6. August 2007

Fahrbericht Lancia Ypsilon: Knuffiger Neuanfang

Lancia Ypsilon Sport Momo Design
Lancia Ypsilon Sport Momo Design © Foto: Lancia

Lancia wagt auf dem europäischen Markt einen Neuanfang. Zur Einstimmung schicken die Italiener ein Sondermodell des Ypsilon ins Rennen. Michael Langenwalter findet es knuffig.




Von Michael Langenwalter

Lancia hat es derzeit richtig schwer - kein neues Modell auf Lager, nicht einmal neue Motoren. Also greifen die Italiener zum Nächstliegenden und legen einfach ein Sondermodell auf. Auserkoren haben sie dazu den Kleinstwagen Ypsilon, der im Stammland Italien der meist verkaufste Dreitürer ist. Ein auf schick und trendy getrimmter Ypsilon in der Edition «Sport MomoDesign» soll nun auch in Deutschland vor allem die Frauenherzen höher schlagen lassen. Was nun wirklich nicht allein mit der knuffigen Frontpartie zusammenhängt.


Spielwiese der Designer

Das Fahrzeug-Design ist ohnehin das Element, mit dem sich Kleinwagen-Spezialist Lancia im Fiat-Konzern von den übrigen Marken absetzen kann. So ist es nur folgerichtig, dass sich mit Momo eine bekannte Designschmiede den Ypsilon vornehmen durfte, was durch den Schriftzug auf der B-Säule auch deutlich kund getan wird. Als Resultat gibt es den Ypsilon Sport MomoDesign in diversen neuen Karosseriefarben sowie mit zahlreichen Design- und Ausstattungsextras, die an die Momo-Produkte erinnern sollen. Der obere Fahrzeugbereich ist ganz in mattsilberner Titanoptik gehalten; auch die in schwarz gehaltenen Felgen und der Grill setzen sich deutlich vom Serien-Ypsilon ab.

Natürlich haben sich die Designer auch im Innenraum ausgetobt und selbst einen USB-Anschluss inklusive Freisprecheinrichtung für Bluetooth-Handys (gegen Aufpreis) nicht vergessen. Leder- und Alcantarabezüge geben hier den Ton an. Alles ist auffallend ordentlich verarbeitet; auch die Materialen sind hochwertiger als beim normalen Ypsilon.

Mittig angeordnetes Cockpit

Nicht jedermanns Sache: das mittig angeordnete Cockpit
Nicht jedermanns Sache: das mittig angeordnete Cockpit © Foto: Lancia

Jedoch bieten die Sitze für groß gewachsene Insassen weiterhin eine zu kleine Sitzfläche und zu wenig Seitenhalt, obgleich der Ypsilon auch im Fond genug Platz bietet. Gewöhnungsbedürftig bleibt das in der Mitte des Armaturenbretts angeordnete, aber gut leserliche Cockpit sowie die extrem leichtgängige Lenkung, die nahezu keine Rückmeldung vom Fahrbahnuntergrund bietet. Beim Einparken ist dies dann geradezu ideal, da sich das Lenkrad mit einem Finger völlig einschlagen lässt.

Für Stadtverkehr ausgelegt

Stil und Eleganz
Stil und Eleganz © Foto: Lancia

Als Motorisierung offeriert Lancia für den 3,81 Meter langen Ypsilon Sport Momo Design einen 70 kW/95 PS starken 1,4-Liter-Benziner, der ab 15.650 Euro in der Preisliste steht. Als Alternative gibt es einen 1,3-Liter Multijet-Diesel zum Einheitspreis von 17.600 Euro in zwei Ausbaustufen mit 66 kW/90 PS und - mit serienmäßigem Partikelfilter - mit 77 kW/105 PS. Letzterer wird von Lancia allein in der «Momo»-Variante verbaut. So richtig sportlich kommt aber keines der drei Aggregate daher; für den reinen Stadtbetrieb reichen sie aber völlig aus. Ums häufige Betätigen der genau zu führenden Fünfgang-Schaltung kommt der Fahrer aber bei allen Motoren nicht herum. Das Fahrwerk ist eher straff ausgelegt, wodurch der Kleinstwagen auch bei schnellen Kurvenfahrten immer gut beherrschbar bleibt.

Dabei ermöglicht der Benziner (6,6 Liter Durchschnittsverbrauch) im Stadtverkehr schon im unteren Drehzahlbereich eine flotte Fahrweise, während sich die beiden Diesel erst durch das übliche Turboloch quälen müssen. Doch dann zieht vor allem das 105 PS-Aggregat recht ordentlich, gibt sich beim Verbrauch mit 4,7 Litern auf 100 Kilometer aber weiter sehr genügsam.

Lange Aufpreisliste

Der Schriftzug
Der Schriftzug © Foto: Lancia

Wenigstens hier lässt sich sparen. Ansonsten lässt sich Lancia sein Liebhaberstück ordentlich bezahlen. Vor allem, wenn man sich die Aufpreisliste des Ypsilon Sport MomoDesign ansieht. Doch es war halt schon immer etwas teurer, sich modisch nach dem letzten Schrei zu richten.






Mehr zur Marke Lancia

Lancia

Vincenzo Lancia gründete 1906 das Unternehmen, das später die erste selbsttragende Karosserie kreierte. 1969 übernahm Fiat das Unternehmen, das besonders im Rallyesport Erfolge feierte. Seit 2009 gibt es eine enge Zusammenarbeit mit Chrysler, die allerdings den Niedergang der Marke nicht aufhalten konnte. Fiat-Chef Sergio Marcionne kündigte an, nur noch den Kleinstwagen Ypsilon anzubieten – und das auch nur noch in Italien.


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