15. Juni 2009

Fahrbericht Ford Tourneo Connect Der unbekannte Familienkasten

Der Ford Tourneo Connect
Der Ford Tourneo Connect © Foto: Ford

Der Ford Tourneo Connect dümpelt am Rand der kleinen Kastenwagen herum. Dabei kann sich der Kölner gut behaupten - bis auf die Farbe.




Von Thomas Flehmer

Seit gut 13 Jahren bevölkern mit dem Citroen Berlingo, dem Renault Kangoo oder dem VW Caddy Life kleine Kastenwagen mit nützlichen Schiebetüren die Straßen. Nicht mehr als eine Außenseiterrolle hat dabei der erst 2006 in Deutschland eingeführte Ford Tourneo Connect inne. Eine Auffrischung unter anderem mit dem Ford Kinetic Design soll den Kastenwagen, der als Nutzfahrzeugvariante als Transit Connect unterwegs ist, zu mehr Popularität verhelfen. Denn das ist es, was dem Tourneo Connect fehlt - neben dem späten Start. Schuld daran ist sicher auch, dass der im türkischen Kocaeli gebaute Kastenwagen unter der Sparte Nutzfahrzeuge geführt wird.


Unappetitliche Assoziationen

Dass die Nähe zu den kleinen Lastwagen durchaus gegeben ist, verrät trotz des Kinetic Designs die äußere Form, die kantiger daher kommt als die Auftritte der französischen Kollegen, für die das PKW-Segment aber die wahre Heimat bedeutet. Ist der Tourneo Connect dann noch in einen braunen Farbton eingekleidet, entfernt sich das je nach Radstand 4,32 oder 4,57 Meter lange Mobil noch weiter vom PKW-Bereich.

Dafür bietet der Innenraum absoluten Familiencharakter. Dort wurden die Armaturenträger, das Lenkrad und die Sitzpolster der nicht ganz überzeugenden Sitze aufgefrischt, zudem gibt es nun serienmäßig elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung und eine getönte Wärmeschutzverglasung. Die Bedienbarkeit der Instrumente ist voll und ganz gegeben und ist ein Indiz dafür, dass neben einer gewünschten PKW-Atmosphäre der praktische Nutzen nicht hinten anstehen muss.

Variabler Innenraum

Viel Platz vorhanden
Viel Platz vorhanden © Foto: Ford

Der weiterhin großzügige und variable Innenraum bietet auch dank einer geräumigen Dachablage viele Unterbringungsmöglichkeiten für alle Kleinigkeiten, die auf eine längere Reise mitgenommen oder im Alltag häufiger benötigt werden.

Und dass hinter den beiden Hecktüren fast unzählige Dinge untergebracht werden können, versteht sich von selbst. Werden alle Sitze umgeklappt entsteht am Boden eine Ladelänge von bis zu 2,71 Metern bei Modell mit dem langen Radstand, der 2,91 beträgt.

Unerwarteter Vortrieb

Genug PKW-Atmosphäre
Genug PKW-Atmosphäre © Foto: Ford

Ist der Tourneo Connect gut bepackt, empfiehlt es sich, den mit 81 kW/110 PS 1,8 Liter Duratorq TDCi größeren der beiden erhältlichen Dieselmotoren zu wählen. Ein maximales Drehmoment von 250 Nm, das bereits bei 1500 Kurbelwellenumdrehungen anliegt und bis 2900 Umdrehungen zur Verfügung steht, sorgt für einen Vortrieb, den man von diesem Kastenwagen nicht unbedingt erwartet hätte.

Allerdings fehlen genügend Dämmstoffe, um die Lautstärke des Commonrail-Diesels im Zaum zu halten. So holen dann doch LKW-Gefühle die Reisenden wieder ein. Eine Unterhaltung auch bei höheren Geschwindigkeiten ist dennoch möglich und auch gegen seitliche Winde zeigt sich der Kastenwagen in diesen Geschwindigkeitszonen erstaunlich immun.

Probleme mit spitzen Schuhen

Das Elektroauto kommt im nächsten Jahr
Das Elektroauto kommt im nächsten Jahr © Foto: Ford

Die Gänge lassen sich bis dahin gut einlegen. Probleme gibt es nur, wenn man etwas spitzere Schuhe anhat. Dann bleibt die Stiefelspitze an der oberen Verkleidung der Pedalen hängen und erschwert das Einlegen der lediglich fünf Gänge, die aber sehr lang ausgelegt sind und den Kraftstoffverbrauch nicht unnötig in die Höhe treiben. Sechs Liter gibt Ford beim Verbrauch an, der 20 PS schwächere Diesel benötigt 0,2 Liter auf 100 Kilometer mehr.

Wer noch weniger verbrauchen möchte, muss sich gedulden und den Start des reinen Elektrofahrzeugs abwarten, das im März auf dem Autosalon in Genf vorgestellt wurde und im kommenden Jahr in Serie gehen könnte, soweit die Nachfrage einen Produktionsstart ermöglicht.

Günstiger als die Konkurrenz

Bis dahin müssen mindestens 18.100 Euro für den kleinen Diesel mit kurzem Radstand investiert werden. Der Anfangspreis für den 110 PS starken Selbstzünder beträgt 19.300 für die Ausstattungsvariante Basis und geht bis 23.400 Euro für die Ausstattungslinie Trend und langen Radstand. Die Konkurrenz beginnt mit dieser Motorisierung bis zu 2000 Euro später, doch ob das ausreicht, das der unbekannte Kasten sein Schattendasein verlässt, ist nicht unbedingt klar.






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