6. Juli 2009

Fahrbericht Ford Focus RS Und ewig lockt das Gaspedal

Der Ford Focus RS
Der Ford Focus RS © Foto: AG/Flehmer

Der Ford Focus ist dank seiner 305 PS der König der sportlichen Kompaktklasse. Neben seinem nicht unbedingten dezenten Auftritt verführt der stärkste europäische Serien-Ford aller Zeiten kontinuierlich zur Unvernunft.




Von Thomas Flehmer

Eigentlich ist es eine Frage des Alters, ob man in dieses Auto einsteigt oder nicht. Giftgrüne Farbe, ein riesiges Kühlermaul und ein dicker Heckspoiler rücken den Ford Focus RS ins Rampenlicht des Straßenverkehrs. Es ist unmöglich, dieses automobile Monster zu übersehen und spornt besonders junge Leute an, einen Blick auf den derzeit stärksten Vertreter in der sportlichen Kompaktklasse zu werfen.


In knapp sechs Sekunden auf Tempo 100

Anders als beim im Vergleich völlig dezenten Golf GTI hat der kompakte Bolide aus Köln keine Schwierigkeiten zu zeigen, was in ihm steckt. 305 PS und damit knapp 100 Pferdestärken mehr als der Spitzenreiter aus Wolfsburg rücken den 33.900 Euro teuren Focus RS eher in Richtung Porsche. Hier bleibt der Schuster nicht bei seinen Leisten, auch wenn der Sound noch etwas kerniger hätte ausfallen können.

Und auch die Kraftentfaltung wirkt nicht nur auf die Insassen beeindruckend. Innerhalb von 5,9 Sekunden ist der RS auf Tempo 100 km/h und drückt Fahrer und Beifahrer in die Sportsitze. Auf der Autobahn tätowiert jede Bodenunebenheit aufgrund des sehr harten Fahrwerks ihren Abdruck in das verlängerte Rückgrat ein. Den eingebauten CD-Player kann man sich sparen, da ein normales Abspielen auf schlechtem Untergrund einfach nicht möglich ist.

Zerren an der Vorderachse

Der Innenraum mutiert angesichts der Leistung zur Nebensache
Der Innenraum mutiert angesichts der Leistung zur Nebensache © Foto: Ford

Die 305 PS zerren an der Vorderachse und verlangen dem Fahrer vieles ab. Hier bedeutet schnelles Fahren noch richtige Arbeit, da der Fahrer das Lenkrad stets und fest im Griff haben muss, um das Rennen mit den Motorrädern, die sich durch den monströsen Auftritt des RS in ihrem Kampf um die Macht auf der rechten Spur eingeschränkt sehen, auch bestehen zu können.

Das klingt sehr unvernünftig und ist es auch, doch der RS fordert es heraus. Schon beim sensiblen Niedertreten des Gaspedals fühlt man die Kraft des Fünfzylinders, der förmlich nach mehr Speed schreit.

Folter auf der freien Autobahn

Speed pur mit dem Serien-Sportler
Speed pur mit dem Serien-Sportler © Foto: Ford

So grenzt auch die Fahrt zur Ermittlung des Durchschnittsverbrauchs auf der leeren Autobahn ohne Tempolimit an Folter. Anstatt die Höchstgrenzen von 263 km/h auszutesten, muss sehr diszipliniert ein Tempo zwischen 120 und 140 km/h eingehalten werden. 11,5 Liter stehen am Ende der 100 Kilometer. Es könnten weniger sein, da das eigentlich vorgeschriebene Tempo nicht immer eingehalten werden konnte.

Allerdings sind diese 11,5 Liter kein realistischer Wert, da wohl jeder Besitzer eines RS die freie Strecke zum Aufposen nutzen wird. Und dann kommt einem die nach oben offene Richterskala in den Sinn, wenn der im Bordcomputer angegebene Verbrauch in Richtung 16 zieht.

Auch im Alltag zweckmäßig

Voll Nürburgring-tauglich
Voll Nürburgring-tauglich © Foto: Ford

Doch nicht die Fahrt in Richtung Höchstgeschwindigkeit macht den Spaß beim sportlichen Focus aus. Die Landstraße ist das Terrain des Focus RS. Hier kann sich der Sportler dank seines exzellenten Fahrwerkes in die Kurven legen, auch wenn das ESP-Zeichen manchmal dem Drang Einhalt gebietet.

Einen natürlichen Einhalt erhält die Rennsemmel, wenn man den RS als Einsatzfahrzeug im Alltag benutzt. Schließlich sollen die Einkäufe nicht im Kofferraum herumfliegen und auch die Ehegattin ist nicht gerade erfreut, wenn sie bei flotter Kurvenfahrt an die Tür gedrängt wird - der Focus RS ist auch dann eine Frage des Alters.






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