8. Dezember 2011

Fahrbericht Koreaner überraschen erneut Kia Optima: Der Unruhestifter

Der Kia Optima sieht gut aus und fährt auch so.
Der Kia Optima sieht gut aus und fährt auch so. © Kia

Dieses Auto sieht gut aus. Der Kia Optima wird ab April in Deutschland zu den Händlern rollen. Er wird für Unruhe bei den Mitbewerbern sorgen. Was der Koreaner kann, zeigt unser Fahrbericht.




Von Michael Specht

Es ist nicht lange her, da hat Kia seine Kunden nur über niedrige Preise in die Verkaufsräume gelockt. Optisch herrschte Langeweile. Erst mit dem ehemaligen Audi-Designer Peter Schreyer - auf sein Konto gehen unter anderem der TT und der VW New Beetle - kamen mehr Emotionen ins Blech. Kia Soul und Venga waren ab 2009 der Anfang, mit Sportage, Picanto und Rio legte Schreyer nach. Jedes dieser Modelle verblüffte die Branche mit attraktivem Outfit und guten Proportionen.

Dies gilt einmal mehr für den Kia Optima, dessen elegantes Design die Frage aufwirft: Kann das noch ein Koreaner sein? Kias Topmodell, das in seinem Heimatland Korea schlicht K5 heißt und dort derzeit alle Verkaufsrekorde bricht, will bei uns ab April für Unruhe im Revier der klassischen Stufenheck-Konkurrenz sorgen. Hier tummeln sich Typen wie VW Passat, Ford Mondeo und Opel Insignia, aber auch Toyota Avensis, Skoda Superb oder der Peugeot 508.


Kia Optima überrascht

Ein erster Fahrtest zeigt: Selten sind wir von einem neuen Auto so positiv überrascht worden wie vom Kia Optima. Egal ob Antrieb, Fahrkomfort, Bedienung, Verarbeitung, Qualität oder Platzangebot, die Entwickler in Korea und in der Deutschland-Zentrale in Rüsselsheim haben höchst professionelle Arbeit abgeliefert. Damit nicht genug. Zu all dem kommen noch attraktive Preise (ab 24.490 Euro), eine gute Ausstattung sowie die siebenjährige Herstellergarantie. Wenn wundert es da, dass Kia mittlerweile die Nummer fünf der Welt ist?

Das Cockpit im Kia Optima ist übersichtlich
Das Cockpit im Kia Optima ist übersichtlich © Kia

Der erste Wow-Effekt stellt sich bereits beim Einsteigen in den Optima ein. Klar, funktional und sachlich das Cockpit, keine verspielten Gimmicks, kein Deko-Kitsch. Alles fasst sich gut an, alles sieht gut aus und alles wirkt gut verarbeitet. Man fühlt sich auf Anhieb wohl im Optima. Auch am Platzangebot oder am Sitzkomfort gibt es nichts zu mäkeln. Hinten bietet der 4,85 Meter lange Koreaner aufgrund seines 2,8 Meter langen Radstands derart viel Beinfreiheit, dass sich manche Oberklassen-Limousine daran ein Beispiel nehmen könnte. Und selbst beim Gepäckabteil muss der Kia-Kunde keine Kompromisse eingehen. 505 Liter passen hinein, zudem lassen sich die Rücksitzlehnen getrennt umlegen und ermöglichen so den Transport größeren Stückguts.

Souveräner Diesel im Kia

Der Diesel im Kia macht einen guten Job
Der Diesel im Kia macht einen guten Job © Kia

Der zweite Wow-Effekt tritt nach ein paar Kilometern Fahrstrecke ein. Obwohl unter Haube lediglich ein 1,7-Liter-Diesel mit 100 kW/136 PS arbeitet - ein Benzin-Direkteinspritzer folgt im Sommer, ein Hybrid im Herbst -, ist der Optima damit souverän unterwegs. Der in Deutschland entwickelte Vierzylinder läuft ruhig und geschmeidig, nimmt früh das Gas an und murrt nicht einmal, selbst wenn man mit 70 km/h im sechsten oder mit 50 km/h im fünften Gang bei knapp über 1 000 Touren schaltfaul dahinzuckelt. Auch das leise Abrollen sowie das niedrige Innengeräusch bei höheren Geschwindigkeiten überzeugen und zeigen, wie viel Mühe man sich mit dem Optima gegeben hat, um den hohen Ansprüchen der europäischen Kundschaft zu genügen.

