20. Februar 2007

Fahrbericht Lexus SC 430: Gemacht für Onkel Dagobert

Für Donaldisten!? Der Lexus SC 430
Für Donaldisten!? Der Lexus SC 430 © Foto: Press-Inform

Mit dem SC 430 will Lexus gegen Mercedes SL und BMW 6er-Cabrio antreten. Käufer erhalten einen technisch ausgereiften Hingucker zum Discount-Preis.




Von Jürgen Wolff

Das Grübeln hört nicht auf: Woran erinnert der mich der Lexus SC 430 bloß? Erst nach ein paar Tagen wird mir blitzartig klar: So stelle ich mir das Sportauto von Dagobert Duck vor: Der Daihatsu Copen für Donald, der Lexus SC 430 für Onkel Dagobert.


Inspiration aus dem Yachthafen

Aber kein Grund für «Argh!»s und «##@#*!!» jetzt in der Kölner Presseabteilung von Toyotas Edelmarke Lexus: Als bekennender Donaldist ist diese Assoziation höchst positiv - immerhin ist Dagobert die reichste Ente der Welt. Und jede Wette: Auch Dagoberts Gegenpart in der realen Welt, Bill Gates, hat einen SC 430 irgendwo in seiner weitläufigen Tiefgarage stehen.

Denn dort sieht man bei Lexus den Platz, der dem SC 430 gebührt: In der Luxus-Klasse, auf einem Parkdeck mit Mercedes SL und BMW 6er-Cabriolet. Es braucht keine zwei Wochen Test, um festzustellen: Da gehört der Klappdach-Lexus auch hin. Nicht nur, weil er schon preislich in der 80.000-Euro-Liga mitspielt. Er passt auch von der Technik und vom Komfort her bestens. Und optisch auch. Sicher: Ihm geht das aggressive Keil-Design eines Mercedes SL ab. Und mit dem dynamisch en Auftritt eines 911er oder Maserati hält er auch nicht mit. Mag auch sein, dass er auf den ersten Blick aussieht wie der große Bruder des kleinen Daihatsu Copen - auf jeden Fall ist der Lexus SC 430 ein Hingucker-Auto. Die obligaten fünf Runden über den mit Ampelstopps gesegneten Innenstadtring zeigen schnell: Dem schauen mehr Menschen hinterher als einem Porsche.

Geschlossen: Der Lexus trägt ein klappbares Stahldach
Geschlossen: Der Lexus trägt ein klappbares Stahldach © Foto: Press-Inform

Sicher - das liegt auch an der relativen Exotik des SC 430 in unseren Breiten. Aber nicht nur. Der Lexus zeigt auf seine ganz eigene Weise auch, dass er etwas Edles ist, kraftvoll, luxuriös und wertvoll. Und dass sein Fahrer sich nicht nur ein teures Auto leisten kann, sondern auch eine gehörige Prise Individualität. Die Lexus-Designer haben sich ihre Anregungen nicht zuletzt mehrere Wochen lang in den Yachthäfen der französischen Riviera geholt - das macht sich nun bis in die Detail hinein bemerkbar: Luxus mit Stil allenthalben.

6,2 Sekunden bis 100

Die Technik ist schnell abgehandelt beim Lexus SC 430 - sie ist so, wie man es in dieser Klasse erwarten kann. Der seidenweiche V8-Motor vorne unter der Haube läuft absolut ruhig, grummelt beim Gasgeben so dezent aber vernehmlich los, wie es sich für einen Sportler gehört und jagt mit seinen 210 kW/286 PS den Wagen binnen 6,2 Sekunden auf Tempo 100 - so man denn will. Meist aber will man lieber flott cruisen, mit offenem Dach, den Wind im Haar und mit Spaß auf kurvigen Landstraßen. Kein Problem: Der Lexus liegt satt und straff gefedert auf der Straße, zeigt wenig Hang zur Neigung und zieht souverän und sicher um die Kehren - zur Not regelt die Stabilitätskontrolle VSC alles mit dem nötigen Nachdruck wieder ein. Bei 250 km/h wird abgeregelt - und die sind auf der Autobahn schnell erreicht. Egal, ob offen oder geschlossen: Die Geräuschkulisse ist durchweg angenehm gedämpft. Mit einem Verbrauch von real knapp 14 Litern bleibt er gut im Rahmen seiner Klasse.

