17. September 2008

Fahrbericht Nissan Murano Lack für die Nische

Der neue Nissan Murano
Der neue Nissan Murano © Foto: Nissan

Der Nissan Murano startet in seine zweite Lebensphase. Bei dem auf neuer Plattform stehenden Crossover-Modell kann sich der Lack selbst reparieren.




Von Thomas Flehmer

Nein, ein Erfolgsschlager wird auch der rundum erneuerte Murano von Nissan nicht werden. In den ersten drei Jahren seit der Markteinführung in Deutschland im Jahr 2005 konnten 3920 Einheiten des Crossover-Modells verkauft werden. Auch der neue Murano wird kaum mehr Kunden finden, die Ziele von 1000 Fahrzeugen pro Jahr ähneln dem bisherigen Verlauf. Doch die Japaner haben das nun auf der neuen D-Plattform stehende Crossover-Flaggschiff mit ein paar Feinheiten geschmückt.


Zäher Sechszylinder

So wurde die Frontpartie spitzer gestaltet - und ähnelt so der Jetfighter-Front eines Mitsubishis Lancer oder Alfa Romeo. Dadurch treten die Scheinwerfer deutlicher hervor und sorgen für einen dynamischeren Auftritt ohne dabei das bekannt rundliche Auftreten zu verlieren, das den oberen Teil des Autos prägt. Anleihen und Ähnlichkeiten zum Qashqai sind gewollt. So haben die Rückleuchten und die Heckpartie eine gewisse Nähe zu Nissans Erfolgsschlager. Die ansteigende Seitenlinie und die mehr zur Fahrzeugmitte gezogenen Radkästen unterstreichen den sportlichen Anspruch des Murano.

Dieser sportliche Anspruch könnte durch den auch im 350 Z arbeiteten Sechszylinder ihre Erfüllung finden. Doch die auf 256 PS gesteigerte Leistung kommt nicht ganz zutage. So macht sich der Murano beim Spurt das Leben selbst schwer und kommt nur beschwerlich auf Touren. Die von Nissan angegebenen acht Sekunden für den Spurt bis zur 100 km/h-Marke fühlen sich deutlich länger an.

Diesel ab 2010

Die Ähnlichkeit zu Nissans Erfolgsschlager Qashqai ist gewollt.
Die Ähnlichkeit zu Nissans Erfolgsschlager Qashqai ist gewollt. © Foto: Nissan

Abhilfe wird hier der Dieselmotor schaffen. Allerdings müssen sich die Freunde des Selbstzünders noch gedulden. Denn diese Motorvariante ist laut Nissan erst für 2010 geplant.

So lange muss auch bei den Zwischenspurts das Drehmoment von 340 Nm kräftig arbeiten, um die 1,9 Tonnen in Bewegung zu halten. So hat zudem das lediglich mit fünf Gängen ausgestattete und somit veraltete Automatikgetriebe Schwierigkeiten, den richtigen Zeitpunkt zum Hochschalten zu finden.

Schickes Innenraum-Ambiente

Cockpit mit Wohlfühlcharakter
Cockpit mit Wohlfühlcharakter © Foto: Nissan

Ist der Murano aber am Rollen, können sich die Insassen bequem zurücklehnen. Das Innenraum-Ambiente lädt zum Verweilen ein, Nissan spricht zu Recht von einem Premium-Gefühl. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die orange schimmernde Unterlegung der Instrumente, die aber trotzdem gut ablesbar sind. Das Interieur wirkt sehr wertig, die Mittelkonsole mit dem manchmal sehr langsam arbeitenden Navigationssystem wirkt wuchtig, aber nicht überfrachtet. Ein iPod-Anschluss fehlt, allerdings kann das Gerät mit einem Chinch-Adapter am optional erhältlichen DVD-System an der Rückseite der Mittelkonsole etwas umständlich angeschlossen werden.

Die Personen auf den hinteren Sitzen stört die etwas unorthodoxe Art des Geräte-Anschlusses nicht. 2,83 Meter Radstand sorgen dafür, dass die Beinfreiheit auch im Fond gegeben ist. Die Sitze selbst sind gut konturiert und geben viel Halt. Der Kofferraum ist mit 402 Litern gut ausgestattet.

Lack repariert sich selbst

Pfiffige Idee mit der Kamera im Außenspiegel
Pfiffige Idee mit der Kamera im Außenspiegel © Foto: Nissan

Neu im Murano ist die im rechten Außenspiegel integrierte Kamera, die beim Vorwärtseinparken den rechten Weg weist. Ebenfalls neu ist der neue Lack, der sich selbst reparieren kann. Kleine Kratzer oder Steinschläge verschwinden durch thermische Einflüsse z.B. durch die Sonne. Grobe Kratzer von Geländefahrten allerdings schädigen den Lack auch weiterhin.

Doch ob jemals ein Murano den verbesserten All Wheel Drive im Gelände ausprobieren wird, ist stark zu bezweifeln. Dafür wirkt das Crossover-Flaggschiff der Japaner vor allem wegen seiner Rundungen im oberen Teil der Karosserie zu zart und eher für den Asphalt gebaut. Hier befindet sich der Murano in seinem Element. Das Fahrverhalten ist sehr ansprechend bis auf das bereits angesprochene Temperament. Der Kontakt zur Straße ist über Fahrwerk und der direkten Lenkung vorhanden. 10,9 Liter Superbenzin soll der Sechszylinder schlucken und dabei einen nicht alltäglichen CO2-Wert von 261 Gramm pro Kilometer in die Luft blasen.

Nischendasein vorprogrammiert

Jetfighter-Front für ein dynamischeres Aussehen
Jetfighter-Front für ein dynamischeres Aussehen © Foto: Nissan

Vielleicht ist auch der große CO2-Ausstoß mit ein Grund, warum der Erfolg des mindestens 46.740 Euro teuren Murano hauptsächlich in Nordamerika stattfindet. In Deutschland wird der Crossover weiter sein Nischendasein führen - trotz des selbst reparierenden Lackes und aller Premiumgefühle.






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