10. August 2007

Fahrbericht Lexus LS 600h: Luxuriöser Leisetreter

Lexus LS 600h
Lexus LS 600h © Foto: Lexus

Lexus greift die Luxusklasse an. Das Flaggschiff LS 600h ist mit Hybridtechnologie ausgestattet, im Innenraum gibt es Massagen im Liegesessel.




Von Thomas Flehmer

600 - diese Zahl stand bisher immer für Mercedes-Benz. Doch mit dem LS 600h und der Langversion LS 600h L hat Lexus den eigenen Anspruch definiert: Wir wollen die Spitze übernehmen, selbst in einem Land, in dem das Premiumsegment eigentlich nur deutschen Herstellern vorbehalten ist. Neben dem Luxus, den die rund 100.000 Euro teure Luxuslimousine bietet, soll vor allem die Technik alle bisherigen Zweifler und Liebhaber von mit einem Stern ausgestatteten Fahrzeug überzeugen.


Ruhiger Beginn

Denn zum ersten Mal wird das fünf Meter lange Dickschiff zusätzlich mit einem Hybridantrieb bewegt und ist damit nach dem RX 400h und dem GS 450h das dritte Modell der Toyota-Nobelmarke, das sich auf die innovative Technik stützt. Entsprechend dem Anspruch verfügt allein der Elektromotor über 165 kW/225 PS. In Zusammenarbeit mit dem 5,0 Liter V8-Motor, der es auf 290 kW/394 PS bringt, erzielt der erste Vollhybrid der Premiumklasse insgesamt über 327 kW/445 PS. «Wir haben hier einen Achtzylinder mit der Leistung eines Zwölfzylinders», so Michael Potthast, Leiter Produktmarketing von Lexus.

Dabei ist die Kraft am Anfang in keinster Weise zu spüren. Die Geräte stehen nach dem Anlassen auf Losfahren, doch kein sonores Motorengeräusch zeigt an, dass der Wagen auch wirklich bereit ist. Noch einmal den Power-Knopf drücken, das Auto ist aus. Zweiter Versuch. Die Anzeigen leuchten, doch kein Blubbern erreicht das Innere. Ein sanfter Druck auf das Gaspedal aber bringt das Gefährt zum Rollen. Fast geräuschlos gleitet der LS 600h nur im Elektrobetrieb vorbei. Senkt sich das Gaspedal weiter, schaltet sich unmerklich der Verbrennungsmotor dazu und nun wird das gesamte Ausmaß an Stärke sicht- und fühlbar.

Wankstabilisierung hält Schiff auf Kurs

Kein Problem in den Kurven
Kein Problem in den Kurven © Foto: Lexus

Bei voller Kraftentfaltung nämlich passiert der zwischen 2,345 und 2,5 Tonnen schwere Wagen bereits nach 6,3 Sekunden die 100 km/h-Marke. Doch auch bei den kleinen Zwischensprints, um eine kleine Lücke im dichten Stadtverkehr zu schließen, präsentiert sich der erste Allrad-Hybridler keineswegs behäbig.

Die Antriebskraft ist dabei im Verhältnis 40:60 zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt. In Kurven oder bestimmten Fahrsituationen kann das Verhältnis zwischen 30:70 und 50:50 variieren, um das optimale Ergebnis zu erzielen. Eine automatische Wankstabilisierung hält die Karosserie aufrecht, Nickbewegungen sind nicht zu erwarten.

16 Liter im Stadtverkehr

Die Anzeige im Cockpit
Die Anzeige im Cockpit © Foto: Lexus

Bis zum abgeregelten Endpunkt von 250 km/h ist die Kraftentfaltung zu spüren. Wer reist und nicht rast, dem verspricht Lexus dank Hybrid einen Verbrauch von lediglich 9,3 Litern Superbenzin auf 100 Kilometern. Im Stadtverkehr soll sich die Nadel im Bereich von 11,3 Litern bewegen.

Auf den ersten Fahrten durch den Ferienverkehr der Berliner Innenstadt zeigte der Bordcomputer Werte zwischen 14,8 und 16,2 Litern an - dem Hybridantrieb zum Trotz. Die CO2-Emission beträgt laut Lexus 219 Gramm pro Kilometer. Daten, die Liebhaber anderer Modelle zum Nachdenken anregen könnten.

Harmonie im Innenraum

Liegesessel mit Massagefunktion
Liegesessel mit Massagefunktion © Foto: Lexus

Weitere Überlegungsmöglichkeiten bietet der Innenraum. Lexus spricht vom ultimativen Komforterlebnis und hat damit kaum übertrieben. Luxus pur angefangen bei den bequemen Sitzen, die aber dennoch mehr als nur den nötigen Halt geben, sehr gut verarbeitete Materialien, ein wunderschönes Design und viele Knöpfe, die aber gut zu bedienen sind. Harmonie wird hier groß geschrieben.

2,97 Meter beträgt der Radstand, beim LS 600h L sind es zwölf Zentimeter mehr, die zum Wohlfühlen beitragen. 70 Prozent aller Käufer - so erwartet Lexus - werden die Langversion wählen, die bei 107.350 Euro beginnt. Für weitere 6900 Euro kann dann für den Fond ein Liegesitz mit Massage-Funktion ordern. Außerdem verhindert ein Airbag in der Sitzfläche bei einem Unfall das Heruntergleiten unter dem Sicherheitsgurt - das so genannte Submarining.

Stille im Konzertsaal

Vollster Komfort
Vollster Komfort © Foto: Lexus

Doch auch ohne Massage ist der Luxus fast schon unermesslich. Ein optional erhältliches Pre-Crash-System hilft bei der Vermeidung von Unfällen. Die gesamten Sicherheitssysteme wie ESP, Anti-Schlupfregelung oder ABS sind miteinander vernetzt, um optimal eingesetzt werden zu können. Zudem wird erstmals Abblendlicht auf LED-Basis angeboten.

Im Inneren arbeitet eine Vierzonen-Klimaautomatik, Sitzbelüftungen, Einpark-Assistent und DVD-Recorder. Das serienmäßige Mark Levinson Reference Surround-System verwandelt mit seinen 19 Lautsprechern und 450 Watt das Fahrzeug in einen Konzertsaal und durchbricht die Stille - selbst beim Fahren. Denn auch das macht den Lexus aus: Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h herrscht im Innern bei 53 dbA Wohnzimmeratmosphäre. Im Stand werden dort sogar nur 28 dbA gemessen, das entspricht in etwa dem Ticken einer Uhr.

Geringe Zuladung

Die Heckansicht
Die Heckansicht © Foto: Lexus

Doch selbst im Lexus ist noch der Luxus begrenzt. Denn obwohl der Lexus als Viersitzer ausgelegt ist, vier Personen werden sich nie im Innern tummeln dürfen. Denn dem Leergewicht von 2505 Kilogramm bei der Langversion mit Massage-Liegebank dürfen nur noch 245 Kilogramm zugefügt werden. Mehr Fahrer und Beifahrer, höchstens noch mit einem Kind können an dem Vergnügen teilhaben - wenn sie es sich leisten können.






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