9. Juli 2010

Fahrbericht Kia Venga Kias Familienfreund im Kleinformat

Der Kia Venga
Der Kia Venga © Foto: AG/Flehmer

In der Klasse der kleinen Familientransporter punktet der Kia Venga mit einem durchdachten Raum- und Bedienkonzept. Dank fairer Preise ist der Mini-Van eine interessante Alternative zu den Platzhirschen des Segments.




Von Holger Holzer

Die bei Familien beliebte Fahrzeugklasse der Vans macht eine Schrumpfkur durch. In den 90er-Jahren gab es die riesigen Schlachtschiffe nach US-Vorbild, einige Jahre später mischten die deutlich handlicheren Kompaktmodelle den Markt auf. Und heute wollen Zwergen-Vans auf Kleinwagenbasis die Mobilitäts- und Transport-Bedürfnisse von Familien befriedigen.


Pfiffiges Design

Der Kia Venga setzt dabei auf ein variables Sitzkonzept, city-taugliche Wendigkeit und ein pfiffiges Design. Zu Preisen ab 16.960 Euro steht der Fünfsitzer mit einem 92 kW/125 PS starken Ottomotor und spritsparendem Start-Stopp-System beim Händler. Langeweiler-Optik wird heute nicht einmal mehr von knallhart nutzwertorientierten Käufern akzeptiert. Auch praktische Familientransporter sollen etwas her machen.

Die Koreaner haben daher ihren neuen Chef-Designer Peter Schreyer - aus dessen Feder unter anderem auch Audis Stilikone TT stammt - auf nur rund 4,07 Metern Länge einen knackig-frechen Fünftürer zeichnen lassen. Die kurze Schnauze mit den großen, leicht aggressiv blickenden Scheinwerfern und dem breit lächelnden unteren Lufteinlass sorgt für Wiedererkennungswert. Seitlich macht die leicht abfallende Dachlinie in Verbindung mit einer ansteigenden Schulter eine sportliche Figur.

Liebe zum Detail

Auch der Innenraum kommt für einen Kleinwagen recht ansehnlich daher. Liebe zum Detail lassen etwa die schön gestalteten runden Bedienelemente für Klima und Radio erkennen. Ebenfalls ein seltener Glücksfall: der problemlose und gut bedienbare iPod-Anschluss am Radio. Damit kann immer noch längst nicht jeder Premiumhersteller aufwarten.

Die Materialauswahl im Cockpit wirkt ebenso solide wie die Verarbeitung. Fahrer und Beifahrer nehmen auf bequemen, hoch positionierten Sitzen Platz und können sich über viel Raum und eine relativ gute Übersichtlichkeit freuen. Hinten sitzen zwei Erwachsene ebenfalls recht bequem; vor allem, wenn die verschiebbare Rückbank bis zum Anschlag zurückgefahren wird und die Kniefreiheit dadurch fast auf Limousinenniveau steigt.

Variables Sitzkonzept

In Gegenrichtung verschoben, vergrößert die Rückbank den Kofferraum, der dann problemlos den größten Wochenendeinkauf aufnimmt. Da die Sitzplätze einzeln verschiebbar sind, können auch einige andere Kompromisse zwischen Kniefreiheit und Gepäckraumgröße gefunden werden. Werden dann noch die Lehnen im Fond umgeklappt, ist der Kleinwagen selbst für einen Ikea-Einkauf zu gebrauchen. Die nackten Daten: Bei voller Bestuhlung haben 314 Liter Platz, maximal können 1341 Liter geladen werden. Da kapituliert so mancher größere Kompaktklässler schon lange vorher.

Die Motorenpalette des Mini-Vans ist für ein asiatisches Importmodell umfangreich. Neben zwei Dieseln mit 66 kW/90 PS und 94 kW/128 PS, die ihren Verbrauchsvorteil aber nur bei sehr hohem Kilometeraufkommen finanziell umsetzen können, gibt es zwei für die Stadt ideale Benziner. Den Einstieg markiert ein 1,4-Liter-Motor mit 66 kW/90 PS zum Preis von 14.155 Euro, der für den reinen Einsatz in der City ausreicht.

Sechster Gang fehlt

Wer häufiger auch Autobahn und Landstraße befahren will, greift besser zum 1,6-Liter-Ottomotor mit 85 kW/115 PS, der deutlich mehr Durchzug und Temperament bietet. Das muntere Vierzylinder-Triebwerk dreht locker hoch und verleiht dem Wagen einen spritzigen Charakter. Bei hohem Tempo wird es allerdings recht laut, was längere Autobahnetappen akustisch etwas anstrengend macht. Ein drehzahlsenkendes Sechsgang-Getriebe an Stelle der serienmäßigen Fünfgangschaltung hätte gut getan.

Der Verbrauch hält sich trotzdem in Grenzen, auch dank der optionalen Start-Stopp-Automatik (300 Euro). Bei vorsichtiger Fahrweise sind die vom Hersteller angegebenen 6,2 Liter durchaus machbar. Realistischer sind 6,5 Liter bis sieben Liter. Pluspunkt des Venga ist auch eine ordentliche Serienausstattung. Immer an Bord sind der Schleuderschutz ESP, sechs Airbags sowie die geteilt umlegbare Rückbank. Für 1580 Euro Aufpreis ist dann im Paket alles Wichtige dabei, etwa die Klimaanlage, ein CD-Radio und der Bordcomputer.

Interessante Alternative

Dickes Plus auf der Kostenseite: Die in Deutschland ansonsten beispiellose Herstellergarantie von sieben Jahren, die die anfallenden Reparaturkosten übersichtlich hält. In der Klasse der kleinen Familientransporter punktet der Kia Venga mit einem durchdachten Raum- und Bedienkonzept, schickem Design und fairen Preisen. Dabei macht er wenig falsch und stellt so eine interessante Alternative zu Opel Meriva, Skoda Roomster und Citroen C3 Picasso dar.(mid)






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