1. Februar 2007

Fahrbericht Kia Cee´d 1.6 CRDI: Vereintes Europa

Sieht ansehnlich aus: Der Kia Cee´d
Sieht ansehnlich aus: Der Kia Cee´d © Foto: Werk

Der Kia Cee´d schickt sich an, in der Kompaktklasse für Unruhe zu sorgen. Sein Design ist gelungen. Wie er sich fährt, zeigt unser Test mit dem dem 1.6-Liter-Diesel, dem für dieses Auto wichtigsten Aggregat.




Von Jürgen Wolff

Die Koreaner machen auf Europäer: Der neue Kia Cee'd wurde hier entwickelt, wird hier gebaut und nur hier verkauft. Und dürfte sich zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz für die europäischen Autobauer entwickeln. K. H. Woo, Präsident von Kia Europa, hält nicht mehr viel von asiatischer Bescheidenheit, wenn es um den neuen Cee'd geht: «Dieses Auto ist das beste, was wir Ihnen je präsentiert haben.»


Ein gutes Stück Auto

Er dürfte Recht haben: Mit dem neuen Kompaktklasse-Modell haben die Koreaner ein gutes Stück Auto abgeliefert, wie eine erste Ausfahrt entlang der portugiesischen Atlantikküste schnell zeigt. Der Cee'd ist nicht nur optisch, sondern auch vom Fahren her das erste durch und durch europäische Auto, das die Koreaner in ihrem Portfolio haben. Kein Wunder: Gebaut wird der Cee'd ausschließlich im slowakischen Zilina, entworfen wurde er weitestgehend im Rüsselsheimer Kia-Designzentrum - speziell auf und ausschließlich für den europäischen Markt. Deshalb, sagt Chefdesigner Miklos Kovacs, «mussten wir ihn nicht auf den Weltmarkt ausrichten, sondern konnten ihn speziell auf den Geschmack europäischer Kunden entwickeln». Die hauptsächliche Zielgruppe: Junge Familien mit zwei bis drei Kindern.

Das Cockpit im Kia Cee´d
Das Cockpit im Kia Cee´d © Foto: Werk

Die sollten mit der fünftürigen und 4,23 Meter langen Stufenhecklimousine durchaus glücklich werden. Schon auf den ersten Blick sieht der Cee'd aus wie ein solides Auto aus europäischer Fertigung: Klare Flächen ohne den barocken Firlefanz der frühen koreanischen Importautos, dynamische Seitenlinie, ein kräftiges, fast schon bulliges Heck, weit in die Fahrzeugecken gesetzte Räder, die nicht mehr verloren in den Radkästen wirken und dank des 2,65 Meter langen Radstandes für einen großen Innenraum sorgen. Entsprechend üppig ist das Platzangebot für die Passagiere.

Gute Sitzposition

Die in drei Stufen einrastenden Vordertüren öffnen weit und gestatten einen bequemen Einstieg. Die Vordersitze, in den gehobeneren Ausstattungen mit aktiven Kopfstützen, bieten ausreichend große Sitz- und Rückenflächen auch für größer und breiter gewachsene Zeitgenossen und einen sehr ordentlichen Seitenhalt. Sie lassen sich zudem ausreichend weit nach hinten verschieben - zusammen mit dem in Höhe und Tiefe verstellbaren Dreispeichen-Lenkrad lässt sich schnell eine gute und auch auf längeren Touren ermüdungsfreie Position einrichten.

Die Sitzplätze hinten reichen für zwei Passagiere gut, für drei gerade so aus. Sie sind - für Dreisitzer üblich - nicht so gut ausgeformt wie die Vordersitze, bieten aber noch einen akzeptablen Seitenhalt und eine durchaus ordentliche Kniefreiheit. Die Rücklehnen sind hinten im Verhältnis 60:40 klappbar und sorgen bei Bedarf für einen üppigen Laderaum mit ebener Fläche. Voll bestuhlt bietet der Laderaum 340 Liter Volumen, die auf bis zu 1300 Liter erweiterbar sind. Auch beim Innendesign ist Kia in Europa angekommen.

Wertige Materialien

Das Heck des Kia Cee´d
Das Heck des Kia Cee´d © Foto: Werk

Die Materialien und Oberflächen wirken hochwertig und griffig - vorbei die Zeit der glatten und billigen Plastik-Orgien. Die Anzeigen konzentrieren sich auf drei gut ablesbare und nachts angenehm blau strahlende Rundinstrumente vor dem Fahrer - Tacho, Drehzahl, Tank und Temperatur - und auf der dem Fahrer zugewandten Mittelkonsole.

Auch da übt sich Kia in ausreichender Bescheidenheit: Radio, Klimaanlage, ein paar große und gut erreichbare Knöpfe - das reicht. Das Radio (optional mit iPod-Anschluss) kommt von Siemens und ist extra für den Cee'd entworfen - nicht mehr wie früher beim Import in Bremerhafen nachträglich reingeklatscht. Minuspunkt: Die Navi-Anzeige ist deutlich zu klein geraten. Pluspunkt: Eine Spezialbeschichtung lässt ab der EX-Version Regenwasser schneller als üblich von den Seitenscheiben abfließen.

