16. April 2008

Fahrbericht Hyundai i30 cw 1.6 CRDi Auf zur Jagd

Der Hyundai i30 cw
Der Hyundai i30 cw © Foto: Hyundai

Acht Jahre musste Hyundai in seiner Modellpalette ohne Kombi auskommen - jetzt gibt es wieder einen. Der jüngste Sproß sieht ausgesprochen attraktiv aus - und bläst selbstbewusst zum Angriff auf die Konkurrenz.




Von Jürgen Wolff

Als Schräghecklimousine ist Hyundais Golf-Konkurrent i30 bereits gut im deutschen Markt angekommen. Er und sein Konzernbruder Kia cee'd verhageln dem Wolfsburger nicht nur immer wieder die Verkaufsstatistik, sie gewinnen mittlerweile auch schon diverse Vergleichstests gegen Golf und Audi A3, die in dieser Disziplin schon unantastbar schienen. Um satte 16 Prozent, verkündet Werner H. Frey, Geschäftsführer von Hyundai Deutschland, seien die Verkäufe im Januar 2008 angestiegen. 50.000 Fahrzeuge wollen die Koreaner dieses Jahr in Deutschland insgesamt an die Kunden bringen - inklusive des neuen Kombimodells. Frey ist zuversichtlich: «Mit dem i30cw werden wir nicht nur neues Volumen generieren. Wir werden auch Zielgruppen erschließen und an die Marke binden, die wir bislang nicht erreichen konnten.» Die diplomatische Umschreibung für: Mit dem jagen wir der Konkurrenz die Kunden ab.


Deutlich an Länge zugelegt

Das könnte klappen. Denn der i30cw braucht sich vor seinen unmittelbaren Konkurrenten in der offiziell «C-Segment» genannten Golf-Klasse nicht verstecken. Im Feld von VW Golf Variant, Opel Astra Caravan, Ford Focus Turnier, Renault Megane Grandtour und Peugeot 307 SW kann er sehr wohl mithalten.

Gegenüber der bekannten Schrägheck-Variante hat der Kombi deutlich an Länge, Radstand und folglich Innenraum zugelegt. Mit 4,48 Metern ist der cw 23 Zentimeter länger als die Limousine. Die neun Zentimeter Höhenzuwachs gehen auf das Konto der Dachreling, bringen so nicht wirklich mehr Kopffreiheit. Effektiver wirken sich da schon die fünf Zentimeter Plus beim Radstand aus. Das Ergebnis sind noch einmal etwas mehr Platz für die Passagiere vor allem im Fond - und natürlich mehr Laderaum.

Bescheidenes Ladevolumen

Der CRDi-Motor im Hyundai i30 cw
Der CRDi-Motor im Hyundai i30 cw © Foto: Hyundai

Der allerdings ist im Klassenvergleich eher bescheiden. Voll bestuhlt stehen 415 Liter zur Verfügung - das sind fast 100 Liter weniger als beim Golf Variant oder beim Ford Focus. Wird die im Verhältnis 40:60 geteilte Rückbank im i30 komplett umgeklappt, stehen bis zu 1395 Liter Stauraum zur Verfügung. Das sind sogar rund 150 Liter weniger als bei der Konkurrenz.

Immerhin ist der Platz im i30 gut nutzbar, da beim Umklappen der Rückbank ein durchgehend ebener Ladeboden entsteht. Vor allem aber: Der i30cw ist für bis zu 524 Kilogramm Nutzlast ausgelegt und liegt damit auf einer Ebene mit Golf Variant und Co. Auch optisch hat der weitgehend in Europa und für Europa entwickelte und gezeichnete Hyundai durch den Anbau nicht verloren - im Gegenteil.

Hochwertige Materialien

Ein Blick in den Innenraum des Hyundai i30 cw
Ein Blick in den Innenraum des Hyundai i30 cw © Foto: Hyundai

Getan hat sich - klar - vor allem was am Heck. Am markantesten fallen dabei die bis unters Dach hochgezogenen Heckleuchten auf. Geblieben ist als Designelement die horizontal verlaufende Linie, an der sich die einzelnen Elemente wie bei der Limousine orientieren. Innen zeigt sich der Kombi ebenfalls weitgehend identisch mit der Limousine. Die Materialien wirken hochwertig und haben eine angenehme Haptik, die Stoffe fühlen sich gut an und die Verarbeitungsqualität ist ausgezeichnet.

