1. September 2006

Fahrbericht Jeep Compass: Hinein in die Nische

Jeep Compass
Jeep Compass © Foto: Werk

Jeep hat das SUV-Segment für sich entdeckt. Mit dem Compass versucht der Geländewagenspezialist neue Kunden zu gewinnen - und greift dabei auf Komponenten des Dodge Caliber zurück.




Von Thomas Flehmer

Jeep füllt die Lücke in seinem Segment. Nach den großen Versionen wie Grand Cherokee, Commander oder Patriot setzt der amerikanische Automobilhersteller aufgrund der gestiegenen Kraftstoffpreise auf ein Umdenken der Amerikaner im Fahrverhalten. Der kompakte Compass soll den Trend zu einem kleinen und vor allem billigeren SUV Rechnung tragen. «Der Compass ist ein neuer Typ Jeep für eine nicht traditionelle Jeep-Klientel», sagte Marketing- und Verkaufsdirektor Thomas Hausch bei der Vorstellung in Stockholm.


Plattform vom Dodge

Dabei greift Jeep auf die Synergien der Konzernschwester Dodge zurück. Der neue Compass basiert auf der Plattform des vor kurzem eingeführten Caliber, der im hart umkämpften C-Segment antritt. «Die Plattform, Sicherheitstechnologie, Grundkonstruktionen der Sitze und Grundzüge der Armaturen stammen vom Dodge. Alles, was man sieht, ist nicht vom Caliber», umschreibt Pressesprecher Markus Hauf den Auftritt des SUV. Ganz Recht hat er damit aber nicht. Doch dazu später mehr.

Während die Seitenlinie des 4,41 Meter langen Compass an einen «Jeep Grand Caliber» erinnert, bleibt die Frontpartie vollkommen in Jeep-Hand. Besonders der Kühlergrill mit den typischen sieben Lüftungsschlitzen unterstreicht die Zugehörigkeit zur Jeep-Familie. Dagegen tritt die Seitenlinie nicht ganz so bullig auf wie beim Caliber. Zwischen den vorderen und hinteren Radkästen wird die Breite verringert, so dass mehr Dynamik zum Vorschein treten soll. Bei ungünstiger Sonneneinstrahlung aber sehen die Türen dann aus, als ob sie eingedellt wären.

Nicht einfache Beladung

Instrumente im Jeep Compass
Instrumente im Jeep Compass © Foto: Werk

Die Distanz zum kleinen Plattformgeber tritt zum einen in der Bodenfreiheit von 20 Zentimetern und in der um 51 Millimeter höheren Sitzposition im Gegensatz zum Caliber auf. Dafür ist aber auch die Ladekante sehr hoch und erschwert die Beladung nicht nur von leichten Gegenständen. Und beladen kann man den kleinen Jeep: 334 Liter stehen als Basis zur Verfügung, bei umgeklappten Rücksitzen sind es 1277 Liter. Auch der Beifahrersitz kann für sperrige Sachen gekippt werden und macht so Platz für Skier oder Dachlatten. Der Platzkomfort kann angesichts eines Radstandes von 2,640 Metern und einer Beinfreiheit im Fond von einem Meter überzeugen.

Im Innenraum erinnert der Aufbau stark an den Caliber, auch wenn die einzelnen Armaturen sich von der Dodge-Schwester unterscheiden. Die wuchtige und eckige Mittelkonsole erfüllt den vorderen Teil. Dass die Armaturen in billiges Plastik gefasst sind, überrascht angesichts des Caliber-Auftritts nicht. Allerdings wirken auch die Sitze, die aber genügend Seitenhalt geben, als Relikt der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Für junge Familien

Das Cockpit ist schlicht gehalten
Das Cockpit ist schlicht gehalten © Foto: Werk

Produktmanager Kevin Tourneur begründet die wirklich billig anmutende Ausstattung mit den Anforderungen an die Zielgruppe: «Der Compass ist für junge Familien gedacht, die vielleicht gerade ein Haus gebaut haben und nach einer preisgünstigen mobilen Lösung suchen. Und gerade bei kleinen Kindern, die die Sitze eher verschmutzen, können diese wieder leicht bereinigt werden.»

Und gerade dieser Ansatz macht den Compass für den Markt und die Zielgruppen in Europa interessant. Während die Konkurrenten von Toyota mit dem RAV4 oder Hyundai mit dem Santa Fe ins Premium-Segment drängen, füllt der Compass bei einem Einstiegspreis von knapp unter 24.000 Euro eine Nische aus. Wenn allerdings noch weitere Features gewünscht sind, nähert sich der Familien-SUV den Konkurrenten preislich stark an.

Dazu gehören dann auch das Boston Accoustic Sound System mit zwei zusätzlichen aufklappbaren Lautsprechern in der Heckklappe für den vollen Sound einer Barbecue-Party am Beach sowie eine ebenfalls im Heck angebrachte wieder aufladbare Taschenlampe. Diese beiden sichtbaren Gimmicks stammen aus der Produktion des Calibers.

Zwei Motoren

Platz genug
Platz genug © Foto: Werk

Ganz ohne Aufpreis kann der Kunde zwischen zwei Motoren wählen, die ebenfalls im Caliber ihr Tagwerk verrichten. Der 2,4 Liter Weltmotor mit 125 kW/170 PS und einem Drehmoment von 220 Nm bei 4500 U/min brachte auf den Testfahrten rund um Stockholm Fahrspaß. Allerdings störten die langen Schaltwege, zudem fehlt bei dieser Motorisierung der sechste Gang, was zu höheren Fahrgeräuschen führt. Auf Wunsch kann der Ottomotor, der sich mit Normalbenzin begnügt, auch mit einem stufenlosen Automatik-Getriebe bestückt werden. Aber gerade die Automatik musste bereits beim Caliber hart arbeiten. Der Compass ist mit einem Leergewicht zwischen 1460 bis 1585 Kilogramm noch etwas anspruchsvoller. Im Gelände konnte aber selbst die Automatik überzeugen und brachte den Allradler sicher ans Ziel.

Passender erscheint trotzdem der Compass mit einem 2,0 Liter-Diesel und Sechsganggetriebe. Hier arbeiten zwar nur 103 kW/140 PS bei einem Drehmoment von 310 Nm, die zwischen 1750 und 2.500 U/min anliegen, doch der Diesel läuft einfach runder, auch wenn man im Innenraum das Nageln des von VW konzipierten Motors mitbekommt. Jeep verspricht zudem einen Verbrauch von weniger als sieben Litern.

Diesel ab April 2007

Das Heck des Jeep Compass
Das Heck des Jeep Compass © Foto: Werk

Allerdings muss man Geduld aufbringen. Der Diesel steht erst ab April 2007 zur Verfügung. Hier beginnen die Preise bei 25.790. Dafür sind viele Sicherheitsfeatures, u.a. ESP, serienmäßig von Beginn an Bord. Wer aber eine einigermaßen nette Ausstattung dabei haben möchte, kommt fix auf 28.000 Euro.

Der Compass kommt von außen kompakt, von innen billig daher. Angesichts der Positionierung in Richtung junge Familien wird der kleine Jeep vor allem im Heimatmarkt Amerika den Hauptanteil der Abnehmer finden. In Deutschland aber wird es angesichts der Konkurrenz zunächst beim Nischendasein bleiben. Die Ziele sind niedrig angesetzt, Vorgaben gibt es nicht. Hauf bleibt vorsichtig: «Wir verkaufen so viele Modelle, wie wir können.»






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