18. Dezember 2008

Fahrbericht Praxistest Ford Focus ST Star ohne Namen

Der Ford Focus ST mit 225 PS
Der Ford Focus ST mit 225 PS © Foto: Ford

Hätte er doch nur einen anderen Namen - und diese drei charismatischen Buchstaben «GTI» - die kompakte Automobilwelt würde sich tief vor ihm verneigen. So ist der Ford Focus ST eine Versuchung ohne Charisma.




Von Stefan Grundhoff

Der alles überstrahlende Widersacher heißt Golf GTI und kommt aus Wolfsburg. Bei allem und jedem werden die Kölner Sportversionen an den Vorgängen aus Niedersachsen gemessen. Einst hießen sie Escort RS, dann XR3 und XR3i und schließlich ST. Nicht wirklich einfallsreich und nicht wirklich einprägsam. Eine durchgängige Modellbezeichnung mit Tradition würde einem wie dem Focus ST helfen, Käufer zu locken. Denn dass der Focus - egal ob ST oder nicht - einer der besten kompakten Sportler ist, weiß in diesen Kundenkreisen jeder. 225 PS Leistung, ein exzellentes Fahrwerk, die präzise Lenkung und bissige Bremsen. Die Handschaltung ist stimmig, der Sound Dank Membran im Turbolader eine wahre Wonne - das ist der Focus ST.


Fünfzylinder von Volvo

Weil Ford allein kein modernes und kraftvolles Vierzylinder-Triebwerk in der Hinterhand hatte, bediente man sich bei Premium-Schwester Volvo und dem dortigen Fünfzylinder mit Turboaufladung. 2,5 Liter Hubraum, fünf Zylinder und Aufladung - das kann sich gerade im Vergleich zu der potenten Konkurrenz von Opel, Volkswagen, Audi und selbst BMW hören lassen. Dass der Fünfzylinder schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, spürt man spätestens an der Zapfsäule und sieht es bei einem Blick auf die Konstruktion. Turbo - ja - Direkteinspritzung - nein - das ist eine alte Nummer. Die ledernen Sportsitze aus dem Hause Recaro hingegen passen vorzüglich und das Steuer ist griffig.

Gefälliges Navigationssystem

Der Ford Focus ST mit 240 km/h in der Spitze
Der Ford Focus ST mit 240 km/h in der Spitze © Foto: Ford

Auch bei den Instrumenten ist der Focus ST übersichtlich und praktisch, dabei aber alles andere als charismatisch oder gar hochwertig. Hier spielen VW Golf oder gar Audi A3 und BMW 1er in einer anderen Liga. Gefallen kann das problemlos zu bedienende Navigationssystem, das einem sicher den Weg zu jedem Ziel zeigt, jedoch fast 3.000 Euro Aufpreis kostet. Die Bildschirmdarstellung ist jedoch ähnlich betagt wie die Radiobedienung am unförmigen Lenkstockhebel. Sportlicher Kompakter oder potenter GTI-Jäger - das Platzangebot im Ford Focus ST ist gerade als Fünftürer ordentlich. Zwar büßt der Kölner durch die praktischen Einstiege im Fond optisch etwas von seiner Sportlichkeit ein; doch so gelangt man deutlich einfacher in die zweite Reihe als über die nach vorne klappenden Sportsitze des Dreitürers. Das Laderaumvolumen liegt zwischen 385 und 1.258 Litern.

Hinter dem Turboloch

Verbrauch laut Hersteller 9,3 Liter
Verbrauch laut Hersteller 9,3 Liter © Foto: Ford

Hat man das Turboloch erst einmal überwunden, geht der Focus ST bullig und kraftvoll zur Sache. Das Steuer sollte man gerade im Grenzbereich fest in den Händen halten, denn der 1,3 Tonnen schwere Fronttriebler scharrt bisweilen überaus bissig mit den Hufen. Zumindest als Option wäre ein Allradantrieb eine tolle Sache, doch den behalten die Kölner Ingenieure selbst dem Über-Focus namens RS vor - und der hat 300 PS, die an der Vorderachse zerren. Bei aller Sportlichkeit und trotz der obligatorischen 18-Zöller wirkt der ST bei allem Tatendrang nie hart oder allzu ruppig. Stramm bis straff geht es fraglose zu - doch hart sind andere.