Die Sitze sind straff und bieten einen guten Seitenhalt. Größere Zeitgenossen hätten sich aber gewünscht, dass man den Verstellbereich zumindest im Kombi noch um ein, zwei Rasten nach hinten verlängert hätte. Wer über 1,80 ist, hat etwas Probleme mit seinen Beinen. Immerhin sorgt das in Tiefe und Neigung verstellbare Lenkrad für eine bessere Ergonomie wenigstens oberhalb der Hüfte.

Info-Display schlecht erkennbar

Ein Blick in den Kofferraum des Hyundai i30 cw
Ein Blick in den Kofferraum des Hyundai i30 cw © Foto: Hyundai

Allein schon aus der Beschränkung auf das Wesentliche ergibt sich eine klare und einfache Bedienbarkeit. Anzeigeinstrumente direkt vor dem Fahrer, Klimaanlage und Radio gut erreichbar oben in der Mittelkonsole, die Schalter für die Fensterheber in den Armauflagen der Türen - nichts, was verwirren könnte.

Mit zwei Ausnahmen. Die dunkelblauen Ziffern und Zahlen des Info-Displays zwischen Tacho und Drehzahlmesser sind bei hellem Tageslicht so gut wie nicht zu erkennen - erst recht, wenn auch noch das Tagfahrlicht eingeschaltet ist. Gleiches gilt für das ohnehin zu kleine Display des Navigationssystems, das sich aus dem Armaturenbrett hochklappen lässt - so kann man getrost darauf verzichten: Man sieht eh nix.

Diesel als erste Wahl

Das Angebot an Motoren für den Kombi entspricht fast identisch dem für die Limousine. Aktuell verfügbar sind zwei Benziner mit 1,6 Liter (93 kW/126 PS) und 2,0 Liter (105 kW/143 PS) sowie zwei Diesel mit ebenfalls 1,6 Liter (85 kW/116 PS) und 2,0 Liter (103 kW/140 PS). Folgen soll im Juli noch ein Basis-Diesel mit 90 PS Leistung. Alle Diesel werden serienmäßig mit Partikelfilter geliefert.

Klare Empfehlung: der 1.6 CRDi Diesel. Vor allem im unmittelbaren Vergleich mit dem 1.6-Benziner schneidet er in so gut wie allen Bereichen deutlich besser ab. Von den offiziell 10 PS mehr des Benziners merkt man im Fahrbetrieb nichts. Der Diesel geht subjektiv flotter los - auch, wenn er auf dem Papier für den Spurt von 0 auf 100 km/h 0,4 Sekunden länger braucht.

1200 Euro teurer als Limousine

Das Heck des Hyundai i30 cw
Das Heck des Hyundai i30 cw © Foto: Press-Inform

Das Drehmoment von 255 Nm steht bereits ab 1900 Umdrehungen zur Verfügung - der knapp 1,5 Tonnen schwere i30cw lässt sich damit richtig schön schaltfaul fahren. Anders der Benziner: Der erreicht sein maximales Drehmoment von 154 Nm bei 4200 U/min und verlangt vom Fahrer deutlich mehr Schaltarbeit. Als weitere Pluspunkte kommen bei dem Diesel der mit 4,9 Liter im Vergleich zu den 6,2 Liter des Benziners deutlich niedrigere Verbrauch - und die höchst moderate Geräuschkulisse. Fahren lässt sich der Kombi noch einen Tick problemloser als schon die Limousine. Der etwas längere Radstand sorgt mit für einen noch besseren Geradeauslauf, lässt den Kombi noch einen Tick satter auf der Straße liegen. Das Kurvenverhalten ist gutmütig, die Schaltung hakelt ab und an zwar mal ein klein wenig, ist aber ansonsten gut abgestimmt und durchaus knackig.

Ausstattungsbereinigt bietet Hyundai den Kombi 1200 Euro teurer an als die Limousine. Der Basispreis für den 1.6-Benziner liegt bei 17.490 Euro, der 1.6-Diesel kostet mindestens 18.490 Euro. Empfehlenswert ist gleich die Comfort-Version für dann 20.790 Euro - es bleibt dann nur noch sehr wenig, was aus der kurzen Aufpreisliste dazu bestellen könnte.






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