16. Juni 2006

Fahrbericht Grand Cherokee: Edel durch den Matsch

Jeep Grand Cherokee Overland
Jeep Grand Cherokee Overland © Foto: Werk

Dass Jeeps großer Krieger im Gelände den Ton angibt, ist bekannt. Aber Allrad ist nicht alles. Doch große und luxuriöse Geländewagen bieten heute viele. Der Edel-SUV von Jeep heißt Grand Cherokee Overland.




Von Sebastian Viehmann

Es ist eng geworden für den großen Indianer. Vor einigen Jahren ritten fast nur die Mercedes M-Klasse, BMW X5 und der Lexus RX 300 durch das Reservat des Grand Cherokee. Heute tummeln sich zahllose Luxus-SUVs von Audi bis Porsche in dem prestigeträchgtigen Segment. Kaum ein Kunde nutzt die Offroad-Eigenschaften; die luxuriösen Geländewagen werden bekanntlich meist als Zugfahrzeug für den Pferde-Trailer oder als kernige Kombi-Alternative genutzt. So konzentriert sich der Grand Cherokee Overland ganz auf Optik und Ausstattung, um sein kleines, aber feines Kuchenstück auf dem Markt zu verteidigen.


Lange Tradition

Schon beim Vorgängermodell entschied sich ein großer Teil der Käufer für die luxuriöse Overland-Variante. Reichhaltig ausgestattete Gelände-Kreuzer haben bei Jeep eine lange Tradition. Vor dem Grand Cherokee hielt bis 1991 der Grand Wagoneer die Luxus-Fahne hoch - damals sogar mit Holzapplikationen an der Karosserieseite. Solche Geschmacksentgleisungen sind dem Grand Cherokee Overland zum Glück fremd. Er glänzt mit einer edlen Platin-Optik für Dachreling, Seitenspiegel, Heck- und Seitenleisten, mit 18-Zoll-Felgen sowie einem wabenförmigen Kühlergrill mit Umrandung im Platin-Design.

Im Innenraum setzt sich der Kuschel-Trend mit einer zweifarbigen Leder-Ausstattung, Chromblenden an den Türlautsprechern sowie reichlich Holz an Mittelkonsole, Schaltknauf- und -kulisse, Lenkrad und Türblenden fort.

Gute Ausstattung

Meistert fast jedes Hindernis
Meistert fast jedes Hindernis © Foto: Werk

Auch Instrumente und Navigationssystem hat Jeep nicht mit schnödem Kunststoff, sondern mit Leder eingekleidet. Damit gewinnt das Interieur des Wagens einen Wohlfühl-Faktor - im Gegensatz zu den wenig ansprechenden Kunststoffen im Serienmodell. Für die passende Soundkulisse sorgt das hochkarätige Lautsprechersystem von Boston Acoustics. Seine Veredelung erhält der Overland übrigens nicht in den USA, sondern im Werk von Magna Steyr im österreichischen Graz. Für 51.990 Euro muss ein SUV neben optischen Finessen auch eine Ausstattung bieten, die weit über dem Durchschnitt liegt. Der Overland leistet sich hier kaum Schwächen.

Ob sechs Airbags, ESP, Audiosystem mit CD-Wechsler, Glas-Schiebedach, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Navigationssystem, Tempomat, 8-fach verstellbarer Fahrersitz, Reifendruckkontrollsystem oder Nebelscheinwerfer - alles ist an Bord. Xenon- und Kurvenlicht vermisst man in der umfangreichen Liste allerdings ebenso wie Sitzheizung im Fond oder eine Luftfederung.

