5. April 2012

Fahrbericht Neue Generation Ford Ranger: Ein Hauch von Abenteuer

So sieht die neue Generation des Ford Ranger aus.
So sieht die neue Generation des Ford Ranger aus. © Ford

Der Autobauer Ford will mit der neuen Generation des Ranger auch außerhalb der USA Erfolg haben. Ob der Pick-Up das Zeug dazu hat, zeigt unser Test. In Deutschland kommt er in diesen Tagen auf den Markt.




Von Wolfram Nickel

In den USA zählen Pick-Ups traditionell zu den meistgebauten Autos, sie sind ein Symbol für Unabhängigkeit und erschwingliche Mobilität wie es zuvor nur der praktische Planwagen war. Die Ford F-Serie liegt mit 35 Millionen Einheiten sogar auf Platz zwei der der weltweit meist produzierten Autos aller Zeiten.

Mit einer neuen Generation des Ranger will Ford diesen Erfolg jetzt auf andere Länder übertragen. Dazu nimmt der gemeinsam mit dem Mazda BT-50 produzierte Ranger Anleihen am Konzept des amerikanischen Ford F-150. Diesem Vorbild ähnelt der Ranger in Statur und Auftritt so deutlich, dass der Vertrieb nur außerhalb Amerikas erfolgt. In Deutschland startet der 5,35 Meter lange Laster in diesen Tagen mit drei Karosserieformen (Einzelkabine, Extrakabine und Doppelkabine), drei Diesel-Motoren (zwei 2,2-Liter-Vierzylinder mit 92 kW/125 PS bzw.110 kW/150 PS Leistung und ein 147 kW/200 PS starker 3,2-Liter-Fünfzylinder) und serienmäßig zuschaltbarem Allradantrieb zu Preisen ab 26.882 Euro.


Ford Ranger mit nüchterner Einzelkabine

Die Rolle des Preisbrechers für scharf kalkulierende Handwerker übernimmt eine nüchtern ausgestattete Einzelkabine mit Hinterradantrieb, die 24.978 Euro kostet. Aber sogar dieser Ranger im Blaumann verzichtet nicht auf einen Hauch Luxus, denn im Unterschied zur allerdings bis zu 4.000 Euro billigeren Konkurrenz sind Audioanlage, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel und Zentralverriegelung mit Fernbedienung ebenso Standard wie eine Sicherheitsausstattung mit sieben Airbags.

Etwas von Glanz und Glorie großer Geländewagen vermittelt der Ranger aber erst mit familientauglicher Doppelkabine, Wildtrak-Ausstattung und dem klassenstärksten 3,2-Liter-Fünfzylinder-Diesel, dies am besten in Kombination mit einer sanft schaltenden Sechsgang-Automatik. Gerade von den gut ausgestatteten Pick-Ups verspricht sich Ford besondere Verkaufserfolge. 40.864 Euro kostet der Ranger in dieser Spitzen-Spezifikation und damit kaum weniger als klassische Geländewagen vom Format eines Land Rover Discovery. Dafür bietet der Ford den Pick-Up-Bestwert von 3.350 Kilogramm Anhängelast und beachtliche 1000 Kilogramm (als Einzelkabine mit langer Pritsche sogar bis zu 1,3 Tonnen).

Die Seitenlinie des Ford Ranger
Die Seitenlinie des Ford Ranger © Ford

Auch im Gelände kann es der Pick-Up mit konventionellen Offroadern aufnehmen. An ihre Grenzen stößt die Pritsche erst bei der Querung von Flussfurten, die tiefer als 80 Zentimeter sind und an Steigungen jenseits von 100 Prozent - oder immer dann, wenn der Fahrer den Mut verlässt. Erstaunlich schnell kann letzteres Phänomen im Großstadtgewühl auftreten. Hier verlangen 5,35 Meter Länge, 3,22 Meter Radstand und ein Wendekreis von 12,7 Metern viel Geschick und Rangiertalent, besonders, wenn es ums enge Eck gehen soll oder Pkw-Parkplätze locken. Auch die serienmäßige Rückfahrkamera hilft jetzt nur wenig weiter, der Ford ist eben ein langer Truck. Steuerlich als Lkw sind die Ranger übrigens tatsächlich in allen Versionen homologiert.

Ausreichend Platz für Familien

Ganz anders die Überlandpartie. Hier ist der Ranger wieder in seinem Element, besonders in Wildtrak-Spezifikation mit großem 3,2-Liter-Diesel. Fahrer und sogar Familie finden ausreichend Platz und Ablageflächen, wenn auch nicht so wie in SUVs. Dafür fühlt sich die Ranger-Besatzung aber dank massiger Kühlerfront und extra hoher Sitzposition noch unverwundbarer.

Der Ranger inspiriert zum Abenteuer im Kopf, seine Geländetalente lassen vom Lockruf der Wildnis träumen. Im Autobahnalltag wichtiger sind wahrscheinlich der überraschend große Geräuschkomfort des hoch bauenden Pickup, sein stabiler Geradeauslauf, die direkte Lenkung und der noch erträgliche Abrollkomfort sogar in unbeladenem Zustand trotz hinterer Starrachse. Dennoch: Mit dem Fahrkomfort konventioneller Geländewagen kann sich der Ranger nicht einmal in Wildtrak-Ausführung messen. Letztlich bleibt er eben doch ein raues Nutzfahrzeug. Das aber mit dem 147 kW/200 PS starken Fünfzylinder-Selbstzünder immerhin Pkw-ähnlich temperamentvoll motorisiert ist. 470 Nm Drehmoment bei 2.750/min stehen für Durchzugskraft bei Überholvorgängen und für ausreichend Kraft beim Schleppen schwerer Lasten.

Hochwertiger Eindruck im Innenraum

Ausreichend Ladefläche ist beim Ford Ranger vorhanden
Ausreichend Ladefläche ist beim Ford Ranger vorhanden © Ford

Im Interieur überrascht der Ranger durch erstaunlich hochwertige Plastik- und Stoffmaterialien, die andererseits weiterhin keinen Zweifel lassen am Nutzfahrzeugcharakter des Trucks. Noch nicht selbstverständlich bei Pick-Ups sind jedoch Details wie Zwei-Zonen-Klimaanlage, Kühlfach für bis zu sechs Getränkedosen, 23 Stau- und Ablagefächer und die Navigation mit 5-Zoll-Monitor.

Wie zuvor der Focus in der Kompaktklasse soll jetzt der Ranger bei den Pick-Ups ein Trendsetter in der Sicherheitstechnik werden. Dies mit Selbstverständlichkeiten wie ESP, das beim Vorgänger noch fehlte, und Berganfahrassistent, aber auch mit Ausstattungen wie Bergabfahrkontrolle, Anhängerstabilisierung und einem sogenannten adaptiven Zuladungsassistenten. Dieser erhöht die Wirkung des ESP in Abhängigkeit von der Beladung. Fünf Sterne und die bisher beste Bewertung in der Kategorie Pick-Up beim EuroNCAP-Crashtest sollen die passive und mit einem Pkw vergleichbare Sicherheitstechnik belegen. (SP-X)






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