7. Februar 2006

Fahrbericht Mazda 6 MPS: Auch Japaner tunen gerne

Optisch nur leicht zum Grundmodell verändert: der Mazda 6 MPS
Optisch nur leicht zum Grundmodell verändert: der Mazda 6 MPS © Foto: press-inform

Mercedes hat sein AMG, Audi und BMW machen in S und M und Opel markiert seine Sportgeräte mit dem Kürzel OPC. Nun also kommt noch MPS dazu. Das sind die drei Buchstaben, die sagen: Platz da für den Mazda.




Von Jürgen Wolff

Was als erstes auffällt: Da fehlt was. Hinten. Da wo andere japanische Hersteller ihren Kraftmeiern ein Leitwerk wie bei einer 747 auf die Heckklappe Pfropfen findet sich beim Mazda 6 MPS nur ein dezentes Spoilerchen an der Abrisskante. Und das ist gut so. Denn während Subaru oder Mitsubishi eher ihre Rallye-Versionen zum sportlich spannenden Familienauto herunter brechen (und auf die «Theken» am Heck nicht verzichten mögen), kommt der Mazda 6 MPS als hochgerüstete Familienkutsche daher. Und es ist kaum zu glauben, was man aus dem biederen Japaner machen kann.


Kein «Overstatement»

Für den MPS haben Mazdas Designer auch optisch eine dezente, aber wirkungsvolle Aufrüstung betrieben - bloß kein «Overstatement» war die Devise. In den aerodynamisch optimierten vorderen Stoßfänger wurden neben einem kräftig vergrößerten Kühllufteinlass auch zwei dunkel abgesetzte Ecken für die Nebelscheinwerfer integriert. Vom Mazda-typischen Grill führen zwei Sicken über die Motorhaube Richtung A-Säulen und ziehen den Vorderwagen so optisch in die Länge. Die Motorhaube selbst wurde um vier Zentimeter angehoben. Unter dem angedeuteten zweiten Sickenpaar soll so die Lage des flach auf dem Motor liegenden Ladeluftkühlers und die Turboaufladung angedeutet werden.

Für optische Länge in der Seitenansicht sorgen die deutlich modellierten Verkleidungen der Schweller. In den ausgestellten Radhäusern laufen 215/45 R 18-Reifen auf 18-Zoll-Leichtmetallfelgen im 15-Speichen-Design. Den Abschluss hinten machen ein dezenter Heckspoiler und die mächtige Heckschürze mit angedeutetem Diffusor und zwei integrierten Endschalldämpfern. Bei den beiden dicken Dingern könnte man auf die Idee kommen, unter der vorderen Haube seien sechs Zylinder bei der Arbeit. Kleine Täuschung: Vier Zylinder plus Turboaufladung und Direkteinspritzung sorgen für eine satte Leistung von 191 kW/260 PS - mehr als zum Beispiel im V6-Golf R32 (der allerdings klingt um Klassen besser).

Ohne Turboloch

Der 6er MPS sprintet in 6,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h.
Der 6er MPS sprintet in 6,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. © Foto: press-inform

Das Drehmoment von 380 Newtonmetern liegt bei 3000 U/min an. Das reicht dem ruhig laufenden 2,3-Liter-Ottomotor, um den 1,7 Tonnen schweren Mazda ohne Turboloch in 6,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 240 km/h. Vor allem beim Überholen ist so viel Leistung eine Wonne - ein Kick aufs Gaspedal - und ohne die geringste Verzögerung zieht der MPS schnell und souverän vorbei.

Einen nicht geringen Anteil daran hat die dank permanentem Allradantrieb ausgezeichnete Traktion. Mazdas Active Torque Split-System bringt je nach Fahrsituation und Straßenzustand variabel bis zu 50 Prozent der Motorkraft an die Hinterräder. Ein Sperrdifferenzial mit begrenztem Schlupf regelt zusätzlich die Kraftverteilung zwischen linkem und rechtem Hinterrad. Serienmäßig kommt der MPS mit Sechsgang-Handschaltung - eine Automatik ist laut Mazda nicht geplant. Die Schaltung ist dem sportlichen Charakter des Wagens bestens angepasst: Die Wege sind kurz und präzise geführt, dürften aber gerne noch ein bisschen knackiger ausfallen.

