3. März 2009

Fahrbericht Ford Focus RS Kraftpaket mit Hinguck-Faktor

Der neue Ford Focus RS
Der neue Ford Focus RS © Foto: Ford

Ford bietet dem Platzhirschen Golf GTI Paroli. Der Focus RS macht nicht nur mit seinem dicken Dachspoiler mächtig Eindruck, ist aber mehr als nur eine Krawallkiste.




Alles andere als dezent setzt sich der Ford Focus RS ab März an die Spitze der kompakten Kraftpakete: Mit dickem Dachspoiler und einer Leistung von 224 kW/305 PS lässt er optisch und fahrdynamisch VW Golf GTI und Co. alt aussehen. Die Preisliste hingegen startet bei vergleichsweise günstigen 33.900 Euro.


Am Rennwagen orientiert

Optisch orientiert sich der 4,40 Meter lange Kompaktsportler am Ford Focus RC-Rennwagen. Mit tiefer Frontschürze, riesigem Lufteinlass, muskulösen Radhäusern und zweiteiligem Heckflügel über einem gewaltigem Diffusor zieht er auf ersten Testkilometern in den französischen Seealpen zahlreiche Blicke auf sich. Das extreme Aussehen ist dabei aber nicht
Selbstzweck: Spoiler und Diffusor verhindern, dass der schnelle Fronttriebler abhebt, und der große Kühler lässt den turbogeladenen Fünfzylindermotor atmen.

Technisch basiert der ausschließlich in den Farben Weiß, Grün und Blau erhältliche Dreitürer auf dem Focus ST, dem bis dato sportlichsten Modell der Focus-Reihe. Dessen aufgeladener 2,5-Liter-Fünfzylinder-Ottomotor wurde bis ins Detail überarbeitet, seine Leistung um fünfunddreißig Prozent und das Drehmoment sogar um achtunddreißig Prozent gesteigert. Ergebnis: Der Dreitürer sprintet in nur 5,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und wird bis zu
263 km/h schnell. Das Mehr an Kraft resultiert unter anderem aus optimierten Kolben, speziellen Nockenwellen, einem größeren Turbolader sowie einem neuen, strömungsoptimierten Ansaugtrakt.

Auch im Stadtverkehr kultiviert

Besonders der Dachspoiler vermittelt Potenz
Besonders der Dachspoiler vermittelt Potenz © Foto: Ford

Das immense Drehmoment von 440 Newtonmeter fällt ausschließlich über die Vorderräder her. Um es über das knackig-kurze Sechsgangschaltgetriebe sicher auf die Straße zu bringen, wird die Vorderachse von einem speziell entwickelten Sperrdifferential unterstützt. Eine neu entwickelte Vorderradaufhängung und die um 40 Millimeter verbreiterte Spur helfen, die Antriebseinflüsse in der Lenkung in erträglichen Grenzen zu halten. Mit Reifen im Format 235/35 R19 liegt das rund 1,4 Tonnen schwere Kraftpaket mit seiner um fünfzehn Prozent härter ausgelegten Federrate als im ST auch in schnell durchfahrenen Kehren satt auf der Straße. Dabei leitet ein spezielles Motorsound-Design Rennsportfeeling direkt in den Innenraum.

Obwohl er nach Geschwindigkeit und Kurven geradezu giert, zeigt sich der Viersitzer beim langsamen Gleiten oder im Stadtverkehr erstaunlich kultiviert und zivil. Bei angemessener Fahrweise soll er sich mit 9,4 Litern Super auf 100 Kilometern begnügen, in der Praxis wird aber wohl keiner der Käufer diesen Wert auch nur streifen.

Mehr als eine Krawallkiste

Sportliches Ambiente auch im Innenraum
Sportliches Ambiente auch im Innenraum © Foto: Ford

Innen unterstreichen Recaro-Sportsitze mit sehr gutem Seitenhalt, Aluminium-Pedale, drei dem Fahrer zugeneigte Zusatzinstrumente mit Informationen zu Turboladedruck, Öldruck und -temperatur sowie die Mittelkonsole in Carbon-Optik das sportliche Ambiente. Sechs Airbags und ein neu abgestimmtes, spät eingreifendes ESP sind ebenso serienmäßig wie Bi-Xenon-Scheinwerfer, Klimaautomatik, Regensensor und eine MP3-fähige Audio-Anlage.

Eigentlich müsste ein frontgetriebener Kompaktwagen mit mehr als 300 PS vor lauter Kraft nicht mehr fahren können. Der Über-Focus aber kann es und ist daher mehr als eine reine Krawallkiste. Auch wenn die Optik Geschmackssache bleibt: In dieser Leistungsliga ist der giftige Kölner ein absolutes Schnäppchen mit seinen 33.900 Euro. (mid)






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