21. Mai 2007

Fahrbericht Nissan X-Trail: Alles auf Anfang

Nissan X-Trail
Nissan X-Trail © Foto: AG/Flehmer

Nissan schickt mit dem X-Trail einen neuen Hoffnungsträger ins Rennen, um verlorenes Terrain zurückzuerobern. Während die Form des ehemaligen Klassenbesten gleich blieb, ist die zweite Generation deutlich moderner geworden.




Von Thomas Flehmer

Die zweite Generation des Nissan X-Trail soll das ramponierte Image des japanischen Autoherstellers wieder aufbessern. Während der Vorgänger, der 2001 in Europa eingeführt und über 300.000 Mal verkauft wurde, zum Überflieger aufstieg, muss der Nachfolger erst wieder harte Basisarbeit leisten. Die Verkäufe der Japaner gingen zurück und die Konkurrenz im SUV-Segment ist längst vorbeigezogen.


Mit Ecken und Kanten

Dabei ist am Design wenig verändert worden. Weiterhin robust, kantig, eckig tritt der X-Trail auf. Kundenbefragungen hatten ergeben, dass diese Form den Geist des Geländewagens am besten wiederspiegeln würde. Gut ein Drittel der Käufer wagt nämlich einmal pro Monat des Weg ins Gelände, völlig untypisch für die meisten Mitbewerber im Geländewagensegment.

Doch der erste Eindruck täuscht. Denn die zweite Generation, die eine verlängerte Plattform des Qashqai benutzt, ist völlig neu konzipiert worden. Das gilt für die Karosserieteile ebenso wie das Fahrwerk oder den Allradantrieb. Auch die Front ist auf den zweiten oder dritten Blick verändert: so sind die Waben des Frontgrills gewachsen und die Scheinwerfer etwas länger gezogen.

Mehr Platz

Der X-Trail ist deutlich gewachsen
Der X-Trail ist deutlich gewachsen © Foto: Werk

Branchenüblich hat der X-Trail natürlich an Größe gewonnen. 4,63 Meter misst der SUV in der Länge und somit enorme 17,5 Zentimeter mehr als der Vorgänger. Auch in der Breite und Höhe kamen 20 bzw. zehn Millimeter dazu. Der Radstand beträgt nun 2,63 Meter. Das schafft Platz für alle Insassen vorn und hinten. Die können sich in den Sitzen, die genügend Seitenhalt geben, wohlfühlen. Auch die Innenmaterialien haben an Wert gewonnen. Das Lenkrad ist zwar höhen- und längsverstellbar, doch lässt es sich nicht ganz hoch platzieren, sodass man einen freien Blick auf die Instrumente hat.

Dagegen hat auch der Kofferraum zugelegt. Eigentlich fasst er 603 Liter. Doch Nissan hat einen Zwischenboden eingebaut, in dem kleine Utensilien gut verstaut werden können. Sind die Rückenlehnen umgeklappt und der Zwischenboden ausgebaut, stehen 1773 Liter zur Verfügung - laut Nissan ein Bestwert in diesem Segment.

Frisch gepackt kann die Fahrt dann losgehen. Zwei Diesel mit dem 2.0 dCi von Partner Renault sowie zwei Benziner stehen zur Auswahl. Doch entscheiden sich über 87 Prozent in Deutschland für den Selbstzünder. Die von uns gefahrene Basisversion mit 110 kW/150 PS verfügt über ein Drehmoment von 320 Nm, die bei 2000 U/min anliegen.

Harter Arbeiter

Der X-Trail im Geländeeinsatz
Der X-Trail im Geländeeinsatz © Foto: AG/Flehmer

Damit lässt es sich fahren, doch muss das Aggregat besonders mit der nicht ganz sauber schaltenden Sechsstufen-Automatik hart arbeiten, die für 1700 Euro optional geordert werden kann. Nissan hat den Sprint bis zur 100 km/h-Marke mit 11,2 Sekunden angegeben. 188 km/h erscheinen als Höchstgeschwindigkeit auf dem Tacho, bei der Automatikversion sind es sieben weniger. Mit 8,1 Litern gibt Nissan den Durchschnittsverbrauch mit der Automatik an, beim Schaltgetriebe ist es ein Liter weniger, der für 100 Kilometer benötigt wird. Die CO2-Emission liegt bei 190 Gramm pro Kilometer. Mit der Automatik sind es schon 210 Gramm.

Doch ist der X-Trail etwas beladen wird nicht nur mehr Zeit in Anspruch genommen, sondern die Verbrauchswerte werden sukzessive in die Höhe schnellen. Besonders bergauf schnauft der X-Trail, der bis zu 2,17 Tonnen wiegen darf. Doch ob die zulässige Gesamtlast für den Basisdiesel sinnvoll ist, scheint dahingestellt. Denn auch das Fahrwerk agierte etwas schwammig. Vor allem in den Kurven wirkte der Geländewagen träge. Wer den X-Trail dagegen häufiger im Gelände einsetzt, stören diese Trägheiten nicht. Eine Bodenfreiheit von 20 Zentimetern lässt den SUV Stock und Stein passieren. Selbst unwegsame Strecken können den Japaner nicht an der Weiterfahrt hindern.

Stärkerer Diesel als Empfehlung

Das Cockpit im X-Trail
Das Cockpit im X-Trail © Foto: Werk

Trotzdem scheint der mit dem 127 kW/173 PS bestückten 2.0 dCi die bessere Alternative. Er verfügt über ein maximales Drehmoment von 360 Nm, die bei 2000 U/min anliegen. Auch der Sprint von Null auf 100 wird in zehn Sekunden geschafft, der Verbrauch des lediglich mit der manuellen Schaltung erhältlichen großen Diesels liegt mit 7,4 Liter Durchschnitt auf 100 Kilometern nur unwesentlich höher wie die 198 Gramm CO2-Ausstoß auf einem Kilometer. Auf den Testfahrten machte diese Variante den deutlich besseren Eindruck. Der Selbstzünder agierte handgeschaltet ohne Reibungsverluste und präsentierte sich sehr durchzugsstark, ohne dass es etwas zu mäkeln gäbe.

Glas-Panorama-Hubdach

Das Glas-Panorama-Hubdach im X-Trail
Das Glas-Panorama-Hubdach im X-Trail © Foto: Werk

In der Einstiegsversion SE kostet der kleine Selbstzünder mindestens 30.840 Euro, die stärkere Variante beginnt bei 32.140 Euro. Die Topversion LE, die bereits ein schönes Glas-Panorama-Hubdach im Paket hat, steigt jeweils 3000 Euro teurer ein. Eine kleine Aufpreisliste mit Navigationspaket für 2800 oder 2500 Euro für die Topversion, ein Dachträgersystem und Xenon-Hauptscheinwerfer für jeweils 500 Euro runden das Angebot ab.









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