7. November 2007

Fahrbericht Günstiger Porsche-Jäger

Nissan 350Z Roadster
Nissan 350Z Roadster © Foto: Nissan

Der Nissan 350Z hat alles, was ein Sportwagen braucht. Doch der Erfolg bleibt dem Japaner verwehrt - selbst der günstige Preis im Vergleich zur deutschen Konkurrenz kann keine Kunden locken.




Von Thomas Flehmer

Es ist wie bei einem attraktiven Fußballspiel vor leeren Rängen. Es wird bedauert, dass zuwenig Zuschauer anwesend waren. In einer ähnlichen Situation kämpft der Nissan 350Z um Anteile auf dem deutschen Markt. Dabei hätte der Kultsportler aus Japan, Nachfahre des legendären Datsun 240Z, mehr Käufer verdient. Denn der Nissan hinterlässt einen glänzenden Eindruck, wie unsere Testfahrten zeigten.


Guter Cruiser

Dazu trägt zuerst der erneut verstärkte 3,5 Liter-Motor bei. Mittlerweile treiben 230 kW/313 PS den Sechszylinder an, die den Sportwagen innerhalb von 6,1 Sekunden in Richtung 100 km/h katapultieren. Dabei sollte die Straße recht trocken sein, da sonst der Hecktriebler schnell ausscheren möchte, aber auch ebenso schnell vom ESP wieder eingefangen wird.

Dank kurzer Schaltvorgänge mit dem manuellen Sechsganggetriebe ist die sportliche Fahrweise jederzeit gewährleistet. Aber auch im Stadtverkehr sorgt das gut drehende Triebwerk für Freude. Bei 40 km/h kann bereits der vierte Gang eingelegt werden, bei 50 km/h ist der fünfte dran, der Motor schnurrt trotzdem dankbar weiter ohne in die Untertourigkeit abzugleiten. Somit kann auch der Kraftstoffverbrauch in für Sportwagen einigermaßen erträglichen Bereichen gehalten werden. Zwischen 12,4 und 13,4 Liter SuperPlus standen je nach Fahrweise auf dem Bordcomputer.

Spezial getunter Auspuffsound

Gut ablesbare Instrumente
Gut ablesbare Instrumente © Foto: Nissan

Dass es aber mehr Spaß macht, den Wagen auf seine sportlichen Attribute zu prüfen, ist klar. Da kommt selbst Freude auf, wenn der Tacho die eigentlich reglementierten 250 km/h überschreitet und erst 12 km/h später zum Stillstand kommt. Eine Abregelung sei trotzdem vorhanden, sagt Nissan-Sprecher Michael Schweitzer, der Tacho könne halt etwas abweichen.

Die schnelle Fahrt sollte übrigens ohne großartige Konversation vonstatten gehen. Zum einen hört man den spezial getunten Auspuffsound, zum anderen bleibt einem bei diesen Geschwindigkeiten auch kaum etwas anderes übrig. Das Soft-Top, das sich innerhalb von 20 Sekunden jeweils öffnen oder schließen, hält nicht viele Fahrgeräusche ab.

Optimale Abstimmung

Sportliches Ambiente
Sportliches Ambiente © Foto: Nissan

Aber dieser Tribut sollte der Maschine im Zusammenhang mit dem hervorragend eingestellten Fahrwerk zugestanden werden. Die Lenkung vermittelt die nötige Sicherheit und auch den sportlichen Komfort, in den Sportsitzen lassen sich sogar längere Touren ohne Probleme absitzen.

Zum einen geben die optional zu ordernden Ledersitze Halt, zum anderen sorgt auch der Radstand von 2,65 Metern für eine bequeme Sitzhaltung - selbst für Personen über 1,85 Meter, zum dritten federt der Zweisitzer dank niedrigem Schwerpunkt und großen Spurweiten Unebenheiten der Straße sehr gut ab. Es passt einfach alles.

Radio mit Cassettenteil

Innenraum hochwertig, aber ohne Leder
Innenraum hochwertig, aber ohne Leder © Foto: Nissan

Auch der Innenraum bietet ein stimmiges Bild. Die Rundinstrumente im oberen Bereich der Mittelkonsole erinnern an den ersten 240Z aus dem Jahr 1969. Tacho und Drehzahlmesser sind hinter dem Lenkrad gut einsehbar. Aber der Innenraum verdeutlicht auch, warum der 350Z fast 20.000 Euro günstiger ist als ein Porsche Cayman. Nissan hat auf die teuren Lederverkleidungen verzichtet ohne dabei ins Prollige rutschen zu müssen, da die angebotene Plastik voll und ganz den Ansprüchen entsprechen kann. Auch einen Komfortblinker sucht man vergebens.

Etwas fisselig ist die CD-Kombination zu bedienen. Auch konnte der Tuner auf den Testfahrten in Berlin nicht alle Sender einwandfrei empfangen. Als Ausgleich bietet das Gerät für Nostalgiker ein Cassettenteil (!) an.

Wunderschönes Design

Auch geschlossen ein Hingucker
Auch geschlossen ein Hingucker © Foto: Nissan

Ein weiter Ausgleich ist das Design mit der wunderschönen Seitenlinie. Aber auch die zum Understatement neigende Front mit den trapezförmigen Scheinwerfern sorgt für absolute Sportlichkeit. Während beim Coupé die lange Klappe das Heck dominiert, muss der Roadster das Dach verstauen. Das Heck sieht hier etwas breiter aus als beim Coupé ähnlich wie beim neuen Alfa Spider, der ebenfalls über 1,7 Tonnen auf die Waage bringt.

Doch diese Abstriche können beim Nissan 350Z Roadster in Kauf genommen werden. Denn der Einstiegspreis von 40.890 Euro - mit Premium Pack 43.290 Euro - ist ein absoluter Knaller. Unser Testwagen mit Alezan-Orange-Lederpaket und DVD Navigationssystem kostete weitere 3000 Euro extra. Das sind immerhin umgerechnet auch über 90.000 Mark, aber man würde trotzdem etwas verpasst haben, wenn man ihn nicht gefahren wäre.






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