Klopf auf Holz: Der Lexus-Innenraum präsentiert sich klassentypisch edel
Klopf auf Holz: Der Lexus-Innenraum präsentiert sich klassentypisch edel © Foto: Press-Inform

Auch innen Luxus pur. Wer hier einsteigt, fühlt sich gleich aufgehoben wie in einem Fünf-Sterne-Hotel - auch, wenn es bei geschlossenem Verdeck vor allem bei größeren Zeitgenossen um den Kopf herum etwas eng zugeht. Das Auge dagegen schwelgt in polierten Holzvertäfelungen und feinem Leder. Die Instrumente sind da, wo sie hingehören und ohne großes Studium des Handbuches zu bedienen. Ein bisschen ärgerlich nur die Navigation: Der Touchscreen wird auch hier sehr schnell zum Tatsch-Screen.

Etliche Elektromotoren nehmen den Passagieren fast jede Arbeit ab. Regen- und Tageslichtsensoren, aktives Kurvenlicht, präzises und sehr gut abgestimmtes Automatikgetriebe, Tempomat, Klimaautomatik, ein binnen weniger als 25 Sekunden auf Knopfdruck unter der Kofferraumhaube versenkbares Klappdach, passgenaue Sitze, ein hochwertiges Soundsystem - alles serienmäßig. Inklusive der beiden Lexus-Reisekoffer für die Rückbank. Die taugt wie in fast allen Konkurrenzfahrzeugen auch im Lexus SC 430 nur als praktische Verlängerung des Kofferraumes, nicht nur dank des bescheidenen Fassungsvermögens von 321 Liter - ein SL bietet da auch nicht viel mehr. Eher schon, weil man sich kaum traut, den Kofferraum für profanes Gepäck zu nutzen.

Kofferraum mit Vorkriegs-Charme

Dieses Abteil ist einen eigenen Absatz wert. Okay. Praktisch geht anders - dazu ist der Kofferraum des Lexus zu zerklüftet. Und wenn das Klappdach noch verstaut ist, wird es richtig eng. Nein, dieser Raum ist viel zu schade, um verdreckte Wanderstiefel hinein zu schmeißen. Und man ertappt sich dabei, den Sprudelkasten beim Wochenendeinkauf ja nicht auf dem dreckigen Parkplatz abzustellen - er könnte den Velours verschmutzen, mit dem dieser Kofferraum ausgeschlagen ist.

Nicht praktisch, aber originell: Das Reserverad des Lexus steht aufrecht in der Ladekante
Nicht praktisch, aber originell: Das Reserverad des Lexus steht aufrecht in der Ladekante © Foto: Press-Inform

Das Glanzstück aber ist das Reserverad - nicht irgendwo unsichtbar in einer Mulde unterm Boden verstaut, sondern kunstvoll und an den Stil der klassischen Vorkriegs-Coupes erinnernd, hochkant innen ans Heck gestellt. Wie gesagt: Praktisch ist das nicht - aber schön.

Wer sich den Luxus im Lexus zusammen addiert und mit den Aufpreislisten der Stuttgarter oder Münchner Konkurrenten vergleicht, der wird schnell feststellen: Trotz eines Basispreises von 73.862 Euro ist der nahezu komplett ausgestattete und technisch keinen Deut schlechtere SC 430 im Vergleich recht preiswert. Denn mit seiner Serienausstattung aufgerüstet kommt die vergleichbare Konkurrenz locker über die 100.000-Euro-Hürde. Noch ein Grund für den bekanntermaßen geizigen Onkel Dagobert, SC 430 zu fahren.






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