28. Mai 2006

Fahrbericht Ford Fusion Plus: Fiesta mit Schlag

Der Ford Fusion Plus
Der Ford Fusion Plus © Foto: Werk

Volkswagen hauchte dem Golf in der Plus-Version mehr Platz und Variabilität ein. Ford setzte bereits im Jahre 2002 eine Klasse tiefer an und gönnte dem Fusion das gewisse etwas mehr.




Von Stefan Zaumseil

Optisch unterscheidet sich der Ford Fusion deutlich von seinem kleineren Bruder Fiesta. Er spielt durch üppige Stoßfänger, ausgestellte Kotflügel und die hohe Dachlinie sogar mit einem Offroad-Image. Wer mehr will als einen Fusion, gönnt sich die Plus-Version, die betont im Lifestyle-Segment punkten soll. Doch in welcher Liga spielt der Fusion überhaupt? Mit einer Länge von 4,02 Meter und 1,49 Meter Höhe ist er für einen Kleinwagen zu groß und für einen Kombi zu klein. Dabei gelang es durchaus den Fusion eigenständig zu präsentieren und ihm das Klischee eines aufgepumpten Fiestas zu ersparen.


Praktisch und stabil

Jedoch kommt beim ersten Blick in den Innenraum Ernüchterung auf - es erwartet einen das gleiche lieblos wirkende Armaturenbrett aus schwarzem Plastik wie im Fiesta. Das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Der Fusion Plus bietet deutlich mehr Platz als sein kleiner Bruder, alles ist familientauglich ausgerichtet - nicht luxuriös, aber praktisch, stabil und sehr ordentlich verarbeitet.

Der Fusion Plus bietet genug Raum für fünf Personen, die Sitze bieten ausreichend Bequemlichkeit auch auf längeren Strecken. Allein der Seitenhalt kommt zu kurz. Außerdem bleibt noch ausreichend viel Platz für das Familiengepäck. 337 Liter Kofferraumvolumen sind nicht eben viel, jedoch lässt sich der Laderaum durch Umlegen der im Verhältnis 60:40 teilbaren Rücksitzbank auf 1.175 Liter vergrößern - von einer ebenen Ladefläche ist man dann jedoch ein paar Zentimeter entfernt.

Niedrige Ladekante

Innenraum wie im Fiesta
Innenraum wie im Fiesta © Foto: Werk

Pluspunkte erntet der Fusion Plus für die sehr weit nach oben öffnende Kofferraumklappe und die außergewöhnlich niedrige Ladekante von gerade einmal 48 Zentimetern. Die Durchladebreite von 99 Zentimetern und maximale Ladetiefe von 2,30 Meter sind ebenfalls beachtlich; das Herausnehmen der Kofferraumabdeckung ist dagegen kompliziert und mühsam.

Der Fusion Plus setzt sich durch eine deutlich verbesserte Serienausstattung von seinem kleinen Bruder ab. Das serienmäßige Aerodynamik-Paket mit Kühlergrill im Aluminium-Dekor, sportlichen Seiten- und Heckschürzen, Alufelgen, dunkel getönten Heck- und Seitenscheiben und Nebelscheinwerfern steht ihm gut. Drehzahlmesser, Bordcomputer, Regensensor, Scheinwerfer-Assistent mit Tag-/Nacht-Sensor, Lederlenkrad, Lederschaltknauf, Zentralverriegelung mit Fernbedienung und Scheinwerfer mit «Begrüßungsfunktion» gehören ebenfalls zur Serienausstattung des Fusion Plus.

Lifestyle-Ambiente inklusive

Reichlich Platz im Innenraum
Reichlich Platz im Innenraum © Foto: Werk

Eine Multifunktionsbox für den mittleren Fondsitz, ein Staufach unter dem Beifahrersitz und eine Arbeitsfläche auf der Rückenlehne des Beifahrersitzes vervollständigen die Ausstattung und sollen das Lifestyle-Ambiente unterstützen. Was jedoch die Herzen aller Kinder höher schlagen lässt, ist ein DVD-Entertainment-System mit Flachbildschirm und zwei Infrarot-Kopfhörern im Dachhimmel für 1.575 Euro Aufpreis - bekanntlich ein Segen auf längeren Fahrten in den Urlaub.

Die Multifunktionsbox verwandelt den dreisitzigen Fond in ein zweisitziges Layout mit mehr Funktionalität und zusätzlichem Stauvolumen von fast elf Litern. Im geschlossenen Zustand dient die als Armauflage mit zwei Dosenhaltern, nach dem Ausbau lässt sich die Multifunktionsbox in einer speziellen Tasche aufbewahren und lässt sich leider nicht spurlos wegklappen.

Kleiner Tank, hoher Verbrauch

Die hohe Sitzposition der Insassen gewährt ausgezeichnete Sicht in alle Richtungen, das hochbeinige Fahrwerk sorgt auch abseits befestigter Landstraßen für Fahrspaß, obwohl der Fusion Plus keinesfalls in Richtung SUV strebt. Der 1.6-Liter-Duratec-Motor mit 74 kW / 100 PS und 146 Nm Drehmoment ist aus anderen Modellen, wie dem Focus als durchaus drehfreudig bekannt.

Leider verpufft die Spritzigkeit des Motors in der trägen und allzu betagten Vierstufenautomatik - von Null auf Tempo 100 in 13,1 Sekunden ist alles andere als zeitgemäß. Auch die Endgeschwindigkeit von 176 km/h ist recht dürftig. Jedoch verzichtet der reisende Familienvater sicher gerne auf Vollgasorgien, da die Motoren- und Windgeräusche jenseits von Tempo 130 eine Unterhaltung mit dem Rest der Familie deutlich erschweren. Auch der Verbrauch von über neun Litern Superbenzin auf 100 Kilometern ist der ruppigen Automatik geschuldet und wirklich nicht Stand der Technik. Dazu kommt der mit 45 Litern zu knapp bemessene Tank.

Müde Automatik

Das Fahrwerk des Ford Fusion Plus zeigt seine Verwandtschaft zu Focus und Mondeo deutlich und ist ebenso wie bei den großen Brüdern gelungen abgestimmt. Es schluckt die meisten Bodenwellen ohne Probleme und bleibt auch bei schneller Kurvenfahrt gutmütig. Außer groben Querfugen bringt den Fusion kaum etwas aus der Fassung, die Servolenkung arbeitet leichtgängig und exakt, nur für die Bremsen wünscht man sich etwas mehr Biss. Die Sicherheitsausstattung des frontgetriebenen Ford Fusion Plus beinhaltet unter anderem ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer sowie ISOFIX-Kindersitzbefestigungen hinten.

Der Ford Fusion Plus 1.6 Automatik ist ab 17.175 Euro zu haben. Wer auf die recht müde Automatik verzichtet, kann die 1.125 Euro Ersparnis in Kopf-Schulterairbags vorn und hinten (250 Euro), eine beheizbare Frontscheibe (205 Euro), ein Schiebe-/Hubdach aus getöntem Sicherheitsglas (530 Euro) oder in eine Bluetooth-Mobiltelefon-Vorbereitung (290 Euro) investieren. Warum die Klimaautomatik 295 Euro Aufpreis kostet, jedoch dunkel getönte Heck- und Seitenscheiben serienmäßig sind, bleibt unverständlich. Moderat dagegen die 170 Euro Aufpreis für beheizbare Vordersitze.






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