17. August 2007

Fahrbericht Nissan Qashqai: Mut zur Lücke

Der Nissan Qashqai
Der Nissan Qashqai © Foto: press-inform

Nissan hat Mut bewiesen. Die Japaner schickten den Qashqai in die Kompaktklasse. Stefan Grundhoff und Stefan Zaumseil zeigen auf, dass der Crossover trotzdem Punkte sammeln kann.




Jahrelang drehte sich kein Mensch nach den Nissan-Kompakten namens Almera um. Schlecht war er nicht, besonders nachdem die kraftvollen Renault-Diesel Einzug hielten. Doch die Kundschaft war überaltert und für ein cooles Image war der kompakte Almera nun ebenso wenig ein Garant wie für stattliche Verkaufszahlen. Nachvollziehbar, dass Nissan einen Schlussstrich ziehen wollte. Nachdem Händler gekündigt wurden und die Produktpalette derzeit umgekrempelt wird, dreht sich derzeit alles um den Qashqai.


Von allem etwas

SUV, Familienlimousine, Kombi, Geländewagen und Van - der Qashqai ist so ein bisschen etwas von allem - wie eine gemischte Aufschnittplatte oder eine Pralinenauslese. Besonders der Einsteiger-Diesel mit etwas karg anmutenden 78 kW / 106 PS entwickelt sich europaweit zum Publikumsliebling.

Auch in Deutschland laufen ein Großteil der mehr als 13.000 Qashqai-Bestellungen auf die Version 1,5 dCi. Reicht der Einsteiger mit Produktionsstandort im englischen Sunderland oder sollte man sich im Sinne von Familienfrieden und Praktikabilität etwas mehr gönnen?

Hübsches Design

Gefällige Heckansicht
Gefällige Heckansicht © Foto: press-inform

Er sieht gut aus und fällt auf - das neu für einen Nissan in dieser Klasse. Neben einem VW Golf Plus oder einem Opel Meriva macht er prächtige Figur, auch wenn das die deutsche Konkurrenz nicht gerne hören dürfte. Die Nissan-Designer haben sich etwas einfallen lassen und das ganze auch noch sehr ordentlich umgesetzt. Vorne und hinten hätte es vielleicht noch ein bisschen markanter sein dürfen, aber man will schließlich nicht alle Kunden verschrecken.

4,31 Meter lang ist durchaus noch kompakt und auch im engen Stadtverkehr fährt sich der Qashqai durchweg handlich. Die hohe Sitzposition, das griffige Steuer, große Fensterflächen und die leichte Lenkung; auch City-Angsthasen verlieren im vierrädrigen Nomadenstamm schnell jegliche Scheu. Der Motor hält sich zumindest im warmen Zustand angenehm im Hintergrund. Der Kaltstart entlarvt ihn aber doch als Commonrail-Diesel.

Ansehnlicher Verbrauch

Markante Front
Markante Front © Foto: Press-Inform

77 kW / 105 PS sind nicht die Welt, um die Familie flott und locker von A nach B zu bringen. Doch es reicht. Weniger sollte es beim besten Willen nicht sein und beim Ausflug in die Berge beißt der Fahrer durch verpasste Überholchancen schnell einmal ins Lenkrad. Das maximale Drehmoment von 240 Nm bei 2.000 U/min lässt einen im unteren Drehzahlbereich irren, der 1,5 Tonnen schwere Qashqai hätte mehr unter der Haube. Im oberen Drehzahlbereich wird es jedoch allzu dünn und man sollte sich die Kräfte bei einem längeren Autobahnanstieg gut einteilen.

Gefallen kann jedoch uneingeschränkt das leicht zu schaltende und gut abgestufte Sechsgang-Getriebe. Anders als bei den Topmodellen mit 141 und 150 PS ist der kleine, 1.5 dCi allein als maximal 174 km/h schneller Fronttriebler zu bekommen. Abseits befestigter Straßen sollte man es gar nicht erst versuchen und im Winter nicht am Hinweisschild mit der Kettenpflicht vorbeifahren. Der Verbrauch ist sehr ansehnlich. Zwar ließen sich bei den Testfahrten die 5,4 Liter Diesel nicht verwirklichen, aber mit 6,2 bis 6,5 Litern lässt sich der Nissan gut bewegen.

Komfortabler Innenraum

Eleganter Innenraum
Eleganter Innenraum © Foto: Werk

Ein großer Wurf ist Nissan ebenfalls beim Design des Innenraums gelungen. Hatte es hier in der Vergangenheit die ein oder andere Verfehlung gegeben, zeigt sich der Pseudo-Geländewagen absolut massentauglich und auch noch gut verarbeitet. Gut ablesbare Instrumente, ordentliche Schalter und die robust-ansehnliche Mittelkonsole mit Soundsystem, Klimaautomatik und Navigation geben ein durchweg gutes Bild ab. Dass die Digitalanzeigen zwischen Drehzahlmesser und Tachometer gerne etwas üppiger ausfallen dürften und die Multifunktionstasten am Lenkrad eine standesgemäße Beleuchtung vertragen könnten, trüben den guten Gesamteindruck kaum.

Das gilt auch für die Sitze. Hier bemüht man sich mit flippigen Textileskapaden jüngere und jung gebliebene Kunden zu locken. Etwas wertiger dürften die Stühle in den zwei Reihen jedoch gerne sein. Das Platzangebot ist gut, der Langstreckenkomfort ebenfalls ansehnlich. Nicht gerade praxistauglich ist dagegen die hohe Ladekante. Das Gepäckraumvolumen ist mit 410 Litern nicht viel größer als das der meisten Kompaktwagen. Die Sitzbank lässt sich geteilt umklappen und vergrößert die Ladekapazität auf 1513 Liter.

Attraktiver Preis

Gute Sitze
Gute Sitze © Foto: Werk

Preislich ist der Qashqai überaus attraktiv. Die Spanne reicht vom 19.790 Euro teuren Einstiegsmodell Qashqai Visia 1.6 (115-PS-Benziner mit Frontantrieb) bis zur Version Tekna 2.0 dCi (150-PS-Diesel mit Partikelfilter und Allradantrieb) für 30.140 Euro. Sechs Airbags und ESP gehören bei allen Modellen zur Sicherheitsausstattung.

Der Basisdiesel kostet in der Ausstattungsversion Acenta mindestens 22.590 Euro, wobei bereits die Grundausstattung mit Klimaanlage, elektrischen Siegeln, Fensterhebern, Multifunktionslenkrad, CD-Radio und Bluetooth-Freisprechanlage sehr ordentlich ist. Sinnvolle Extras sind das mächtige Panoramadach (750 Euro) und das DVD-Navigationssystem für 2.200 Euro.






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