zusammengepackt könnte man die Utensilien für einen Kurzurlaub verstauen, ohne auch nur den Kofferraum zu öffnen. Schubladen unter den Sitzen inklusive 12 Volt-Steckdosen, vier Staufächer im Fußraum, ein 17 Liter großes Handschuhfach und eine fast genauso große verschiebbare Mittelkonsole (gegen Aufpreis) lassen vom Reiseproviant bis zum Lego-Vorrat alles verschwinden.

Der mittlere Rücksitz wird durch Umklappen zum Spiel-Tisch, die Sitze lassen sich auf Schienen verschieben. Der Kofferraum fasst 430 bis maximal 1840 Liter beim Scénic und 200 bis maximal 1960 Liter beim Grand Scénic. Mit fünf Sitzen bleiben noch stattliche 681 Liter Gepäckraum übrig. Das Platzangebot für die Passagiere des Grand Scénic ist großzügig, auf den Rücksitzen ist die Kopffreiheit allerdings etwas knapper als erwartet.

Angenehmes Fahrgefühl

Das wuchtige Heck des Scenic
Das wuchtige Heck des Scenic © Foto: Werk

Sowohl Scénic als auch Grand Scénic fahren sich sehr angenehm. Die Lenkung ist leichtgängig, aber nicht schwammig. Der Fahrkomfort ist ausgezeichnet - den «Kopfsteinpflaster-Test» besteht der Mini-Espace mit Bravour. Auch in schnellen Kurven lässt sich der Wagen nicht aus der Ruhe bringen. ESP gehört zur Serienausstattung. Das Grinsen auf dem Gesicht vergeht aber schnell, wenn die Straße mal enger wird oder ein Parkmanöver droht. Der Abstand von der Fahrerposition zum Haubenende ist elend lang, und auch nach hinten ist die Übersicht äußerst bescheiden. Renault wird schon wissen, warum die Einparkhilfe für den Grand Scénic (600 Euro Aufpreis) mit neuen Sensoren jetzt auch vor vorderen Hindernissen warnt. Das Motoren-Angebot ist breit gefächert, vier Benziner (98, 112, 135 und 163 PS) sowie vier Dieselmotoren (106, 110, 130 und 150 PS) stehen zur Wahl.

Gutes Ausstattungspaket

Ablagen im Renault Grand Scenic
Ablagen im Renault Grand Scenic © Foto: Werk

Der Scénic Dynamique kostet 21.800 Euro und ist elektrischen Fensterhebern rundum, Lendenwirbelstütze für den Fahrer, Klimaanlage, CD-Radio, Nebelscheinwerfern, Licht- und Regensensor sowie automatischer Parkbremse komfortabel ausgestattet. Der 2.0-Liter Diesel ergänzt den 1.9 dCi und bringt deutlich mehr Power auf die Straße. Das liegt nicht nur an den 20 zusätzlichen Pferdestärken, sondern vor allem an der kräftige Drehmoment-Zuwachs um 90 Newtonmeter auf maximal 340 Newtonmeter.

Allerdings muss man erst ein deutliches Turboloch durchleiden, bis die Schubkraft auch zur Verfügung steht. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 198 km/h. Ausgezeichnet passt die Sechsgang-Automatik zu dem 2,0-Liter Diesel. Sie schaltet ruckfrei und butterweich. Beim Bremsen schonenden manuellen Schalten liegt der Automatik-Wahlhebel etwas unbequem in der Hand. Ein kleiner Pferdefuß ist der Mehrverbrauch von über einem Liter im Vergleich zum 2.0 dCi mit Schaltgetriebe. Sieben Liter genehmigt sich die Automatikversion im Durchschnitt.

In der Privilège-Ausstattung kostet der 2.0 dCi 28.000 Euro und ist damit das Top-Modell der Reihe. Ein Espace kostet mit dem gleichen Motor satte 36.400 Euro. Zusätzlich zur Dynamique-Version bietet der Grand Scénic Privilège Lederausstattung, Klimaautomatik, noch mehr Ablagen, einen höhenverstellbaren Beifahrersitz und weitere Komfort-Extras. Das große Panorama-Glas-Hubdach kostet bei allen Scénics 1000 Euro Aufpreis, ebenso Bi-Xenonscheinwerfer.






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