Vergnügungssteuer

Sportliche Recaro-Sitze
Sportliche Recaro-Sitze © Foto: Press-Inform

165 kW / 225 PS und 320 Nm maximales Drehmoment sorgen für die Einführung einer temporären Vergnügungssteuer. Von 0 auf 100 km/h prescht der 4,38 Meter lange Bulle vom Rhein in 6,8 Sekunden. Über 240 km/h Spitze reichen, um auf der Autobahn zwischen Köln und Mannheim mächtig Eindruck zu schinden. Gerade in der optionalen (1.230 Euro Aufpreis) und höchst kurzlebigen Trendfarbe „electric orange metallic“ hat der Focus ST jede Menge Überholimage und einen üppigen Durst. 9,3 Liter Super pro 100 Kilometern Werksangabe - davon kann man nur auf der Landstraße träumen. Bei einer gesunden Mischung aus Stadt, Land und Autobahn ist unter elf Litern nichts zu machen. Im Praxistest knackte der winterbereifte Focus ST sogar deutlich die 12-Liter-Marke.

Fairer Preis

Das ganze gibt es zu einem fairen Preis - vorausgesetzt man verzichtet auf die zumeist obligatorischen und standesgemäßen Extras wie Xenonlicht (910 Euro), Leder-Recaro-Sportsitze (ab 2.000 Euro), Klimaautomatik (405 Euro) und Navigationssystem (2.855 Euro). Wer all dies oder noch mehr in seinen GTI-Jäger packen will, knackt den Einstiegspreis von 25.750 Euro deutlich und pirscht sich an die 30.000-Euro-Grenze heran. Denn serienmäßig sind gerade einmal ESP, Airbags, manuelle Klimaanlage, elektrische Spiegel, Stoffsitze und 18-Zöller.






Mehr zur Marke Ford

Achte Generation des KleinwagensFord preist Fiesta neu ein

Ford stellt ab Juli den neuen Fiesta ins Schaufenster. Die Basisvariante ist dabei geringfügig teurer geworden, dagegen geht es bei den stärker motorisierten Varianten zum Teil günstiger zu.


Fragen an den Autopapst im März 2017

Probleme mit dem Auto? Der Motor springt nicht an? Sie wissen nicht mehr weiter? Kein Problem! Autopapst Andreas Kessler hilft Ihnen weiter. Heute geht es um einen Ford Fiesta.


Kleinwagen mit 200 PSFord Fiesta ST: Warten auf die Rennsemmel

Auf dem Autosalon in Genf enthüllt Ford den Sportler der neuen Fiesta-Generation. Doch bis die kleine Rennsemmel auf den Straßen zu sehen ist, wird erst einmal noch Weihnachten gefeiert.



Mehr aus dem Ressort

Kombi mit sauberem DieselMercedes E-Klasse T-Modell: Dezent auffällig

Das T-Modell der Mercedes E-Klasse vereint die richtige Mischung aus elegantem und sportivem Design in sich. Auch beim Antrieb findet der zum Teil autonom fahrende 220 d den richtigen Grat zwischen Basis- und Topmodell.


Dacia hat dem Sandero viel Wertigkeit zukommen lassen
Kleinwagen mit sparsamen DieselDacia Sandero dCi 90: Revolution mit Komfort

Dacia bietet in jedem Segment das günstigste Modell an. Trotz des völlig ausreichenden Purismus hat die Renault-Tochter dem Bestseller Sandero mehr Komfort zukommen lassen.


BMW X4 neu Aufmacher AG/Mertens
SUV-Coupé mit 190 PSBMW X4: Herrlich polarisierend

Braucht man SUV-Coupés wirklich? Klar, diese Frage stellen wir uns mit Blick auf den BMW X4 auch. Doch lässt man das Geschmäcklerische mal außen vor, dann kann man diesem Auto nach etlichen Testkilometern doch einiges Positives abgewinnen.