Das Heck des Optima von Kia
Das Heck des Optima von Kia © Kia

Als Verbrauch für den 1.7 CRDi gibt das Werk einen Normwert von 5,1 Litern für 100 Kilometer an, entsprechend 133 g/km CO2. Das ist sparsam, aber mit Blick auf die Konkurrenz nur durchschnittlich. Optional gibt es ein - übrigens extrem weich arbeitendes - Start-Stopp-System, das den Verbrauch um weitere 0,2 Liter mindern soll.

Einen exakten Preis für die Dieselversion kann Kia derzeit noch nicht nennen. Die Modellpolitik der Koreaner zeigte aber bislang, dass man sich Selbstzünder mit etwa 1 300 Euro extra bezahlen lässt. So wird der Optima 1.7 CRDi bei unter 26 000 Euro starten und in drei unterschiedlichen Ausstattungslinien erhältlich sein: Attract, Edition 7 und Spirit. Bereits die Basis hat eine Zweizonen-Klimaautomatik, Tempomat, ein Audio-System, elektrische Fensterheber und Außenspiegel, Nebelscheinwerfer, Funk-Zentralverriegelung und eine Mittelarmlehne an Bord. Die Topversion ist gar mit Spurhalte-Assistent, Navigation, Soundanlage, Xenon-Licht und Teilledersitzen ausgestattet.

Kia hofft, in Deutschland jährlich mindestens 1 000 Optima absetzen zu können. Nicht, weil es vielleicht zu wenig Kunden gibt, sondern weil man nicht genügend Autos nach Europa bekommt. Die Kapazitäten in Korea sind erschöpft. (mid)






Mehr zur Marke Kia

SUV mit frühen MängelnKia Sportage: Zweifelhafte Tradition

Der Kia Sportage hat sich im Laufe seiner Jahre zum astreinen SUV gewandelt. Seine zahlreichen Probleme sind aber auch bei jüngeren Modellen erhalten worden.


Cocnept Car in Lava RedKia-Studie Proceed: Vorbote der neuen Ceed-Familie

Kia bewirbt sich auf der IAA um den Preis der schönsten Studie. Zugleich gibt der ausgestellte Proceed erste schöne Hinweise auf die folgende Ceed-Generation.


Studie auf der IAAKia gibt Ausblick auf neue Ceed-Familie

Kia startet in die letzte Etappe für die neue Generation des Ceed. Auf der IAA in Frankfurt geben die Koreaner einen ersten Ausblick auf die neue Generation der kompakten Baureihe.



Mehr aus dem Ressort

Porsche hat auch den Panamera Kombi hybridisiert
Turbo S E-Hybrid Sport Turismo mit 680 PSHybrider Porsche Panamera Kombi: Teilzeit-Stromer der Superlative

Porsche hat die Kombivariante des Panamera an den Stecker gepackt. Die hybride Zufuhr dient dem Turbo S E-Hybrid Sport Turismo dabei sowohl der Leistungssteigerung als auch der emissionsfreien Fahrt durch urbane Umweltzonen.


Japaner polarisiertHonda Civic Type R: Fast and Furios

Dieses Auto polarisiert: Die einen fahren auf das Design des Honda Civic Type R ab, für die anderen wirkt es schlicht prollig. Dabei hat der Japaner abseits seines Aussehen viele Stärken.


Der Fiat Fullback Cross fühlt sich abseits der Straßen sehr wohl
Baugleich mit dem Mitsubishi L200Fiat Fullback Cross: Das Problem mit der Verwandtschaft

Das Segment der Pickups bildet noch eine kleine Community in Europa. Der Fiat Fullback Cross trifft dabei auf eine große multikulturelle Verwandtschaft der Lastenträger.