Macht Eindruck - der Grand Cherokee Overland
Macht Eindruck - der Grand Cherokee Overland © Foto: Werk

Unter der Haube arbeitet der 3.0-Liter CRD Diesel mit Common Rail-Direkteinspritzung. Der Motor leistet 218 PS, hat kraftvolle 510 Newtonmeter Drehmoment und sorgt für standesgemäßes Vorwärtskommen im 2,2 Tonnen schweren Overland. Der Jeep beschleunigt in neun Sekunden auf 100 und erreicht 200 Km/h Spitze. Einen ordentlichen, aber im Klassenvergleich erträglichen Schluck genehmigt sich der Diesel an der Tankstelle: Durchschnittlich 10,2 Liter auf 100 Kilometer. Wer Spritpreise nur als Zahlen auf bunten Plastiktafeln wahrnimmt, kann den Overland auch mit dem standesgemäßen 5,7 Liter HEMI-V8 mit 326 PS ordern. Dann kostet der Grand Cherokee 58.690 Euro, bietet dafür aber die Schubkraft eines Güterzugs und den urwüchsigsten Motorensound, den man sich vorstellen kann. Der Preis ist ein Durchschnittsverbrauch von 15,3 Litern (innerorts: 21 Liter).

Permanentes Allradsystem

Für den Gelände-Trip hat der Overland Jeeps permanentes Allradsystem Quadra Drive II mit elektronisch gesteuertem Verteilergetriebe, elektronischer Differenzialsperre, Traktionskontrolle und zuschaltbarer Geländeuntersetzung an Bord. Als weiteren Anreiz bietet der Hersteller noch ein kostenloses Service-Paket, in dem alle Kosten für Inspektionen, Instandsetzungen sowie Verschleißreparaturen für vier Jahre beziehungsweise 50.000 Kilometer enthalten sind. Das 5-Sterne-Premium-Paket schenkt Jeep allerdings nur denen, die ihren Wagen nicht selbst importiert, sondern bei einem autorisierten Händler gekauft haben.






Mehr zur Marke Jeep

Mini-SUV mit Ski-DachträgerJeep Renegade fährt Snowboard mit Nitro

Jeep legt den Renegade als Sondermodell Nitro auf. Der Name des Sondermodells ist keine Wiederbelebung eines früheren Dodge, sondern soll in den Schnee locken.


Marktstart in Deutschland im Herbst 2017Jeep wagt neuen Anlauf mit dem Compass

Mit dem ersten Compass erlitt Jeep in unseren Landen Schiffbruch. Auf der Neuauflage des kompakten SUV liegen die Erwartungen der Fiat-Tochter umso höher.


Ausstattungspakete von MoparJeep fährt auffällig ins Gelände

Vor 75 Jahren durfte der erste Jeep überhaupt im Gelände nicht auffallen, um seine Passagiere nicht in Lebensgefahr zu bringen. In Friedenszeiten werden ab dem kommenden Jahr besonders der Wrangler und der Renegade zwischen Baum und Busch hervorstechen.



Mehr aus dem Ressort

Der Kia Sorento Masterpiece kostet über 60.000 Euro
Auf 200 Exemplare limitiertes SUVKia Sorento Masterpiece: Das Meisterstück als Krönung

Mit dem Sorento nahm Kia in Europa Fahrt auf. Ganz klar, dass die Koreaner dem zum Imageträger avancierten Geländegänger ein besonderes Meisterstück widmen.


Mazda hat den CX-5 nur äußerlich scheinbar unverändert gelassen
Erstmals Zylinderabschaltung beim SUVMazda CX-5: Bestseller auf Golf-Wegen

Die zweite Generation des Mazda CX-5 hat sich auf den ersten Blick im Vergleich zur ersten Auflage nicht großartig verändert. Doch der unternehmenseigene Bestseller hat sich grundlegend gewandelt.


Suzuki schickt den Swift in die sechste Generation
Sechste Generation des KleinwagensSuzuki Swift: Beschwingt in Richtung Vierziger

Suzuki offeriert ab dem 13. Mai die sechste Generation des Swift. Dank einer Plattformdiät lässt sich der Kleinwagen nun viel agiler und sicherer über die Straßen bewegen.