30. August 2012

Fahrbericht Transit erstmals in drei Baureihen Ford Transit/Tourneo Custom: Ambitionierte Zwillinge

Der Ford Tourneo Custom
Der Ford Tourneo Custom © Ford

Ford will mit dem Transit Custom und dem Tourneo Custom die Vorherrschaft der VW Transporter angreifen. Dabei sollen die Lastesel nicht nur beim Design auf Pkw-Niveau gehoben werden.




Von Wolfram Nickel

Bei Kleinbussen und Transportern mit einer Tonne Nutzlast wird mit harten Bandagen gekämpft. Wer hier den dominierenden VW Transporter überholen will, muss schon Besonderes bieten. Genau das versucht Ford mit dem neuen Zwillingspaar aus Transit Custom und Tourneo Custom. So soll die siebte Generation des Transit bei Design, Komfort und Sicherheitsausstattung zum Pkw-Niveau aufschließen und gleichzeitig klassische Nutzfahrzeugtalente wie hohe Ladekapazität, niedrige Betriebskosten und Aufbauvielfalt erweitern.


Ford Transit in drei unterschiedlichen Baureihen

Dazu differenziert Ford den Transit erstmals in drei unterschiedliche Baureihen: Oberhalb des Stadtlieferwagens Transit Connect gibt es künftig den Transit Custom in der Klasse mit rund einer Tonne Nutzlast und den großen Transit im Segment mit rund zwei Tonnen Nutzlast. Während der Kastenwagen Transit Custom und der Kleinbus Tourneo Kasten bereits im November in den Handel kommen, erfolgt die Erneuerung der beiden anderen Transit-Linien nicht vor 2013.

Dynamisches Design im Stil großer Vans statt nüchterner und nutzwertorientierter Blaumannformen kennzeichnet den Kastenwagen Transit Custom und den bis zu neunsitzigen Kleinbus Tourneo Custom. Damit sollen die Malocher Mode machen, ähnlich wie bisher der Transit Sport in auffälliger Lifestylelackierung und mit Schwellern. Tatsächlich soll diese Sport-Spezifikation beim Transit Custom schon im Februar 2013 revitalisiert werden. Dennoch wird den Transporterkäufer weiterhin die Funktionalität der Lademeister wichtiger sein als die Freude an schönen Formen.

Praktischer Innenraum des Ford Transit Custom

Der Innenraum des Ford Transit Custom hat Pkw-Niveau.
Der Innenraum des Ford Transit Custom hat Pkw-Niveau. © Ford

Aber auch hier kann der Neue überzeugen. So bietet der Transit Custom den besten Laderaum seiner Klasse mit rund sechs Kubikmetern Volumen bereits bei kurzem Radstand, der breitesten seitlichen Schiebetür (1,03 Meter), der größten Ladebreite zwischen den Radkästen (rund 1,40 Meter) und Platz für drei Euro-Paletten, die quer wie längs geladen werden können. Neu ist außerdem ein optionaler, ins Dach integrierter und abnehmbarer Gepäckträger für Lasten bis 130 Kilogramm. Wird der nicht benötigt, lässt er sich zusammenfalten zugunsten niedrigen Luftwiderstands und Dieselverbrauchs.

Hinzu kommen nützliche Details wie eine Durchladevorrichtung in der Trennwand zur Fahrerkabine für bis zu drei Meter lange Leitern. Mehr Stauraum bietet der Transit Custom mit langem, 3,30 Meter messendem Radstand. Die Nutzlast liegt zwischen 600 und 1400 Kilogramm maximaler Zuladung. Neben den klassischen Kastenwagenversionen umfasst das Ford-Frachter-Programm noch einen Kastenwagen mit Doppelkabine und den durchgehend verglasten Transit Custom Kombi, beide Typen fünf- bis sechssitzig. Mit einer dritten Sitzreihe für weitere drei Passagiere wartet der Kleinbus Tourneo Custom auf. Dank eines neu entwickelten Faltsystems lassen sich die Tourneo-Sitze wie in einer Großraumlimousinen fast kinderleicht klappen und in insgesamt 30 Positionen konfigurieren.

