4. November 2009

Fahrbericht Nissan Murano Reise-Sänfte mit Power-Benziner

Der Nissan Murano
Der Nissan Murano © Foto: Nissan

Der Nissan Murano profitiert im Straßenbild von seinem seltenen Auftritt. Die futuristische Front ist der perfekte Ausdruck des SUV - wenn nur der Durst nicht wäre.




Von Holger Holzer

Wie eine Trutzburg auf Rädern schirmt der Nissan Murano seine Insassen vom Stress des Straßenverkehrs ab. Das große SUV bietet fast alles, was diese Fahrzeugklasse so beliebt macht: hohen Komfort, gefühlte Sicherheit und Platz im Überfluss. Erkauft werden muss das aber mit hohen Spritkosten. Denn den Allrad-Japaner gibt es zurzeit ausschließlich mit einem 188 kW/256 PS starken V6-Ottomotor. Die Preisliste für das umfassend ausgestattete Modell startet bei 46.740 Euro.


Komfortabler Charakter

Im deutschen Straßenbild ist der 4,83 Meter lange Murano so selten wie er auffällig ist. Die futuristische Front mit dem vorgeschobenen Stoßfänger gibt seinem Gesicht einen leichten Unterbiss, die geschlitzten Scheinwerfer gehen fast nahtlos in den Chromkühlergrill über, so dass sich ein glitzerndes Band aus Glas und Metall über die komplette Front zieht. Das ausladende Heck steht leicht schräg und gibt dem Fünftürer so einen dynamischen Abschluss. Der Innenraum wirkt äußerst großzügig: Zwischen Fahrer und Beifahrer ist Platz für eine mächtige Armlehne, die mit ihrer dicken Polsterung für so etwas wie Wohnzimmer-Atmosphäre sorgt. Die maximal fünf Insassen haben es auf allen Plätzen außerordentlich luftig und bequem.

Passend zum komfortablen Charakter gibt sich auch der Antrieb kultiviert, sanft und leise. Im Innenraum ist der Sechszylindermotor bei konstanter Geschwindigkeit kaum zu hören, und auch das Beschleunigen läuft angenehm unaufgeregt. Das serienmäßige stufenlose Getriebe hält das Triebwerk auch beim starken Tritt aufs Pedal immer im kleinen Drehzahlband zwischen 2 000 Touren und 3 000 Touren, was für Fahrer konventioneller Automatikwagen ungewohnt ist. Denn trotz seiner durchaus kräftigen Beschleunigungsleistung klingt der Murano monoton, als käme er nicht vom Fleck.

Warten auf den Diesel

Ein dynamisches Heck kennzeichnet den Murano
Ein dynamisches Heck kennzeichnet den Murano © Foto: Nissan

Ob man die ungewöhnliche Klangkulisse nun mag oder nicht - die Motor-Getriebe-Kombination passt perfekt zu dem kräftigen Gleiter. In jeder Situation steht ausreichend Durchzugskraft zur Verfügung, immer entfaltet sie sich prompt und gleichmäßig. Der Spurt von null auf 100 km/h etwa dauert lediglich 8,0 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 210 km/h erreicht.

Die andere Seite der Medaille zeigt sich beim Blick auf den Spritverbrauch: Mit zurückhaltender Fahrweise auf der Autobahn lässt sich der Herstellerwert von 10,9 Litern erreichen, bei höherem Stadtanteil fließen aber schnell mal zwei bis drei Liter mehr durch die sechs Zylinder. Passender wäre da sicherlich ein Dieselmotor, doch der kommt erst noch.

Kein Geländegänger

Schicker Innenraum
Schicker Innenraum © Foto: Nissan

Seinem komfortablen Charakter entsprechend ist das große SUV recht soft abgestimmt. Schlechte Straßen werden kompromisslos glatt gebügelt. Zum Sportler taugt der in Kurven zum Untersteuern neigende Murano damit nicht. Ebensowenig ist er ein Geländegänger. Der sich bei Bedarf automatisch zuschaltende Allradantrieb ist zwar immer an Bord, dient aber nur als Fahrdynamikhilfe und als Helfer beim Anfahren auf glatter Straße.

Seine Trümpfe kann das Allrad-Top-Modell der Japaner so vor allem auf gut ausgebauten Langstrecken ausspielen. Als Reiseauto bietet er fünf Passagieren bequem Platz und nimmt sogar noch 402 Liter Gepäck auf, die hinter einer optionalen elektrischen Heckklappe verstaut werden können.
Diese schwingt allerdings nur lähmend langsam auf und hängt zudem recht tief; Großgewachsene stoßen sich schnell den Kopf. Praktisch allerdings ist, dass sich die Rücksitze mit einem Hebel im Kofferraum aus der Ferne umklappen lassen.

Umfangreiche Ausstattung

Mit einem Basispreis von 46.740 Euro liegt der Murano deutlich unter den deutschen Wettbewerbern wie BMW X5 und Mercedes ML. Für die Kfz-Haftpflicht fallen etwa bei der AXA 908 Euro pro Jahr an. Punkten kann aber die umfangreiche Ausstattung: Xenon-Scheinwerfer, CD-Wechsler, Lederpolster, Klimaautomatik, DVD-Navi und ein schlüsselloses Zugangssystem gehören ebenso zum Basisumfang wie zwei Rückfahrkameras. Diese sorgen dafür, dass der große und recht unübersichtliche Wagen problemlos den Weg in die Parklücke findet. Eine der beiden Kameras überwacht dabei den Bereich um das rechte Vorderrad und bewahrt den Fahrer so vor Bordstein-Kratzern an den Felgen.

Unterm Strich ist der Nissan Murano ein Fahrzeug für den besonderen Geschmack. Das hohe Komfortniveau, die komplette Ausstattung und die hohe Wertanmutung machen ihn zum perfekten Reise- und Freizeitauto für Freunde benzinbetriebener Luxus-SUV. Doch erst der angekündigte Dieselmotor dürfte den etwas speziellen Wellness-Japaner auch einer breiteren Kundenschicht in Deutschland erschließen. (mid)






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