30. Mai 2006

Fahrbericht Lexus RX 400h: Kein Spaßverderber

Lexus RX 400h
Lexus RX 400h © Foto: press-inform

Vorurteile sind praktisch - sie ersparen das Denken. Die Frage ist nur: Ist an ihnen was Wahres dran? Zwei Vorurteile lauten: Hybrid-Autos sind langweilig, aber sparsam. Testen wir sie beim Lexus RX 400h.




Von Jürgen Wolff

Langweilig ist anders. Wer beim Stichwort Hybrid nur an den braven Toyota Prius I denkt, der hat die Entwicklung der vergangenen Jahre glatt verschlafen. Und wem in diesem Umfeld gar noch Autos wie der 3-Liter-Lupo (der mit den schmalen Reifen und der Motorabschaltung beim Ampelstopp) einfallen, erst recht. Der Lexus RX 400h hat mit seinen Vorgängern ungefähr noch so viel zu tun, wie ein iPod mit einem Grammophon. Toyota hat begriffen: Öko allein ist viel zu dröge, um ein so emotionales Produkt zu verkaufen wie es ein Auto nun mal ist. Öko muss vor allem auch Spaß machen.

Und der RX 400h aus Toyotas Luxus-Kaufhaus Lexus macht Spaß. Richtig Spaß. Mit seinen sechs Zylindern macht er jedem V8-SUV locker Konkurrenz. Denn das Sixpack wird kräftig unterstützt von zwei zusätzlichen E-Motoren. Und weil Elektromotoren praktisch aus dem Stand ein bulliges Drehmoment freisetzen, hat der RX 400h zusammen mit den sechs Töpfen des Verbrennungsmotors so viel Power wie sonst nur 8-Zylinder-Konkurrenten mit reinen Benzinmotoren.


Fast wie ein Sportwagen

Kommt ganz sportlich auf Touren: Lexus RX 400h
Kommt ganz sportlich auf Touren: Lexus RX 400h © Foto: press-inform

Wer dem RX 400h die Sporen gibt, der wird mit brachialer Gewalt nach vorne getrieben. Von 0 auf 100 km/h braucht der Hybrid-Lexus nur 7,6 Sekunden. Ein Cayenne S oder ein ML 500 mit V8-Maschine schafft das nur eine knappe Sekunde schneller. Und Audi's neuer Top-Q7 mit 4,2-Liter FSI-Motor und ebenfalls acht Zylindern liegt in etwa gleichauf wie der Lexus. Abstriche gibt es lediglich in Sachen Top-Speed: 200 km/h Spitze sind etwas enttäuschend.

Auch in seinen Qualitäten als SUV kann der Lexus locker mithalten. Kein Hauch mehr vom Leichtbau-Minimalismus der frühen Öko-Autos. Der gut zwei Tonnen schwere RX 400h hat die mächtigen Dimensionen eines Edel-SUV. 4,75 Meter Länge - das hält dem Vergleich mit BMW X5 oder Mercedes ML bis fast auf den Zentimeter stand.

Innen bleiben keine Wünsche offen

Lexus RX 400h: Auch innen ganz solide
Lexus RX 400h: Auch innen ganz solide © Foto: press-inform

Im Innenraum dieses Hybriden findet sich eine hochwertige und durchaus luxuriöse Ausstattung. Und Platz satt, vorne wie hinten. Die Sitze sind vielfach verstellbar, bieten besten Halt und sind so solide wie auch sonst in dieser Fahrzeugklasse. Alles, was rund um den Hybrid-Kern des Lexus RX 400h gebaut ist, sähe in jedem anderen Lexus dieser Klasse auch nicht anders aus.

Und dass der 400h - unter anderem wegen der relativ geringen Bodenfreiheit - nur sehr bedingt geländetauglich ist, hat mit dem Antriebskonzept wenig zu tun. Eher schon damit, dass Livestyle-Autos dieses Kalibers ohnehin kaum über Stock und Stein getrieben werden - sondern eher über die Boulevards dieser Welt. Und das entsprechend angenehm. Hybrid als Spaßverderber? Dieses Vorurteil kann man getrost vergessen. Das Gegenteil ist der Fall.

