26. Mai 2008

Fahrbericht Nissan Pathfinder 2.5 dCi Ehrlicher Traditionalist

Der Nissan Pathfinder
Der Nissan Pathfinder © Foto: AG/Flehmer

Nissan hat seine Geländewagenpalette breit aufgestellt. Als transparentester Vertreter zwischen Murano und X-Trail vermittelt der Pathfinder die traditionellen Werte.




Von Thomas Flehmer

Der Name ist Programm. Der Nissan Pathfinder trotzt dem SUV-Trend und will alle fehlgeleiteten Fahrer vermeintlicher Geländefahrzeuge auf den richtigen Weg führen. Anstatt Rundungen bietet der Pathfinder die traditionellen Werte für die Fahrt in den Matsch. Mit seinen Ecken und Kanten erinnert der Allradler an die Zeiten, als Robert Mitchum in zahlreichen Kinofilmen im Jeep durch Deutschland kurvte, um die Welt zu befreien.


Eleganz nicht gefragt

Der wuchtige, gar schon bullige Auftritt des 4,74 Meter langen und 1,76 Meter hohen japanischen Vertreters unterstreicht, dass hier wirklich ein Geländewagen den Weg in das Gelände nicht zu scheuen braucht. Eleganz ist beim 2284 Kilogramm schweren Pathfinder in der Ausstattungsversion LE nicht gefragt. Über 25 Zentimeter Bodenfreiheit und ein Leiterrahmen-Chassis sowie vier verschiedene Schaltmodi vom Zweirad- bis zum Vierradantrieb weisen den Pathfinder auch in der seit 2005 aktuellen zweiten Generation als Traditionalisten aus.

Ein großer Frontstoßfänger, ein dreigeteilter Kühlergrill und viereckige Scheinwerfer verkörpern absolute Geländewerte. Die Türschweller ermöglichen den bequemen Einstieg. Wer noch urwüchsiger unterwegs sein möchte, wählt den auf gleicher Plattform stehenden Pickup Navara.

Knackpunkt dritte Sitzreihe

Kofferraum ist sinnvoller als dritte Sitzreihe
Kofferraum ist sinnvoller als dritte Sitzreihe © Foto: Nissan

Im Innenraum setzen sich die traditionellen Werte fort. Das Platzangebot als üppig zu beschreiben, scheint bei einem Radstand von 2,85 Metern fast schon untertrieben. Doch Nissan macht sich das Leben selbst schwer und bietet dem Trend gehorchend eine dritte Sitzreihe an. Die beiden Notsitze sind über den Kofferraum leicht, über die hinteren Türen schwerer zu erreichen. Der Klappmechanismus funktioniert nicht ganz einfach, Erwachsene sollten nicht all zu lange dort ihre Zeit verbringen. Zudem vermindert sich das Kofferraumvolumen auf 190 Liter - das sind Cabrioverhältnisse.

Angesichts der Zeiten der Kinderarmut wird eine dritte Sitzreihe nicht benötigt. Und als Schulbus sollte der Pathfinder nicht eingesetzt werden, da dann nicht ausreichend Stauraum für die Tornister bereit stände.

Tradition verpflichtet

Kantig und eckig
Kantig und eckig © Foto: AG/Flehmer

Trotz des wertigen Innenraums mit Navigationssystem, (sinnvoller) Rückfahrkamera und einer Radio-CD-Kombination sowie Ledersitzen ist der Pathfinder von den von Nissan angepriesenen PKW-Gefühlen weit entfernt. Und das ist auch gut so, um nicht den Auftritt des zwischen Murano und X-Trail stehenden Traditionalisten zu verwischen.

Denn mit Anlassen des gut hörbaren 126 kW/171 PS starken 2,5 Liter Diesels fühlt man sich gleich auf dem Weg in das Gelände. Wird der Gang eingelegt, ist man eher in der Wüste als auf dem Asphalt unterwegs. Wank- und Nickbewegungen gehören ebenso dazu wie ein straffes Fahrwerk, bei dem die Unwägbarkeiten der Straße eher zu spüren sind als bei Personenkraftwagen. Die Gänge lassen sich nicht immer gut einlegen, besonders beim dritten und vierten Gang kann man sich verschalten. Die Schaltwege sind lang - es ist halt ein Geländewagen.

Volltanken für 120 Euro

Wertiger Innenraum
Wertiger Innenraum © Foto: Nissan

Doch auch im Straßenverkehr kann der Pathfinder mithalten. 11,9 Sekunden werden für den Sprint zur 100 km/h-Marke benötigt und auch sonst ist Geländewagen kein Verkehrshindernis. 180 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit, werden aber eigentlich nicht benötigt, da der Pathfinder nicht die Atmosphäre eines sportlichen SUV verströmt. Und auch auf den Verbrauch sollte gerade in Zeiten des teuren Diesels geachtet werden. Mit zwölf Litern ist man immer dabei, je nach Fahrweise kann sich dieser Wert auch steigern.

Und dann fallen neben den 44.490 Euro Anschaffungspreis für die Ausstattungsversion LE noch etliche Besuche bei der Tankstelle an, um den 80 Liter fassenden Tank zu füllen. Rund 120 Euro sind dann fällig. Wer noch 2980 Euro übrig hat, spendiert sich das Navigationssystem mit der Rückfahrkamera. Weitere 750 Euro sind für die Metallic-Lackierung angesetzt. Das war es mit der Aufpreisliste. In der Basisversion XE ebnen schon 36.240 Euro den Weg in das Gelände.






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