20. November 2006

Fahrbericht Honda Jazz 1.4: Musik ist Trumpf

Mehr Platz, als man denken sollte: Honda Jazz
Mehr Platz, als man denken sollte: Honda Jazz © Foto: dpa

Innere Größe bei weniger als vier Metern Länge. Im Praxistest präsentiert sich der Honda Jazz 1.4 als agiles Raumwunder mit durchdachtem Innenraumkonzept.




Von Stefan Zaumseil

Außer dem ungewöhnlichen Namen fällt beim kleinsten Van aus dem Hause Honda vor allem eins auf: die geradezu kantenfreie Form. Die ist - laut Honda - ein Produkt des «Zenshin»-Konzepts, was im übertragenen Sinne «ganzheitliche Erneuerung» bedeutet. Außerdem stehe hinter dem Jazz der Gedanke «New Small», der im Wesentlichen drei neue Lösungen anbieten soll: variable Innenraumkonfiguration, Crashsicherheit und niedriger Kraftstoffverbrauch.


Viel Platz trotz geringer Abmessungen

Dass man mit diesen Bezeichnungen auf gleicher Linie mit den in Europa hoch im Kurs stehenden asiatischen Philosophien liegt, ist sicher kein Zufall. Allerdings bietet der Honda Jazz ansonsten eine eher unspektakuläre Außenansicht. Fast so wie ein Minivan, aus dem ein bisschen Luft abgelassen wurde - eben ein Microvan. Ein kleineres Facelift gegenüber der Ursprungsversion beschränkt sich auf LED-Blinkleuchten in den Außenspiegeln und etwas kräftigere Stoßfänger.

Daher erwartet den Fahrer eine kleine Überraschung bei Einstieg in den Fünfsitzer. Nicht nur, dass die Instrumente im Stil des Honda Accord daherkommen und schrittweise heller leuchten - auf allen fünf Sitzen ist ausreichend Platz für durchschnittsgroße Europäer. Das ist bei Abmessungen von 3,83 Metern Länge und 1,67 Metern Breite eine stattliche Leistung. Der Fahrersitz lässt sich ungewöhnlich tief einstellen und macht den Jazz so auch für norddeutsche Recken fahrbar. Die Verarbeitung wirkt solide, alle Materialien dem Segment entsprechend. Das Cockpit ist übersichtlich und wirkt sehr sportlich, die Mittelkonsole für die aktuelle Honda-Generation typisch - alle Schalter am richtigen Platz und mit sinnvoller Funktion.

Agiler Mini-Motor

Ganz besonders überzeugen kann jedoch die Rücksitzbank. Statt - wie bei anderen - die Beinfreiheit von eng auf weniger eng durch einfaches Verschieben zu ermöglichen, haben die japanischen Designer sich eine sehr praktische Lösung zur Optimierung von Kofferraum und Raumgefühl ausgedacht: Die Rücksitzbank kann nach oben gegen die Rücksitzlehne geklappt werden, anschließend wird der die Lehne nach vorn versenkt - und fertig ist ein Laderaum von 1323 Litern mit 1,28 Metern Höhe bei ebener Ladefläche. Natürlich ist die Rückbank im Verhältnis 2:1 teilbar.

Für die kleinen Dinge des täglichen Lebens sind ausreichend Ablagemöglichkeiten in den Türen und der Mittelkonsole vorhanden. Für solch vergleichsweise üppige Platzverhältnisse musste der Tank unter die Vordersitze wandern.

Außerdem ist der Motor gerade einmal 42 Zentimeter lang und baut schon fast in den Innenraum - ohne dass darunter die Sicherheit leidet. Mit den 83 PS des lediglich 79 Kilogramm schweren 1,4-Liter-i-DSi-Motor lässt sich der Jazz munter bewegen, Laufkultur und Drehfreudigkeit entsprechen der Erwartung an den größten Motorenbauer der Welt.

Das erste i steht beim Jazz-Motörchen für «intelligent», der Rest für «Dual Sequential Ignition» - eine vollelektronische Zündanlage mit zwei Zündkerzen pro Zylinder, die je nach Drehzahlsituation für einen oder zwei Zündfunken sorgt. Das soll die Geräuschentwicklung und den Kraftstoffverbrauch optimieren.

Erst ab 150 wird es laut

Der Geräuschpegel ist für einen Kleinwagen in der Tat erstaunlich gering, bis etwas über Richtgeschwindigkeit sind weder Motoren- noch Windgeräusche besonders nervig. Jenseits der 150 Kilometer pro Stunde wird es aber doch noch laut, vor allem wegen der vorbei streichenden Luft. Der bevorzugte Einsatzort ist daher die europäische Metropole - hier ist der 1.100 Kilogramm schwere Honda Jazz dank hervorragender Rundumsicht, recht straffem Fahrwerk und knackiger Fünfgangschaltung in seinem Element.

Der Testverbrauch mit knapp acht Litern pro 100 Kilometer lag zwar um einiges über der Herstellerangabe, ist jedoch für die gebotenen Fahrleistungen akzeptabel. Die serienmäßige Sicherheitsausstattung des Honda Jazz 1.4 ES ist mit ABS, ESP, Scheibenbremsen rundherum, Kopfstützen und Dreipunktgurten auf allen Plätzen sowie Isofix-Kindersitzbefestigungen recht komplett, außerdem gab es vier Sterne im Euro-NCAP-Test für die Insassensicherheit.

Kurze Aufpreisliste

In der Version 1.4 ES kostet mit der Jazz ab 14.690 Euro und kommt serienmäßig mit Zentralverriegelung, Klimaautomatik, elektrisch einstell-, beheiz- und anklappbaren Außenspiegeln, elektrischen Fensterhebern, sowie einem CD-Radio mit Lenkradbedienung und Gepäckraumabdeckung daher.

Die Aufpreisliste ist dementsprechend kurz und umfasst ein sequenzielles Automatikgetriebe (750 Euro), elektrisches Schiebedach (770 Euro), DVD-Navigation (2.455 Euro), Metallic-Lackierung (365 Euro) sowie das elektronische Fahrstabilitätsprogramm VSA (650 Euro), das es allerdings nicht in Verbindung mit dem sequenziellen Automatikgetriebe gibt.






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