27. Juli 2012

Fahrbericht Hybrid in gehobener Mittelklasse Infiniti M35h: Sparsam und kraftvoll

Mit dem hybriden Infiniti M35h ist man kraftvoll unterwegs.
Mit dem hybriden Infiniti M35h ist man kraftvoll unterwegs. © Infiniti

Der Infiniti M35h überzeugt mit seinem kraftvollen Hybridantrieb. Für eine längere Urlaubsreise mit Familie ist die Limousine der gehobenen Mittelklasse dagegen nicht ganz tauglich.




Von Peter Eck

Hybride? Das sind doch diese Fahrzeuge von Toyota, Lexus oder Honda. Denkste – zum einen haben auch die deutschen Hersteller erste zaghafte Schritte in Richtung Doppelherz unternommen, zum anderen gibt es da ja noch eine weitere japanische Marke mit einem Hybrid-Angebot. Der Infiniti M35h ist eine ausgewachsene Limousine der gehobenen Mittelklasse, tritt also gegen Wettbewerber wie den Audi A6, die Mercedes E-Klasse oder den Lexus GS an, die sämtlich ebenfalls mit Hybridantrieben unterschiedlicher Art zu haben sind.


Infiniti mit Lithium-Ionen-Batterie

Bei der M-Limousine arbeiten ein 3,5-Liter-Benzinmotor mit 225 kW/306 PS und ein Elektromotor mit 50 kW/68 PS zusammen, was nach Hybrid-Arithmetik eine Systemleistung von mächtigen 268 kW/364 PS ergibt. Dabei verspricht Infiniti einen Verbrauch von durchschnittlich lediglich 6,9 Litern je 100 Kilometer.

Tatsächlich haben die Ingenieure der Nissan-Edeltochter das System offensichtlich sehr gut im Griff. Anders als Konkurrent Lexus setzen diese Japaner sogar eine Lithium-Ionen-Batterie ein. Wahrscheinlich ein Grund, warum sich der Akku zum Beispiel bei Schiebefahrt bergab so schnell wieder komplett auflädt. In Zusammenarbeit mit dem Siebengang-Automatikgetriebe entfaltet der Antrieb mit seinen 364 Pferdestärken mächtig Power. Mehr sogar, als die vergleichsweise bescheidenen 350 maximalen Newtonmeter glauben lassen.

Gute Verbrauchswerte für den Infiniti M35h

Das Display des Infinti M35h zeigt den jeweiligen Betriebszustand an
Das Display des Infinti M35h zeigt den jeweiligen Betriebszustand an © Infiniti

Wirklich überzeugen kann der M Hybrid aber vor allem beim Verbrauch. Klar, dass die knapp sieben Liter Durchschnittskonsum nicht geschafft wurden. Aber 8,3 Liter sind für eine über 1,8 Tonnen schwere Limousine der oberen Mittelklasse aller Ehren wert. Da stört dann auch nicht, dass die Antriebseinheit spürbar schwer auf der Vorderachse lastet.

Dank Hinterradantrieb ist die Servolenkung zumindest frei von störenden Fahreinflüssen. Übrigens fährt der M35h weder mit einer elektrischen noch mit einer hydraulischen Lenkung. Vielmehr erzeugt eine elektrische Pumpe den Druck für die Hydraulik, was sich in überraschender Präzision niederschlägt. Weniger Präzise ist das Bremsverhalten, das auch beim Infiniti wie bei vielen Hybriden mit Bremskraftrückgewinnung etwas arg synthetisch wirkt.

Batterie lässt Kofferraum des Infiniti M35h schrumpfen

In den Kofferraum des Infiniti M35h passt nicht allzuviel hinein
In den Kofferraum des Infiniti M35h passt nicht allzuviel hinein © Infiniti

Bis zu zwei Kilometer soll man mit dem edel eingerichteten Japaner rein elektrisch fahren können. Aber da braucht es schon einen sehr feinfühligen Gasfuß, um den V6-Benziner vom Zuschalten abzuhalten. Umgekehrt sind Höchstgeschwindigkeiten auch nicht unbedingt das Ding des Infiniti. Zwar klappt die Zusammenarbeit der beiden Motoren auch hier perfekt, doch ist der M von seiner Auslegung her einfach kein Fahrzeug für Tempi jenseits der 200. Mit 160 oder auch 180 Sachen kann man dagegen bequem und entspannt auch lange Strecken zurücklegen.

Obwohl auch hinten zwei Erwachsene sehr bequem sitzen, sollte die Urlaubsreise besser nur zu zweit angetreten werden. Denn der Kofferraum fasst lediglich 350 Liter, 150 Liter weniger als in der reinen Benziner-Version M37. Das reicht kaum für das Gepäck von vier Personen und ist der vielleicht offenkundigste und gravierendste Nachteil des M35h.

Vernünftiger Preis für Infiniti M35h

Ansonsten kann der Hybrid selbst beim Preis überzeugen. Zwar werden mindestens 55.490 Euro fällig, doch ist dies für eine gut ausgestatte Limousine dieser Kategorie kaum zu viel, zumal der Aufpreis zum gleich ausgestatteten, aber leistungsschwächeren Dieselmodell gerade mal 1500 Euro beträgt. Selbst der Aufpreis zum Benziner fällt mit 3100 Euro nicht sehr hoch aus. Das sehen die Hybrid-Aufschläge bei deutschen Herstellern (bis zu 8000 Euro) doch anders aus.

Fazit: Der Infiniti M35h überrascht mit einem ausgereiften Hybridsystem zu einem vernünftigen Preis. Zugegeben, das barocke Design der zur gehobenen Mittelklasse zählenden Limousine muss man mögen und über das Laderaumvolumen im Kompaktklasseformat hinwegsehen. Abgesehen davon, gibt es an diesem Fahrzeug nicht viel auszusetzen. Vorausgesetzt, einer der zurzeit nur fünf Infiniti-Händler (Dresden, Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt) ist in der Nähe. (SP-X)






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