10. November 2008

Fahrbericht Fahrbericht Nissan X-Trail 2.0 dCi Automatik Auf der Saurierjagd

Der Nissan X-Trail
Der Nissan X-Trail © Foto: AG/Flehmer

Der X-Trail ist ein komfortabler Offroader, dessen Talente abseits der Straße wohl vorhanden, aber nicht seine eigentliche Bestimmung sind. Die liegt in einem komfortablen Fortbewegungsgefühl.




Von Martin Woldt

Wenn das Wasser knöcheltief in den Rinnstein abfließt und die Vorbeifahrenden Spritzwasserfahnen bis hoch über die Windschutzscheibe herüberschießen, ist man eigentlich ganz froh, in so einer wetterfesten Burg zu sitzen. Es hilft, die hektischen Spurwechsler besser zu ertragen und dank der höheren Sitzposition die Übersicht im ohnehin unausweichlichen Berufsverkehr zu bewahren.


Mit Dachscheinwerfern bewaffnet

Man blickt mit der Ruhe und Naivität eines Landeis auf das quirlige Treiben und all die Verrückten ringsum, fühlt sich ein wenig wie ein Alien auf Expedition. Denn eigentlich gehört der X-Trail ja auch nicht hierher. Die Stadt wollte er laut Selbstauskunft dem leichteren Bruder Qashqai überlassen. Während er, mit Scheinwerfern in der Dachreling bewaffnet, sich etwa der Suche nach dem Jurassic Park irgendwo abseits der Straßen verpflichtet glaubt. Dem dient auch ein serienmäßiger Allradantrieb, wie er im Segment der kompakten SUV mittlerweile zum Standard gehört. Oder der Bergabfahrassistent, mit dem man sich getrost, Motorhaube vornüber, an einen noch so steilen Hügel kleben kann. Der aber, auf dem, was man in Mitteleuropa eine Straße nennt, kaum Einsatzgelegenheit finden dürfte.

Sicherheits-Psychologie

Wasserdurchfahrt
Wasserdurchfahrt © Foto: Nissan

Es ist viel Psychologie im Spiel, die einem das Gefühl vermittelt: Es kann Dir im Grunde nicht viel passieren. Sechs Airbags, serienmäßiges ESP und Vier-Sterne im Crashtest sind wirksame Pillen für das Unterbewusstsein. Bei der Sicherheit für andere sieht es dann schon etwas anders aus. Zwei Sterne beim Fußgängerschutz sind dürftig. Im konsequenten Geländeeinsatz wären sie ja vielleicht auch unnötig. Aber anderseits, um die ganz harte Entdeckertour geht es dem X-Trail dann ja doch nicht. Mit 20 Zentimetern Bodenfreiheit kommt man gewiss ganz gut über ausgefahrene Feldwege, die Fährtentiefe eines Sauriers sollte man vorher doch lieber im örtlichen Touristenbüro erfragen. Dann weiß man auch, ob das im Familienumfang verstaubare Picknickgeschirr im üppigen 479 Liter großen, bis 1773 Liter erweiterbaren Kofferraum das Abenteuer gut übersteht.

Dem Komfort verschrieben

Auf Abwegen
Auf Abwegen © Foto: AG/Flehmer

Tatsächlich ist der X-Trail dem Komfort verschrieben. Selbst auf weniger ausgetretenen Pfaden bekommt man in den bequemen Sitzen wenig von der rauen Wirklichkeit mit. Das Geräuschniveau ist sehr kultiviert. Nur den über die Dachreling pfeifenden Seitenwind nimmt man mit zunehmender Geschwindigkeit als störend wahr. So gut wie der erhöhte Überblick für die Orientierung nach vorn auf der Fahrerposition auch ist, nach hinten bleibt er dürftig. Zwei mächtige D-Säulen versperren den Rückwärtsblick und mahnen, Rechtsabiegemanöver mit einer gewissen Vorsicht anzugehen. Da kann es durchaus sinnvoll sein, sich das Birdview genannte Navigations- und Orientierungssystem zu leisten, mit dem man die 4,67 Meter lange Maschine komfortabler in eine enge Parklücke bringen kann. Aber selbst die etwas kostengünstiger Rückfahrkamera ist schon eine Hilfe.

Spät anliegendes maximales Drehmoment

Das Cockpit
Das Cockpit © Foto: Nissan

Die Lenkung ist passend abgestimmt, die Automatik ein wenig schwerfällig. In Kurven neigen sich die 1,7 Tonnen Lebendgewicht etwas auffällig dem Radius zu. Auf Sprints muss man den 150 PS starken Zwei-Liter-Common-Rail-Diesel etwas vorbereiten. Sein an sich üppiges Drehmoment von 320 Newtonmetern liegt vergleichsweise spät bei 4.000 Touren an. So dass man nicht zaghaft am Gasperdal sein darf, um die im Datenblatt ausgewiesenen 12,2 Sekunden für den Sprint von null auf hundert nachzuvollziehen. In der Spitze sind knapp 190 km/h möglich.

Doppelt bezahlter Komfort

An der Tankstelle bezahlt man den Komfort dieses Autos allerdings doppelt. Sowohl das Allrad-Mehrgewicht als auch die häufigen automatischen Gangwechsel im Stadtverkehr bilden sich im Verbrauch ab und machen diesen hochgerüsteten, entspannt zu fahrenden X-Trail nicht gerade zur ersten Wahl für Spritsparer. 8,1 Liter auf der Autobahn standen 11,5 Litern in der Stadt laut Bordcomputer bei unserem Praxistest gegenüber. Das liegt doch deutlich über den Herstellerangaben, auch wenn das nicht gerade ein ein seltenes Phänomen im Segment der Geländewagen ist. Aber in diesen verbrauchsneurotischen Zeiten sollte man sich besser zweimal überlegen, wo man ein Fahrzeug wie den X-Trail eigentlich einsetzen möchte. Vielleicht könnte ein kleiner Kompromiss etwa im Verzicht auf die Automatik bestehen, der man wohl einen knappen Liter Mehrverbrauch im Vergleich zur manuellen 6-Gangschaltung zuschreiben muss. Mit 34.620 Euro ist man nämlich ohnehin schon kräftig im Geschäft.






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