26. Juli 2006

Fahrbericht Renault Clio: Klein und praktisch

Renault 1.2 16 V Expression
Renault 1.2 16 V Expression © Foto: Press-Inform

Der Renault Clio ist ein sehenswerter Kleinwagen. Beim Fahrverhalten und der Ausstattung lässt der vielseitige Franzose aber ein paar Wünsche offen.




Von Sebastian Viehmann

Ein hübscher Blech-Body, günstige Einstiegspreise und viel passive Sicherheit: Der aktuelle Renault Clio ist ein attraktiver Flirt-Partner für die anspruchsvolle Kleinwagen-Kundschaft. Das Platzangebot im Clio ist im Klassenvergleich ausgezeichnet. Auch hinten geraten die Passagiere nicht in Raumnot. Keiner in diesem Segment bietet mehr Schulterfreiheit. Auch für Knie und Kopf gibt es ausreichend Raum.


Guter Seitenhalt

Fummelig ist der mittlere Dreipunktgurt im Fond. Er kommt aus dem Dachhimmel und muss vom Mittel-Passagier erst zusammengebaut werden. Die Clio-Sitze bieten guten Seitenhalt, sind aber zu weich gepolstert. Das Längenwachstum des Clio ist auch dem Kofferraumvolumen zugute gekommen. 288 Liter fasst das Abteil, da kann die Konkurrenz nur knurrend daneben stehen. Bei umgelegten Rücksitzen steigt das Fassungsvermögen auf 1028 Liter.

Das Clio-Cockpit ist nüchtern und allzu plastiklastig. Hier und da gibt es typisch französische Akzente wie den ungewöhnlichen Lüftungs-Drehschalter. Ansonsten geht es sehr zweckmäßig, aber auch übersichtlich zu in der Clio-Schaltzentrale. Vorbildlich ist das Kombi-Instrument mit fünf Tasten und einem Rändelrädchen hinter dem Lenkrad, mit dem man das Audiosystem kontrollieren kann. Die Eingewöhnung dauert seine Zeit, dann aber lässt sich das komplette Entertainment arrangieren, ohne auch nur einmal den Blick von der Straße zu wenden. Ärgerlich sind die Becherhalter in der Mittelkonsole. Wegen des überhängenden Armaturenbretts passt dort nicht mal ein Milchshake-Becher aus dem Schnellrestaurant herein.

Hoher Fahrkomfort

Das Heck des Renault Clio
Das Heck des Renault Clio © Foto: Press-Inform

Ein Pluspunkt des Clio - von uns getestet wurde der 1.2 16 V Expression - ist der hohe Fahrkomfort. Die Federung ist ganz auf Bequemlichkeit abgestimmt, was man dem kleinen Franzosen vor allem bei Rappelstrecken mit Kopfsteinpflaster in der City dankt. Nur bei welligen Autobahnstrecken wäre eine etwas härtere Abstimmung von Vorteil. Beim Thema Lenkung verdüstert eine kleine Wolke den Clio-Himmel: Die elektrische Servolenkung arbeitet geschwindigkeitsabhängig, ist aber gewöhnungsbedürftig und sorgt mitunter für ein schwammiges Fahrgefühl.

Vor allem in schnellen Kurven macht der Clio wegen der indifferenten Lenkung und der allzu weichen Feder-Dämpfer-Abstimmung nicht allzu viel Spaß. Immerhin bleibt er jederzeit gut beherrschbar und nimmt schnelle Kurven mit leichtem Untersteuern. ESP ist leider nur bei der Top-Ausstattung «Initiale» sowie bei den drei stärksten Motorvarianten serienmäßig. Ansonsten kostet es 500 Euro und ist für den kleinsten Clio-Motor (65 PS) gar nicht zu haben.

Einparken ist ein Vergnügen. Der kleine Renault ist übersichtlich und glänzt mit einem Wendekreis von 10,30 Metern. Allerdings ist der Clio mit knapp 3,99 Metern - 17 Zentimeter mehr als das Vorgängermodell - ein gutes Stück länger als die Konkurrenten Polo, Corsa oder Fiesta und damit für so manche Parklücke ein bisschen zu prall. Die Motorenpalette des Clio bietet mit fünf Benzinern und drei Dieselmotoren für jeden Anspruch etwas. Den kleinsten Benziner mit 65 PS und den kleinsten Diesel mit 68 PS sollte man vor allem dann wählen, wenn man seinen Clio als City-Flitzer einsetzt. Will man auch mal längere Reisen antreten, darf es ruhig der 1.2 16V mit 75 PS sein, zumal er nicht mehr verbraucht als der 65 PS-Benziner.

Akzeptable Beschleunigung

Die Seitenansicht des Renault Clio
Die Seitenansicht des Renault Clio © Foto: Press-Inform

Die Höchstgeschwindigkeit von 167 Km/h und die Beschleunigung von 13,4 Sekunden auf 100 gehen in Ordnung. Auf der Autobahn aber hat der 1,2-Liter-Motor bei Steigungen einen zähen Kampf auszufechten, vor allem wenn man mal nicht alleine unterwegs ist. Im Praxistest verbrauchte er durchschnittlich 7,4 Liter Super auf 100 Kilometern und erwies sich damit nicht gerade als Sparkünstler.

Auf Autobahn und Landstraße ist bei einem Durchschnittstempo von 120 aber ein Verbrauch knapp unter sechs Litern drin. Außerdem bietet der Clio mit 55 Litern Tankinhalt 10 Liter mehr Reserven als viele seiner Konkurrenten, so dass lange Reisen ohne Tankstopp möglich sind. Bei der Sicherheitsausstattung hat der Clio im Vergleich zu den meist sehr knauserigen deutschen Kollegen die Nase vorn. So sind Seitenairbags ebenso Serie wie Zentralverriegelung, Bordcomputer und Isofix-Kindersitzhalterungen. Außerdem kann der Clio damit prahlen, fünf Sterne im Euro-NCAP-Test für die Insassensicherheit geholt zu haben.

Ansonsten geben sich die Franzosen sehr geizig, was die Ausstattung der Basis-Versionen «Authentique» (ab 10.950 Euro) und «Expression» (ab 11.950 Euro) angeht. Sie bieten sogar weniger Ablagen und Staufächer als die besser ausgestatteten Varianten. Im Authentique gibt es nicht einmal eine geteilt umklappbare Rückbank oder höhenverstellbare Vordersitze. In der Ausstattung «Edition Dynamique» (ab 12.450 Euro) sind zwar Xenon-Scheinwerfer mit Lichtsensor und aktivem Kurvenlicht an Bord, für ESP, Klimaautomatik und sogar ein Radio sind aber immer noch Aufpreise fällig. Radio und Klima sind neben vielen Bequemlichkeits-Extras sowie Lederapplikationen erst in der Ausstattung «Privilège» enthalten. Dann ist der Clio mit mindestens 14.750 Euro (88 PS-Benziner) aber kein echtes Schnäppchen mehr.






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