15. Oktober 2010

Fahrbericht Honda PCX 125 Honda PCX 125: Optimierter Bestseller

Die PCX 125 schaltet beim Halten automatisch ab
Die PCX 125 schaltet beim Halten automatisch ab © Foto: Honda

Mit dem Honda PCX 125 hält eine innovative, für den Rollerbereich völlig neue Technik Einzug in die Leichtkraftradklasse: Der 125er verfügt über eine automatische Leerlauf-Abschaltung, die beim Spritsparen helfen soll.




Von Thilo Kozik

Rote Ampeln sind für sich genommen in der Regel lästige Verkehrshindernisse. Allerdings bringen sie die Mitglieder des ansonsten teilnahmslos nebeneinander her fließenden Verkehrs manchmal zueinander, wenn der Lieferwagenfahrer dem neben ihm stehenden Rollerfahrer "He, dein Motor ist ausgegangen" durch das geöffnete Fenster zuruft. Doch beim gerade eingetroffenen Honda PCX 125 gehört der abgestorbene Motor zum Programm: Er ist als erster Roller mit einer automatischen Leerlaufabschaltung versehen.


Futuristisches Styling

Das sieht man ihm natürlich nicht an. Trotzdem fällt der PCX zunächst durch sein geradezu futuristisches Styling auf. Das dürfte zu einem erheblichen Maße am Entwicklungsstandort Italien liegen - dort gelten Roller immer auch ein wenig als modisches Accessoire, das dem persönlichen Auftritt ihres Fahrers Ausdruck verleiht. Für den avantgardistischen PCX, der vorn wie eine Mixtur aus Hondas DN-01 und VFR aussieht, und seitlich betrachtet ein wenig an die Honda-Schwinge erinnert, dürften sich demnach vor allem progressiv denkende Menschen interessieren.

Der Fortschrittsgedanke findet unterm Plastikkleid seine Fortsetzung, wo die emsigen japanischen Ingenieure eine Menge interessante Technikdetails versteckt haben. Das beginnt mit der Antriebsquelle, einem flüssigkeitsgekühlten ohc-Single mit Zweiventiltechnik.

Flotter Anzug

Dass es dieser Bursche faustdick im Zylinder hat, merkt man schon beim Anlassen: Beim Druck aufs Knöpfchen spurt kein herkömmlicher Anlasser geräuschvoll ein und versetzt die Kurbelwelle in Rotation, der PCX schnurrt vielmehr geschmeidig an und ist sofort leistungsbereit. Hier fungiert die Lichtmaschine gleichzeitig als E-Starter, der doppelt gewickelte bürstenlose Rotor treibt die Kurbelwelle an.

Die elektronische Kraftstoffeinspritzung berücksichtigt die jeweiligen Parameter und sorgt unter allen Bedingungen für die perfekte Gemischzusammensetzung. Nach kurzer Warmlaufphase legt der elf PS starke Einzylinder vom Fleck weg mächtig los. Als ausgesprochener City-Scooter zieht er bis 50, 60 km/h flott an, um es danach etwas ruhiger angehen zu lassen. Gasbefehle aus dem Schiebebetrieb setzt er äußerst sanft in Vortrieb um, wie überhaupt die Laufruhe begeistern kann.

Stärkere Dämpfung erwünscht

Und an der roten Ampel zeigt der warmgefahrene PCX sein herausragendes Merkmal: Nach drei Sekunden im Stand stellt eine innovative Leerlaufabschaltung das Triebwerk automatisch ab, was im Cockpit durch eine gelbe Stand By-Leuchte signalisiert wird. Schaltet die Ampel wieder auf Grün, genügt der Dreh am Gasgriff. Schon sprintet der PCX vehement voran und hinterlässt verwirrte Lieferwagenfahrer. Für den Stop-and-go-Verkehr in der City verspricht Honda sogar eine Spritersparnis von fünf Prozent. Wer möchte, kann das "Dreh&Weg"-System per Knopfdruck deaktivieren.

Up to date gibt sich auch das Fahrwerk, allem voran das Integralbremssystem. Während vorn alles konventionell verzögert, wird beim Betätigen der Trommelbremse hinten automatisch vorne mitgebremst. Das sorgt für kurze Bremswege und verbessert die Stabilität. Dies scheint allerdings auch angeraten, denn die Auslegung der Gabel und vor allem der beiden Federbeine ist reichlich soft geraten. Schon auf leicht welligem Geläuf gerät der PCX in fröhliches Wippen und Wanken, die Federwege sind allzu schnell aufgebraucht und die Federelemente gehen auf Block. Hier würden eine stärkere Dämpfung und etwas steifere Federn vermutlich (Stabilitäts-)Wunder bewirken.

Kleiner Wendekreis

Davon abgesehen ist der Neuling sehr gut auf den Betrieb im urbanen Geläuf vorbereitet: Ein unglaublich kleiner Wendekreis und hinreichend präzise 14-Zoll-Räder fördern zusammen mit einer kompakten, aber beileibe nicht unbequemen Fahrerhaltung die Wendigkeit. Sitzbank und Tankschloss lassen sich in einer bestimmten Stellung des Zündschlüssels von einem Wippschalter elektrisch entriegeln. Dann öffnet sich ein standesgemäß großer Stauraum, der auch einen Integralhelm schluckt.

Mit 2540 Euro bleibt der gut verarbeitete PCX in erfreulich bezahlbaren Regionen. Ob die Stop-and-go-Automatik wirklich eine Spritersparnis bringt? Vermutlich. Doch die Technologie lohnt sich schon allein wegen der verdutzten Gesichter. Und so darf man sich auf dem PCX tatsächlich auf die nächste rote Ampel freuen. (mid)






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