4. Oktober 2010

Fahrbericht Nissan Cube Nissan Cube: Kampf der Kulturen

Der Nissan Cube fällt auf
Der Nissan Cube fällt auf © Foto: AG/Flehmer

Auffallend anders kutschiert der Nissan Cube durch die Städte und über die Autobahnen. Das seit acht Jahren in Japan sehr erfolgreiche Würfelauto wird in den hiesigen Breitengeraden eher seltener in freier Wildbahn aufzufinden sein.




Von Thomas Flehmer

So genannte Würfelautos haben Hochkonjunktur - zumindest in Japan. Egal, ob der Daihatsu Materia oder der Nissan Cube, die fast quadratischen Kisten sind in der Heimat regelrechte Erfolgsschlager. Für die Macher von Nissan ein Grund, den Cube, der bereits in dritter Generation aufgelegt wurde, nun erstmals auch in Deutschland einzuführen.


Zwiespältige Gefühle

Ein Grund, warum der Cube hier immer noch zu den Außenseitern zählt, verdeutlicht der Faktor des Auffallens. Gefühlte 90 Prozent aller Verkehrsteilnehmer drehten sich während des zweiwöchigem Testzeitraums nach dem Gefährt um, egal ob in der Stadt oder auf den Fernstraßen. Die individuelle Form des Cube, bei dem man jederzeit das Gefühl hat, dass gleich zwei gebräunte Weißbrotscheiben aus dem Dach hervorfliegen, erregt bei den Betrachtenden, die den knapp vier Meter kurzen Cube zum ersten Mal auf öffentlichen Straßen sehen, Gefühle zwischen "coolem Auto" und Mitleid.

Die gedrungene Form, bedingt auch durch eine Höhe von lediglich 1,67 Meter, sorgt für diese zwiespältigen Gefühle. Wäre der Wagen einen halben Meter länger und etwas höher, würde das mitteleuropäische Kulturverständnis auf ein altes englisches Taxi tippen. Neben der gewöhnungsbedürftigen Form sorgt auch die asymetrische Heckpartie besonders auf der Beifahrerseite nicht gerade für Beifall. Anders die sich zur Straßenmitte öffnende Hecktür, die das Beladen des zwischen 260 und 410 Liter kleinen Kofferraums erleichtert.

Wohnzimmeratmoshäre aus den Sechzigern

Zwischen Design und Alltagstauglichkeit schwankt auch der Innenraum. Die Sessel vorn und die Rückbank lassen einen in die Wohnzimmereinrichtungen der Wirtschaftswunderjahre zurückbeamen. Weich und bequem sitzt es sich, dafür ist der Seitenhalt nicht gerade vorhanden, was sich besonders bei Kurvenfahrten bemerkbar macht, in denen die "Box" doch arg wankt.

Ansonsten weht durch das Cockpit ein Klima zum Zurücklehnen, es fehlt nur noch der passende Frottee-Überzug für die Sitzgelegenheiten. Geckig ist die Stoffablage oberhalb des Armaturenbrettes, auf der Handys oder Schlüssel ohne zu Verrutschen abgelegt werden können. Spielzeug sind dagegen die Gummigurte in Innenbereich der Tür. Ansonsten stehen pfiffige Ablagen zur Verfügung. Durch seine eckige Form kommen die Köpfe niemals in Gefahr, an den Dachhimmel zu stoßen.

Gemütliches Cruisen

Überraschend schlecht dagegen ist die Rundumsicht trotz zahlreicher Glasflächen. Doch Kopfstützen und Designelemente an den Fensterscheiben vermindern den richtigen Blick nach rechts hinten. Und auch die Sicht durch die Heckscheibe ist limitiert. Da kommt es zugute, dass die 81 kW/110 PS des 1,6 Liter großen Benziners nicht allzu deutlich zu spüren sind und man eher gemütlich über den Asphalt rollt und so genug Zeit hat, nach hinten zu schauen.

11,3 Sekunden dauert der Sprint bis in den dreistelligen km/h-Bereich, aber das ist beim Cube ebenso zweitrangig wie die 153 Newtonmeter, die ihre maximale Kraft erst bei 4400 Kurbelwellenumdrehungen entfalten. Es geht gemütlich voran, auch wenn die leider nur fünf Gänge schnell und gut eingelegt werden können. Der sechste Gang würde sich spätestens bei 80 km/h anbieten, doch auch ohne den sparsameren Gang liegt das Verbrauchsniveau noch in den Grenzen.

Stolzer Einstiegspreis

6,8 Liter benötigte der Cube in der Stadt, 6,4 Liter waren es über Land bei einem Tempo zwischen 120 und 140 km/h. Rund 30 km/h mehr kann der Cube leisten, doch passt das nicht zu dem Wohnzimmer-Charakter des Kasten-Wagens.

Was nicht ganz passt ist der Preis, der bei 18.000 Euro beginnt. Damit ist zwar schon fast alles an Bord. Rund 2500 Euro können noch für Klimaautomatik, Regensensor, Leichtmetall-Felgen, getönte Heckscheibe, Navi mit USB-Schnittstelle und Radio-CD-Kombination sowie Metallic-Lackierung in einzelnen Paketen investiert werden. Doch wird allein schon der Einstieg die meisten Privatleute erschrecken, da der Preis des Auffallens dann doch recht hoch. Bisher wurde der Cube auch hauptsächlich von gewerblichen Kunden geordert. Zwischen 80 und 90 Prozent liegt der Anteil - und beklebt fällt der Cube sicher noch deutlicher auf. Die Privaten werden sich - anders als die Japaner zurückhalten. Dafür wirkt der Cube dann doch zu japanisch.






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