Sparsam durch die Stadt

Hybrid als Sparkonzept für Schadstoffe und Geldbeutel? Diesmal ist das Urteil nicht so ganz eindeutig. Unterm Strich ist der RX 400h bei aller Power ein sparsames Auto - für einen SUV. Lexus selbst gibt den Durchschnittsverbrauch mit 8,1 Liter an. Wir kamen im Praxistest auf einen Schnitt von 12,7 Liter Super pro 100 km. Und lagen damit rund ein Drittel unter dem, was vergleichbare SUV mit reinem Benzinmotor so brauchen. Und auch noch deutlich unter dem Verbrauch vergleichbar kräftiger Diesel.

Nur gibt es da ein kräftiges «Aber». Aber es kommt darauf an, wo man mit dem RX 400h vornehmlich unterwegs ist. In der Stadt und im Nahverkehr ist das Sparpotenzial des Hybrid beträchtlich. Dann können die Elektromotoren viel der Arbeit übernehmen. Ampel-Stopps, Tempo-30-Zonen und reichlich Bremserei sorgen dafür, dass die Zündkerzen immer wieder Ruhepausen haben.

Preise starten bei 50.000 Euro

Auf kürzeren Strecken ist Lexus RX 400h durchaus ein Spartalent
Auf kürzeren Strecken ist Lexus RX 400h durchaus ein Spartalent © Foto: press-inform

Ganz anders sieht es aus, wenn man den Lexus vor allem über Autobahnen treibt und ihn als Reisewagen auf langen Strecken bewegt. Dann funktioniert der 400h wie jeder andere SUV auch: Als Sprit-Säufer. Wer das Gaspedal bis zum Anschlag durchtritt und über die linke Autobahnspur jagt, der braucht sich über einen Verbrauch auf Porsche-Niveau nicht wundern. Und der Bordcomputer zeigt beim Sprint auf 100 km/h mit erfrischender Ehrlichkeit einen Durchschnittsverbrauch von bis zu 56 Liter auf 100 km an. Nur gut, dass niemand 100 Kilometer sprintet.

Wer mit dem RX 400h sparen will, muss erst einmal kräftig investieren. Knapp 50.000 Euro sind für ein ruhiges Öko-Gewissen auf SUV-Niveau mindestens hin zu blättern. Damit liegt der Lexus aber immer noch satt unter dem Preis für einen V8-Touareg (61.350 Euro), einen Cayenne S (63.285 Euro) oder für einen BMW X5 4.4i (64.400 Euro).






Mehr zur Marke Lexus

Premiere in DetroitNeuer Lexus LS: Im Schatten der Platzhirsche

Lexus führt den LS in eine neue Generation. Die Oberklasselimousine ist besonders in der Heimat und den USA beliebt, führt in Deutschland ein sehr überschaubares Nischendasein.


Studie in ParisLexus dreht am Riesenrad

Lexus enthüllt auf dem Autosalon in Paris eine futuristisch anmutende Studie. Dabei wird die mit dem NX entworfene Designsprache weiter verfeinert.


Neue Hybrid-GenerationLexus hybridisiert LC 500

Zu Jahresbeginn stellte Lexus den neuen LC 500 mit einem potenten Achtzylinder vor. Nun folgt Toyotas Edel-Ableger auch beim Coupé-Flaggschiff der konzerneignen Philosophie, jedes Modell mit einem Hybridantrieb anzubieten.



Mehr aus dem Ressort

Marktstart im Frühjahr 2018Volvo XC40: Cool sein hat seinen Preis

Volvo will wachsen – und dazu beitragen soll insbesondere das Kompakt-SUV XC40. Er wird im März auf den Markt kommen. Das Auto bringt alles mit, um ein Erfolg zu werden. Wenn da nur nicht der Preis wäre.


Der VW Golf GTI TCR darf nur auf Rennkursen bewegt werden
Bei Seat gebautVW Golf GTI TCR: Nur für die Rennstrecke

65 Prozent aller Bauteile sind identisch mit einem normalen Serienmodell. Trotzdem darf der VW Golf GTI TCR nicht am Alltagsverkehr teilnehmen – und das ist auch gut so.


Porsche hat auch den Panamera Kombi hybridisiert
Turbo S E-Hybrid Sport Turismo mit 680 PSHybrider Porsche Panamera Kombi: Teilzeit-Stromer der Superlative

Porsche hat die Kombivariante des Panamera an den Stecker gepackt. Die hybride Zufuhr dient dem Turbo S E-Hybrid Sport Turismo dabei sowohl der Leistungssteigerung als auch der emissionsfreien Fahrt durch urbane Umweltzonen.