6. Juni 2008

Fahrbericht Nissan Murano 3.5 V6 Ungestillte Sehnsucht

Der Nissan Murano
Der Nissan Murano © Foto: Nissan

Es wäre schön gewesen, wenn die neue Generation des Nissan Murano zum Marktstart im Herbst den lang ersehnten Dieselmotor bekommen hätte. Doch optisch geschärft mimt der Murano ein weiteres Jahr den Benzin-Einzelkämpfer.




Von Stefan Grundhoff

Viele schüttelten vor Jahren den Kopf als Nissan seinen US-Crossover namens Murano ohne Selbstzünderalternative auch auf den europäischen Markt brachte. Doch obwohl sich in dieser Klasse nahezu alles um drehmomentstarke Diesel dreht, schlug sich der betont dynamisch gestylte SUV durchweg ordentlich. Wurde beim europäischen Marktstart im Jahre 2005 noch nebulös über einen Murano-Selbstzünder philosophiert, so steht nun fest dass ein solcher kommt - leider sehr spät. Markentochter Infiniti sei Dank kommt Ende 2009 ein drei Liter großer V6-Diesel mit rund 230 PS auf den Markt.


Neu-Entwicklung

Auch wenn er nicht so aussieht: der Murano der Generation II ist ein komplett neu entwickeltes Auto. Zwar gab es beim Design keine großen Sprünge, doch der im Herbst auf dem deutschen Markt startende Nissan Murano basiert auf der im vergangenen Jahr eingeführten neuen D-Konzernplattform, die unter anderem den Mittelklasselimousine Altima, Maxima sowie dem russischen Teana ein Zusause bietet. Legte der besonders in den USA seit 2003 ungemein erfolgreiche Fünfsitzer bereits bisher viel Wert auf sein schmuckes Äußeres, so zeigt sich der Murano II optisch nur leicht modifiziert; jedoch etwas kraftvoller und erwachsener als der kaum zierlichere kleine Bruder Rogue, der allein in den USA angeboten wird.

Die Sitze im Nissan Murano
Die Sitze im Nissan Murano © Foto: Press-Inform

Die Frontscheinwerfer des Murano laufen nach der Gesichtsstraffung unter dem verchromten Kühlergrill spitz zusammen und auch das Heck bekam durch neue Leuchteneinheiten mehr Dynamik. Geblieben sind die charakteristisch konturierten Kotflügel und die zum Dachspoiler hin zulaufende seitliche Fensterlinie. Im Innenraum gefällt das neue und deutlich wertigere Armaturenbrett das sich angenehm vom lieblosen Charme des SUV-350ers abhebt. Der 2,83 Meter lange Radstand sorgt dafür, dass man es auch in der zweiten Reihe vortrefflich aushalten kann.

Bequeme Sitze

Die Sitze sind bequem, Verstellmöglichkeiten und Beinauflage könnten vorn jedoch nach wie vor besser sein. Immerhin gibt es nun beheizbare Sitze für beide Sitzreihen. Der Kofferraum behielt nicht nur die unverändert nervig hohe Ladekante, sondern auch das geringe Fassungsvermögen von rund 450 Litern. Wer die Rückbank per Knopfdruck umklappt, kann bis zu 900 Liter nutzen. Nicht viel für einen SUV, aber wer schön sein will, muss schon einmal leiden.

Der Seitenanblick des Nissan Murano
Der Seitenanblick des Nissan Murano © Foto: Nissan

Im Gegensatz zu den erstarkten Infiniti-Modellen der Generation 37 mit 3,7 Liter Hubraum und über 300 PS muss der 4,79 Meter lange Murano schon um den Abstand zu wahren auch weiterhin mit dem 3,5 Liter großen Volumen-Triebwerk aus dem Hause Nissan auskommen. Immerhin gab es eine Leistungsspritze auf 198 kW / 265 PS. Das maximale Drehmoment, das via stufenlosem CVT-Automatikgetriebe auf die beiden Achsen übertragen wird, stieg ebenfalls auf nunmehr 336 Nm an. 0 auf 100 km/h schafft der Murano in unter neun Sekunden; die Höchstgeschwindigkeit wird bei 200 km/h abgeriegelt. Der alles andere als zurückhaltende Durst des Nissan Murano dürfte sich kaum geändert haben. Die in Aussicht gestellten zwölf Liter sind nur bei zurückhaltender Fahrweise zu realisieren.

Focus auf Allradler

Während der Murano in den USA wahlweise als Frontantriebs- und Allradversion angeboten wird, dürfte dem deutschen Markt unverändert allein der Allradler vorbehalten bleiben. Doch auch hier ist der Hinterradantrieb kaum mehr als eine mittelprächtige Unterstützung bei rutschigem Untergrund. Im Normalfall werden gut 90 Prozent der Motorleistung auf die Vorderräder übertragen. Der Kraftfluss zur Hinterachse bei durchdrehenden Rädern dauert im Leistungsabruf allzu lang. Bis die variable Kraftverteilung greift, fährt der 1,8 Tonnen schwere Japaner sich im Grenzbereich als untersteuernder Fronttriebler. Angesichts der betont komfortablen US-Abstimmung kommt der Fahrer jedoch kaum in die Versuchung, den Murano II eilig um Kurven zu scheuchen.

Das Heck des Nissan Murano
Das Heck des Nissan Murano © Foto: Nissan

Der Marktstart für die US-Version des Nissan Murano war bereits im Januar dieses Jahres. Im Herbst startet die Generation zwei - mit zahlreichen Adaptionen am Fahrwerk - dann auch in Europa. Die magere Basisausstattung Murano S wird es hierzulande jedoch nicht geben. Denn gerade solange bis der Diesel kommt, hat der Murano nur mit Vollausstattung und Kampfpreis eine Chance gegen die Dieselkonkurrenz. Der Basispreis lag im Vorgänger bei gut 47.000 Euro inklusiv kompletter Sicherheitsausstattung. Wer die standesgemäßen elektrischen Ledersitzen, Xenonlicht und DVD-Navigation will, liegt bei stattlichen 56.000 Euro. Bleibt abzuwarten, wie der neue Murano in Deutschland gepreist wird.






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