21. April 2010

Fahrbericht Renault Grand Scenic dCI 130 FAP Angekommen

4,56 Meter misst der Renault Grand Scenic
4,56 Meter misst der Renault Grand Scenic © Foto: Renault

Ob mit oder ohne optionale dritte Sitzreihe – der französische Kompaktvan Grand Scenic von Renault überzeugt unter den komfortablen Raumkreuzern mit einem soliden Preis-Leistungsverhältnis.




Von Martin Woldt

20.200 Euro - 1.100 Euro teurer - ist der Grand Scenic gegenüber kompakteren Senic und bei 4,56 Metern 22 Zentimeter länger. Für weitere 700 Euro lässt er sich mit einer dritten Sitzreihe ausstatten. Das ist per se ein sehr ordentliches Angebot für Leute, deren Transportbedürfnisse stets oder immer mal wieder über den klassischen Fünfsitzer hinausgehen. Wo viele Mäuler ernährt, so einige Hintern transportiert werden wollen, ist die Haushaltskasse strengen Regeln unterworfen. Und so gesehen umweht den Grand Scenic durchaus ein Hauch von Luxus. Denn im eigenen Hause sorgt Renault mit dem Kangoo und erst recht mit dem Dacia Logan Kombi, den es ja auch mit dritter Sitzreihe gibt, dafür, dass man sich finanziell betrachtet, auch günstiger entscheiden könnte.


Komfortables Fahrerlebnis

Allerdings würde man bei einer solchen kassengeleiteten Anschaffungsentscheidung ein erhebliches Stück Fahrkultur preisgeben. Denn wie der Scenic insgesamt ist seine XXL-Variante, wie sie früher ja auch mal hieß, ziemlich erwachsen geworden. Mittlerweile vermittelt sie ein sehr komfortables Fahrerlebnis. Die Raumakustik erlaubt unangestrengte Unterhaltungen. Die raue Motorkulisse unseres dCi130-Diesel spielte sich weit unterhalb des Dauerstresspegels ab. Die Schlagloch-Odyssee dieses Frühjahres milderte das komfortabel ausgelegte Fahrwerk erheblich. Allenfalls die eingeklappte dritte Reihe rasselte auf unebener Strecke gelegentlich in ihren Halterungen.

Nachgebesserte Lenkung

Mit dem Facelift von 2009 hat Renault auch die früher häufig gescholtene, schwammige Lenkung getilgt. Sie hat noch immer ihre Toleranzen, vermittelt aber keinerlei Unsicherheiten mehr. Die 1,85 Meter hohe Karosse fügt sich widerspruchslos den Lenkbefehlen und verzichtet ohne zu wanken oder einzutauchen auf das früher kurventypische Eigenleben. Eine veränderte Motoraufhängung und größere Querstabilisatoren, die Renault jetzt verbaut, zahlen sich genauso aus wie der sensiblere Drehmomentsensor für die Servolenkung.

Dritte Reihe – dritte Klasse

Bei einem Radstand von 2,77 Metern darf man auf üppigen Sitzkomfort hoffen, in diesem Fall ohne enttäuscht zu werden. Vorn lassen sich beide Sitze sehr variabel den jeweiligen Bedürfnissen anpassen. Sieben Zentimeter bei der Höhenregulierung des Fahrersitzes sind nach Renault-Angaben ein Spitzenwert im Segment. Die Einstiegsschwelle könnte flacher sein. Auch die Passagiere in Reihe 2 sind mit verschiebbarer und neigungsflexibler Rückbank gut versorgt. Während Reihe 3 wohl jenen Sprösslingen vorbehalten bleibt, deren Pubertät noch in weiter Ferne liegt. Zustieg oder Knieverhältnisse sind höchstens angesichts isländischer Aschewolken eine akzeptable Alternative zum eng bestuhlten Ferienflieger. Die Renault-Empfehlung (... bis 1,75 Meter Körperhöhe) orientiert sich etwas einseitig an der in der Tat passablen Kopffreiheit.

Flexibler Stauraum

Bleiben beide Sitze eingeklappt, tut sich über einem ebenen Ladeboden je nach Position der zweiten Reihe ein Stauvolumen von 678 bis 785 Litern auf. Das sind flexiblere Verhältnisse als beim VW Touran, dessen Ladevolumen von 1989 Litern bei gleichzeitig umgeklappter zweiter Reihe um knapp 100 Liter überboten wird. Mit 62 Zentimeter hoher Ladekante überzeugt der Grand Scenic auch bei der Beladung. Was man von der traditionell von Renault verbauten Plastikbeplankung im Stauabteil wegen mangelnder Kratzfestigkeit nicht behaupten wird.

Kostenvergleich

Insgesamt aber hat der Scenic nicht nur beim Design deutlich an Attraktivität gewonnen. Im Kostenvergleich muss sich etwa unser 130 PS starker Testwagen hinter einem VW Touran 2.0 TDI (140 PS) keineswegs verstecken. Wertverlust pro Jahr und Betriebskosten pro 100 Kilometer sind in etwa gleich groß. Nur die Versicherungseinstufungen liegen noch etwas höher. Der Diesel gibt sich mit offiziellen 5,6 Litern auf 100 Kilometern sparsam. In unserem Praxisprogramm verlangte er im Stadtverkehr etwa 7,7 Liter und auf der Autobahn 7,3 Liter. Wenn man ihn über Land konsequent unter 120 km/h bewegt, kann es sicher weniger werden. Aber das wird man nur bei konsequenter Sparabsicht. Denn bei einem maximalen Drehmoment von 300 Newtonmetern und Sprintqualitäten von 10,6 Sekunden beim Start von null auf hundert, wird man auch das eine oder andere Überholmanöver riskieren.

Fazit

Alles in allem ist der Renault Grand Scenic 130dCi ein sehr angenehmer, übersichtlicher und komfortabler Kompaktvan, den man zurecht gar nicht so selten im Straßenbild antrifft. Wer nicht nur im Stadtverkehr damit unterwegs ist für die vielen Wechselfälle im Leben einer Familie gut gerüstet. Einsteigen kann man in den Diesel mit 130 PS/96 kW ab 24.500 Euro.






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