Auch die Motorisierung ist europäisch. Sprich: Der für Kia wichtigste Motor ist ein neu entwickelter 1,6-Liter Common-Rail-Diesel mit 85 kW/115 PS und einem maximalen Drehmoment von 255 Nm ab 1900 U/min. Den gleichen Motor gibt es auch in einer auf 90 PS gedrosselten Version - intern war allerdings zu hören, dass er im PS-hungrigen Deutschland nicht angeboten werden soll, sondern eher für z.B. die Niederlande gedacht sei. Im Juli soll dann ein 2,0-Liter-Diesel mit 140 PS folgen.

Der Diesel ist ein gelungenes Stück europäisch-koreanischer Ingenieursarbeit. Er läuft ruhig und geräuscharm, ohne wüstes Nageln und sorgt schon bei geringen Drehzahlen für einen ordentlichen Zug. Überholen und Steigungen sind kein Problem - zu keiner Zeit hat man das Gefühl, untermotorisiert zu fahren. Entsprechend auch die offiziellen Fahrwerte: 188 km/h Spitze und 11,5 Sekunden für den Spurt von 0 auf 100 km/h. Der Verbrauch soll bei durchschnittlich 4,7 Liter Diesel liegen. Alternativen zum Diesel sind drei CVVT-Benzin-Motoren mit 1.4 Liter (187 km/h, 11,6 sec., 6,1 Liter Super auf 100 km), 1,6 Liter (192 km/h, 10,8 sec., 6,4 Liter Super) und 2,0 Liter (205 km/h, 10,4 sec., 7,1 Liter Super) im Angebot.

Gute Schaltung

Der Motor im Kia Cee´d
Der Motor im Kia Cee´d © Foto: Werk

Die Fünfgang-Handschaltung passt gut zum 1,6-Liter-Diesel und kommt dessen Charakteristik entgegen. Die Schaltwege sind ausreichend kurz und präzise. Der Vorderradantrieb bringt die Kraft gut auf die Straße - bei schnellen Starts zum Beispiel an der Ampel kann es allerdings vorkommen, dass ein leichtes Zerren in der elektronisch gesteuerten Lenkung zu spüren ist.

Die arbeitet ansonsten präzise und direkt und erfordert je nach gefahrener Geschwindigkeit einen unterschiedlichen Kraftaufwand: Leichtgängig im Stadtverkehr und beim Einparken, fester auf der Autobahn bei hohem Tempo. Das Fahrgestell ist straff ausgelegt - wie mittlerweile bei den meisten Modellen der Kompaktklasse. Das sorgt zwar dafür, dass Löcher und Unebenheiten in der Straße mitunter etwas arg ungefiltert an die Wirbelsäulen der Insassen weitergegeben werden. Aber es bringt auch eine gute, solide und sichere Straßenlage. Unterstützt wird dieses unproblematische Fahrverhalten auch durch eine ganze Anzahl elektronischer Helfer: Von ABS über ESP bis zur Bremskraftverteilung ist alles serienmäßig an Bord.

Die Preise fangen bei 14.300 Euro für den Basis-Cee'd mit 1,4-Liter-Motor an. Der 1.6 CRDi mit 115 PS kostet in der Basisversion 17.785 Euro, rund 2500 Euro weniger als ein vergleichbar motorisierter Citroen C4 und mehr als 3000 Euro weniger als ein entsprechender Toyota Corolla. Die Serienausstattung ist ordentlich und überwiegend zu Paketen zusammengeschnürt. Insofern kann eigentlich nichts mehr schief gehen.






Mehr zur Marke Kia

Kleines SUV kommt im HerbstKia preist Stonic ein

Kia hat die Preise für den Stonic bekannt gegeben. Das kleine SUV der Koreaner kommt Ende September nach Deutschland.


Schwestermodell des Hyundai KonaKia Stonic: Das nächste SUV

Der Trend ist klar vorgegeben: Das Segment der SUV wird sich in den kommenden drei Jahren verdoppeln. Kia will mit einem weiteren Vertreter mit Geländeoptik ein weiteres großes Stück vom Kuchen abhaben.


Plug-in-Hybrid kostet 38.940 EuroKia gibt Preis für Optima Sportswagon PHEV bekannt

Kia hat den Preis der Plug-in-Hybrid-Variante des Optima Sportswagon bekannt gegeben. Nach Abzug der Kaufprämie kostet er unter 39.000 Euro



Mehr aus dem Ressort

Porsche Panamera Sport Turismo neu Aufmacher Porsche
Nach Limousine nun auch als KombiPorsche Panamera Sport Turismo: Der schönere Panamera

Braucht man das? Einen Kombi von Porsche? Braucht man nicht, ist die erste Reaktion. Doch wenn man erst einmal im neuen Sport Turismo gesessen hat, ändert man schnell seine Meinung. Auch wegen seines Designs.


Der Suzuki Ignis sticht aus der Menge heraus
Kleinwagen mit AllradantriebSuzuki Ignis: Feuer und Flamme in Kistenformat

Suzuki beweist Mut. Die Neuauflage des Ignis polarisiert durch ihr Erscheinungsbild, erzeugt aber im realen Alltag als praktischer Kleinwagen mit eigenem Outfit eine gewisse Wärme.


Die X-Klasse von Mercedes scheut keine Fahrten ins Gelände
Erster Pickup der MarkeMercedes X-Klasse: Komfortabel durch den Matsch

Mercedes fährt mit der neuen X-Klasse ganz komfortabel ins Gelände. Die Basis bildet der Nissan Navara – die Stuttgarter haben den Pickup aber noch weiter aufbereitet. Die Autogazette fuhr schon mal im Gelände mit.