27. November 2006

Fahrbericht Honda CR-V: Aufstieg in die Kombiliga

Der neue Honda CR-V
Der neue Honda CR-V © Foto: Werk

Der Auftritt des neuen Honda CR-V mag viele überraschen. Ungewöhnlich dynamisch, ungewöhnlich wenig Offroad und ein ansprechendes Design sollen BMW X3, Opel Antara und Toyota RAV4 Kunden rauben.




Von Stefan Grundhoff

Vor elf Jahren hat Honda mit dem CR-V der ersten Generation Trends gesetzt. Der Familienallradler war einer der ersten seiner Zunft und lief weltweit überaus erfolgreich. In Deutschland konnten 50.000, weltweit mächtige 2,5 Millionen Autos verkauft werden. Die SUV-Mittelklasse schien ohne einen Honda kaum mehr denkbar. Doch der neue CR-V verabschiedet sich aus der SUV-Klasse in die Kombiliga. So erfolgreich die unüberschaubar vielen SUV aus dem In- und Ausland auch unterwegs sind, Honda geht ab Anfang 2007 einen anderen Weg.


Frisches Design

Statt robustem Auftritt, kraftvollen Aggregaten und einem Hightech-Allradantrieb biegen die Asiaten kurzerhand in eine andere Richtung ab. «SUV klassischer Prägung», erklärt Akio Fumiiri, Chef des Advanced Designstudio von Honda R&D, «sind mehr oder minder kantige Kästen, deren Formensprache sich noch immer an gusseisernen Offroadern orientiert. Aus unserer Sicht ist die Zeit reif für ein moderneres, frisches Design.»

Abgesehen von der erhöhten Sitzposition und einem respektablen Platzangebot hat der CR-V mit einem SUV nicht viel gemein. Die maskuline, aber allzu zerklüftete Front macht den 4,52 Metern langen CR-V ungewohnt dynamisch. Die Seitenlinie ist im Vergleich zum Vorgänger eleganter und zeigt deutliche Parallelen zum Oberklasse-SUV Audi Q7.

Spürbare Stöße

Bullige Erscheinung
Bullige Erscheinung © Foto: Werk

Die schlaksig hochbeinigen Auftritte der ersten beiden Honda-Generationen gehören der Vergangenheit an. Der neue CR-V steht nicht zuletzt Dank 17- bis 19-Zoll-Bereifung bullig auf der Straße. So dynamisch wie er aussieht, fährt er sich auch. Die Fahrwerksabstimmung ist sportlich straff.

Man hat das Gefühl in einem dynamischen Kombi zu sitzen. Gerade in engen Kurven genießt man die ungewöhnlich geringen Nick- und Wankbewegungen. Doch für die Insassen gibt es auch Nachteile. Besonders von der Hinterachse kommen Stöße spürbar in den Innenraum.

Offene Wünsche

Viel Platz im Kofferraum
Viel Platz im Kofferraum © Foto: Werk

Erinnerungen an den BMW X3 kämen auf, ließen nicht Lenkung, Schaltung und besonders der neu entwickelte Benzinmotor derartig große Wünsche offen. Die Lenkung ist für einen Honda ungewöhnlich unpräzise und schwammig. Die Bremsen könnten deutlich kraftvoller zupacken und das serienmäßige Sechsgang-Getriebe scheint ebenso lieblos abgestimmt wie die träge Fünfgang-Automatik.

In den USA ist der CR-V alternativ mit Front- und Allradantrieb zu bekommen. Auch die Europaversion fährt sich wie ein reiner Fronttriebler. Die Hinterachse bekommt per hydraulischer Lamellenkupplung maximal 35 Prozent der Motorleistung zu spüren. Die fließen jedoch nur dann, wenn die Vorderräder deutlich durchdrehen. Mehr als ein leichter Einsatz in lockerem Neuschnee ist mit dieser 4x4-Technik kaum zu machen.

Diesel die bessere Wahl

Die Rückansicht
Die Rückansicht © Foto: Werk

Das Zweiliter-Triebwerk hängt willig am Gas und überzeugt mit einem angenehmen Klang, wirkt im CR-V jedoch überfordert. Von den 110 kW / 150 PS und 192 Nm Drehmoment spürt man allzu wenig. So sollte man trotz eines geringen Verbrauches von knapp über acht Litern Super auf 100 Kilometern nicht lange überlegen und gleich zum bekannten 2,2 Liter-Dieseltriebwerk greifen. Der tut sich mit dem Leergewicht von 1,6 Tonnen zwar nicht leicht, passt aber deutlich besser zum CR-V.

Der Selbstzünder schafft 187 km/h Spitze und soll auf 100 Litern durchschnittlich gerade einmal 6,5 Liter Diesel verbrauchen. Auf die lange geforderte Kombination aus Diesel und Automatik und eine stärkere Selbstzünderversion muss die Honda-Fangemeinde mindestens noch ein Jahr warten. Mittelfristig soll der CR-V auch mit einem Hybridtriebwerk zu bekommen sein.

Exzellente Sicherheitsausstattung

Übersichtliches Cockpit
Übersichtliches Cockpit © Foto: Werk

Im Innenraum hat der CR-V einen großen Schritt nach vorn gemacht. Das Armaturenbrett ist übersichtlich und abgesehen von einigen preiswert anmutenden Verkleidungen wertig. Das griffige Steuer liegt gut in der Hand; es bleibt jedoch ein Honda-Geheimnis, wieso nur einige der Lenkradtasten beleuchtet sind. Das Platzangebot war bereits vorher gut und ist gerade im Fond nun noch besser. Die hintere Sitzbank lässt sich verschieben und die Lehnenneigung verstellen. Der leicht zu beladende Kofferraum fasst 524 bis 955 Liter. Das Gepäckabteil lässt sich durch ein Board horizontal trennen.

Gerade bei der Sicherheitsausstattung bietet der neue Honda ein exzellentes Paket. Über ABS, diverse Airbags und ESP spricht von den Honda-Ingenieuren niemand mehr. Wer will, bekommt Xenonscheinwerfer mit Kurvenlicht, einen Radar-Abstandstempomaten und das in der SUV-Klasse erstmals verfügbare Sicherheitssystem CMBS (Collision Mitigation Brake System), dass ähnlich wie das bekannte PRE-SAFE-System von Mercedes arbeitet. Reduziert sich der Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug drastisch, warnt das System den Fahrer akustisch und visuell. Wird es besonders eng, strafft CMBS die vorderen Sicherheitsgurte und leitet selbsttätig eine Notbremsung ein.

Keine Sitzhöhenverstellung für Beifahrer

Der Basispreis für den Honda CR-V 2.0i Comfort liegt bei 26.950 Euro. Die beste Wahl ist der CR-V 2.2i-CTDi Executive für 34.900 Euro. Er lässt bis auf DVD-Navigationssystem (2.800 Euro) und dem Fahrerassistenzsystem CMBS (teure 2.950 Euro) keine Wünsche mehr offen - abgesehen von einer Sitzhöhenverstellung auf der Beifahrerseite. Die gibt es nicht einmal gegen Aufpreis.






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