14. April 2008

Fahrbericht Ford Kuga 2.0 TDCi Spätes Glück

Später Einsteiger, spätes Glück
Später Einsteiger, spätes Glück © Foto: AG/Flehmer

Ford will sich ein Stück vom stetig wachsenden SUV-Segment abschneiden. Der Kuga wirft pünktlich zur Volljährigkeit des Ur-SUVs RAV4 Toyota den Fehdehandschuh zu.




Von Thomas Flehmer

Der Markt ist eigentlich schon aufgeteilt. BMW und Toyota führen mit dem X3 und dem RAV4 das Segment an, der im letzten Jahr eingeführte VW Tiguan rollt das Feld von hinten auf. Noch später als VW will sich nun auch Ford am stetig wachsenden SUV-Segment ein Stück vom Kuchen abschneiden. Bei den ersten Testfahrten unterstrich der mit dem Kunstnamen ausstaffierte Stadt-Geländewagen Kuga, dass er in der Lage ist, sich seinen Anteil in diesem Wachstums-Segment zu sichern. Auf jeden Fall wird er mit seine Performance in der Lage sein, sich ein größeres Stück am Kuchen zu sichern als Opel mit dem Antara, mit dem man die Segmentführerschaft hatte übernehmen wollen - damit aber gescheitert ist.


60 Prozent Neukunden

Für den am 7. Juni erstmals erhältlichen Kuga, der sich das Baukastensystem mit dem Focus und C-Max teil und im saarländischen Werk Saarlouis produziert wird, sollen sich in diesem Jahr rund 6500 Kunden finden, mindestens doppelt so viele Interessenten sollen ein Jahr später einen Kaufvertrag unterschreiben. Ford setzt dabei auf den späten Start. «Wir erwarten 60 Prozent Neukunden, die zuvor einen japanischen SUV gefahren sind, oder den Kombi-Charme ablegen möchten», sagt Jürgen Stackmann, Geschäftsführer von Ford Deutschland.

Zwar fehlte den Ingenieuren der letzte Mut, die vor zwei Jahren vorgestellte aufregende Studie Iosis X eins zu eins in die Tat umzusetzen. Besonders im Heckbereich schwenkten die Designer auf eine eher konventionelle Linie um. Doch auch so präsentiert sich der in das Ford Kinetic Design eingebettete Kuga äußerst attraktiv. Die X-förmig verlaufende Frontlinie, die von zwei großen Schweinwerfern umrahmt wird, vermittelt Dynamik und Robustheit zugleich. Die ansteigende Seitenlinie unterstreicht den Anspruch auf Sportlichkeit.

Pfiffige Heckklappe in der Heckklappe

Großer Kofferraum
Großer Kofferraum © Foto: Ford

Dagegen passt der angedeutete Heckdiffusor mit den beiden Endrohren, der beim Heck besonders hervorsticht, nicht ganz ins Bild, sondern wirkt eher protzig, fast schon prollig. Aber das ist natürlich Ansichtssache. Tatsache ist aber, dass der allgewaltige Diffusor den kleinen Dachspoiler nicht zur Geltung kommen lässt. Als pfiffig erweist sich die Heckklappe in der Heckklappe. Ford hat nicht nur die Glasscheibe zu einer zweiten Eingriffsmöglichkeit umfunktioniert, sondern hat diesen Teil um ein Stück Blech erweitert, sodass man auch bei größeren Gegenständen nicht die eigentliche Heckklappe zu öffnen braucht, um den 360 Liter großen Kofferraum zu befüllen.

Natürlich ist der Kofferraum auf 1405 Liter erweiterbar, das geht dann allerdings zu Lasten der Passagiere, für die normalerweise aufgrund des Radstandes von 2,69 Meter genügend Platz vorhanden ist. In der hinteren Reihe ist genügend Raum für Beine und Köpfe, man sitzt bequem, die Sitzfläche hätte vielleicht noch einen Tacken länger sein können. Sind getönte Seitenscheiben geordert worden, geht es besonders im Fond sehr dunkel zu. Das optional erhältliche Panoramadach könnte Abhilfe schaffen.

Sehr straffes Fahrwerk

Attraktive Seitenlinie
Attraktive Seitenlinie © Foto: Ford

Auch Fahrer und Beifahrer würden davon noch profitieren. Ansonsten geht es im vorderen Bereich sehr geordnet zu. Die Instrumente sind gut ablesbar, die Materialien wirken sehr wertig. Eine gute Idee sind die Stoffbezüge an beiden Fahrertüren auf Höhe der Fensterkante, auf denen bequem der Ellenbogen untergebracht werden kann.

Ebenso bequem sitzt es sich in erhöhter Position. Die Sitze geben einen guten Seitenhalt, auch wenn der Wagen in Kurven wankt. Hier ist BMW weiter, aber die Münchner haben ihre SUVs preislich auch in einer anderen Liga angesiedelt. Auch können die Sitze nicht die Unebenheiten der Straße ganz abfangen, da das Fahrwerk sehr, sehr straff ist. Im Verbund mit der sehr direkten Lenkung ist der Kontakt zum Asphalt stets gegeben. Es entsteht das Gefühl, dass jederzeit der Weg ins Gelände offen stehen würde.

Nur ein Motor

Praktibler Innenraum
Praktibler Innenraum © Foto: Ford

Den nehmen aber nur rund fünf Prozent der Kuga-Fahrer, der klägliche Rest begnügt sich mit der Fahrt auf zivilisierten Pfaden. Lediglich einen Motor stellt Ford dafür zur Verfügung, ein Benziner mit 200 PS soll Ende des Jahres folgen. Der aus dem Focus bekannte 2.0 Duratorq TDCi mit 100 kW/136 PS passt hervorragend zum Kuga. Der Fahrkomfort ist angenehm, der Motor ausgesprochen leise, die Kraft reicht vollkommen aus, die Schaltung funktioniert ohne Probleme.

320 Nm Drehmoment bei 2000 U/min sorgen für einen schnellen Vortrieb, in 10,6 Sekunden sind die 100 km/h erreicht. Die von Ford angegebene Höchstgeschwindigkeit von 182 km/h wurde leicht erreicht. Dagegen konnte der Bordcomputer die angegebenen 6,4 Liter Diesel für den Allradler nicht bestätigen. Gute neun Liter zeigte das Display bei zugegeben sehr zügiger Fahrweise an.

Zwei Ausstattungslinien

Mit 26.500 Euro steht der Kuga als Fronttriebler mit dem Tiguan auf einem Niveau, das Allradmodell, für das sich rund 70 Prozent entscheiden, kostet 2000 Euro mehr. Sehr übersichtlich gestaltet Ford die Ausstattungslinien. Mit Trend und Titanium gibt es lediglich zwei Varianten. Der Top-Kuga würde dann 30.500 Euro kosten, Panoramadach oder die ab Herbst erhältliche Rückfahrkamera nicht inbegriffen.

Auf noch mehr Freude müssen die Offroad-Freunde länger warten. Zwar will Ford demnächst ein Doppelkupplungsgetriebe anbieten, doch werden zunächst andere Modelle der Marke bedient. Doch das sich das Warten lohnen kann, hat der Kuga bestätigen können.






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