3. Juli 2009

Fahrbericht Nissan Cube 1.8 Zauberwürfel aus Fernost

Der Nissan Cube
Der Nissan Cube © Foto: press-inform

Die Zahl der automobilen Charakterköpfe wird immer kleiner. Da kommt Kleinwagenfans der Nissan Cube gerade recht. Kantig wie ein Zauberwürfel und anschmiegsam wie ein iPod will er wieder Wind in das müde Nissan-Portfolio bringen.




Von Stefan Grundhoff

Abgesehen von den beiden Sportskanonen 370Z und Skyline GT-R sucht man emotionale Autos im Portfolio des japanisch-französischen Autoherstellers Nissan seit längerem vergebens. Damit ist ab Herbst diesen Jahres Schluss. Denn nachdem die erste Cube-Generation aus Crash- und Marketinggründen noch einen weiten Bogen um Europa machte und allein in Japan begeisterte, soll der Cube II junge, urbane Szene-People zu Nissan locken. Die einfache Formel: wem iPhone, Designermöbel und ein kleines Cityloft gefallen, der ist für den Nissan Kubus genau der richtige. Sein Design ist dabei nicht nur in der Lackierung „«hite-pearl» ein echter Hingucker.


Kuschelige Sitze

Kantig, auffällig, einprägsam - der Nissan Cube macht seinem Name alle Ehre und sticht nicht nur in der Coca-Cola-Hauptstadt Atlanta deutlich aus dem Innenstadtgetümmel heraus. Noch konsequenter als der amerikanische Toyota-Ableger Scion spielt der Cube mit Formen, die man sonst allenfalls im Möbelmarkt um die Ecke, selten aber im immer weichen gespülten Automobildesign, findet.

Das Ritter-Sport-Motto «quadratisch - praktisch - gut» findet auf einer Länge von 3,98 Metern eine ungewöhnlich automobile Ausprägung. Mit einem Aufmaß von 1,70 Metern ist der asiatische Fronttriebler ebenso hoch wie breit und bietet im Innenraum dank 2,53 Metern Radstand bequemen Platz für vier Personen. Die vorderen Sessel sind kuschelig weich und auch im Fond fühlt man sich Dank der weit nach hinter verschiebbaren Rückbank angenehm aufgehoben.

Lichtorgel im Innenraum

Das Cockpit im Nissan Cube
Das Cockpit im Nissan Cube © Foto: Nissan

Vom individuellen Außendesign ist im Innern nicht allzu viel geblieben. Zwar gibt es eine Lichtorgel, die verschiedene Bereiche des Innenlebens in wechselnde Farbspiele hüllt. Doch ansonsten ist von der gewünschten Lounge-Atmosphäre nicht viel zu spüren. Der Verstellbereich der vorderen Sitze ist unzureichend, die Plastikverkleidungen sind alles andere als kratzempfindlich und vom Handschmeichler-Design von iPhone und Co. ist nicht viel zu spüren.

Immerhin ist man in einem variablen und praktischen Gefährt unterwegs. Ein- und Ausparken sind aufgrund der guten Übersichtlichkeit auch ohne entsprechende Sehhilfen kein Problem und über die weit aufschwingende Hecktür lässt sich der Kofferraum trotz hoher Kante locker beladen. Die Flatterabdeckung des Gepäckabteils sollte man jedoch gleich nach Inbetriebnahme des Fahrzeugs entsorgen. Hier gibt es im Baumarkt um die Ecke deutlich stilvollere Varianten. Wer die geteilt umlegbare Rückbank umklappt, kann einen quadratischen Stauraum von über 1.600 Litern nutzen.

Echtes Citymobil

Interessante Heck/Seitengestaltung
Interessante Heck/Seitengestaltung © Foto: press-inform

Der Nissan Cube ist mit seinen kompakten Abmessungen und der ordentlichen Raumausnutzung ein echtes Citymobil. In den USA wird er von einem 1,8 Liter großen Vierzylinder mit 90 kW / 122 PS und 170 Nm Drehmoment angetrieben. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei gut 170 km/h. Der Motor ist alles andere als innovativ und kein Sparweltmeister, jedoch immerhin mit einer zeitgemäßen Sechsgang-Handschaltung gekoppelt, die für niedrige Drehzahlen sorgt. Sein Verbrauch: knapp neun Liter Normalbenzin auf 100 Kilometern. In Europa kommt der auf der Clio-Plattform basierende Nissan Cube mit zwei Renault-Triebwerken auf den Markt. Neben einem 105 PS starken Commonrail-Diesel dürfte sich gerade der rund 120 PS starke Benziner einer großen Beliebtheit erfreuen.

Front-, Kopf- und Seitenairbags sind beim Cube II ebenso serienmäßig wie ESP und eine Reifendruckkontrolle. Wenn man die flatternde Laderaumabdeckung schon einmal ausgetauscht hat, kann man sich gleich noch das wenig zeitgemäße Soundsystem vornehmen. Das sieht nicht nur aus, wie ein Asienmodell der frühen 80er Jahre - es klingt auch genauso blechern. Überhaupt hat Nissan bei einem Styling-Purismus wenig Wert auf eine standesgemäße Haptik gelegt. Dass sollte den anvisierten Kunden jedoch durchaus wichtig sein. Ein praktischer Dosen- / Flaschenhalter am Armaturenbrett, weiche Kuschelsitze und ein wechselnd illuminierender Innenraum allein sind für ein neues Autos vielleicht doch etwas dünn. Praktisch und ungewöhnlich jedoch Klemmgummis in den Türen und eine weiche Teppichmatte auf der Armaturentafel, wo das Mobiltelefon einen weichen, aber alles andere als bremssicheren Platz findet.

Warten auf den Preis

Viel Platz zum Beladen
Viel Platz zum Beladen © Foto: press-inform

Bleibt abzuwarten, wie Nissan den schmucken Cube in Europa einpreist. In den USA startet das gut ausgestattete Basismodell mit dem 1,8 Liter großen Benziner bei 14.690 Dollar - macht kaum mehr als 10.000 Euro. In unseren Breiten dürfte der Cube gut und gerne 5.000 Euro mehr kosten. Viel Geld für ein echtes Citymobil, das Nissan dringend in der Modellpalette benötigt.

Als Konkurrent von Charakterköpfen wie Kia Soul, Toyota Urban Cruiser oder Daihatsu Materia hat der Nissan Cube gute Aussichten. Doch der Preis muss stimmen. Eine iPod-Schnittstelle wäre ebenfalls nicht schlecht. In den USA gibt es allein einen Klinkenstecker. Da werden die Apple-Jünger toben.






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