Ein Diesel in drei Leistungsstufen für den Ford Transit Custom

Der Ford Transit Custom regelt bei 157 km/ ab
Der Ford Transit Custom regelt bei 157 km/ ab © Ford

Zur Markteinführung von Transit Custom und Tourneo Custom steht ein 2,2-Liter-Diesel bereit in drei Leistungsvarianten von 74 kW/100 PS (Transit ab 29.690 Euro/Tourneo ab 37.842 Euro) über 92 kW/125 PS (Transit ab 31.475 Euro/Tourneo ab 39.627 Euro) bis 114 kW/155 PS (Transit ab 33.498 Euro/Tourneo ab 41.650 Euro). Alles jeweils in Kombination mit Vorderradantrieb und einem manuellen Sechsganggetriebe. Preisbrecher sind die neuen Kleinlaster damit nicht, dafür sollen sie im Unterhalt billiger sein als die Konkurrenz. Die Normverbrauchswerte der Diesel liegen zwischen 6,5 und 6,9 Liter auf 100 Kilometer im EU-Zyklus.

Wie fährt, arbeitet und lebt es sich mit den neuen Ford? Deutlich sicherer und angenehmer als bisher, aber immer noch wie in einem Nutzfahrzeug. Dafür sorgen hochwertige und dennoch erfreulich robuste Interieurmaterialien, die deutlich kratzresistenter wirken als bei vielen Konkurrenten. Die durchzugsstarke Topmotorisierung treibt den Transit Custom so schnell auf Tempo 100, dass erst die bei 157 km/h eingreifende Abregelung daran erinnert: Dieser Ford ist kein Renntier, sondern ein Lastesel. Damit differenzieren sich die Transit deutlich von Volkswagen Transporter und Multivan, letzterer knackt sogar die 200 km/h-Marke.

Ford Transit und Tourneo Custom mit Pkw-Ambitionen

Der Ford Tourneo Custom bietet neun Personen Platz
Der Ford Tourneo Custom bietet neun Personen Platz © Ford

Andererseits verwöhnt der Kölner Laster seine Besatzung mit einer limousinenähnlich komfortablen Fahrwerksabstimmung und einer deutlich verbesserten Fahrgeräuschdämmung. Auch gegen das teils noch verbreitete Poltern von Achsen oder Aufbau bei der Passage von Holperstrecken ist der Ford dank der weicheren Abstimmung gefeit, wie erste Testfahrten zeigten. Bei Bedarf lässt er sich dennoch sportlich forsch ums Eck fahren, allein die höhere Seitenneigung kündet dann nachdrücklich vom komfortbetonten Fahrwerk. Gerade noch akzeptabel im Stadtverkehr sind Handlichkeit und Übersichtlichkeit der 4,97 bis 5,34 Meter langen und 1,99 Meter breiten, aber unter zwei Meter hohen Karosserie. Parkhäuser sind noch kein Tabu und schmale Passagen lassen sich bei angeklappten Außenspiegeln bewältigen.

Kaufpreis und Kosten werden bei Nutzfahrzeugen besonders groß geschrieben, dennoch sollen sich Transporter in der Komfort- und Sicherheitsausstattung künftig kaum mehr von Familienvans unterscheiden. Mit den neuen Transportern geht Ford einen deutlichen Schritt in diese Richtung. Beide bieten einen Notrufassistenten, sechs Airbags und optional Fahrspurassistent, Müdigkeitswarner, die sprachgesteuerte Bedienung aller Bordsysteme, Reifendruckkontrollsystem und Rückfahrkamera. Der Tourneo ist überdies gegen Aufpreis mit Lederausstattung und separat regelbarer Klimaanlage für die hinteren Sitzreihen bestellbar. Trotz dieser Pkw-artigen technischen Aufrüstung bleibt auch die in der Türkei gebaute neue Transit-Klasse im Wesen ein Transporter. (SP-X)






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