Straffes Fahrwerk

Diskret veredelt: das Cockpit des Mazda 6 MPS
Diskret veredelt: das Cockpit des Mazda 6 MPS © Foto: press-inform

Einen Tick mehr Sportlichkeit könnte auch die Lenkung noch vertragen: Beim munteren Kurvenfahren muss man für einen Sportler zu oft umgreifen. Das Fahrwerk ist so straff abgestimmt, wie es sich gehört und zirkelt den MPS auch bei flotter Fahrweise sicher um alle Kurven. Die Federung ist so bequem geblieben, dass auch schlechtere Wege nicht bis zum Steißbein durchschlagen und man am Ziel entspannt und unverkrampft aussteigt.

Innen ist der Mazda 6 der Mazda 6 geblieben - wenn auch vor allem im Bereich der chromgefassten Rundinstrumente und der Mittelkonsole etwas veredelt. Der Tacho reicht bis 280 und ist ebenso wie Drehzahlmesser und Co. gut abzulesen. Das Dreispeichen-Lenkrad ist mit griffigem Leder überzogen, der Schaltknauf mit Chrom und Leder aufgehübscht. Die Mazda-typisch erstklassig verarbeiteten Materialien wirken wertig und geschmackvoll - mit ein paar kleinen Ausnahmen. Die Schalter für Scheibenwischer und Blinker etwa wirken in diesem Umfeld billig - anscheinend gibt es in Japan nur einen Zulieferer, der alle Hersteller versorgt.

Abstriche beim Navigationssystem

Ein Ärgernis ist auch das Navigationssystem. Nicht nur, dass man Tagsüber bei eingeschaltetem Tagfahrlicht fast nichts mehr auf dem Display sehen kann - das Einstellelement ist neben dem Schaltknauf auf dem Kardantunnel auch nur zu bedienen, wenn man den Blick weit von der Straße wendet.

Die Ledersitze sind gut konturiert und bieten einen ausgezeichneten Seitenhalt. Platz ist vorn und hinten reichlich - auch für den Familienausflug. Anders als im «normalen» Mazda 6 ist allerdings die Rückbank im MPS nicht umklappbar. Das verhindern zusätzliche Träger hinter den Sitzen, die mit zu einer um 50 Prozent erhöhten Torsionsteifigkeit verhelfen. Auch der Kofferraum muss dafür einen Tribut zollen: Statt 505 Liter passen noch 455 Liter Gepäck ins Heck.

Familienauto mit Spaßfaktor

Ein dezenter Spoiler weist auf die sportlichen Qualitäten hin
Ein dezenter Spoiler weist auf die sportlichen Qualitäten hin © Foto: press-inform

Rund 1000 MPS will Mazda pro Jahr in Deutschland verkaufen. Europaweit sind jährlich 3.000 Fahrzeuge geplant. Die Chancen dazu stehen gar nicht schlecht. Der Mazda 6 MPS ist ein sportliches Familienauto geworden, mit dem Papi auch allein unterwegs seinen Spaß haben kann. Die Optik ist dabei sportlich genug ausgefallen, um Dynamik und Fahrspaß zu vermitteln - und dezent genug, um den Wagen ohne schlechtes Gewissen auch auf dem Chefparkplatz zu parken.

Mit 33.830 Euro und einer nahezu kompletten Ausstattung ist der MPS auch preislich interessant. Ein vergleichbarer Opel Vectra OPC etwa kostet knapp 5.000 Euro mehr. In der gleichen Preisklasse liegt auch der Evo von Mitsubishi - ebenfalls familientauglich, aber deutlich ruppiger. Weniger Geld muss man für einen Golf R32 anlegen. Der bietet für gut 32.000 Euro zwar noch mehr Fahrspaß, aber weniger Platz. So gesehen ist der Mazda 6 MPS sicher keine schlechte Wahl.






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