6. Dezember 2011

Fahrbericht Mit Autogas Der Ford Fiesta LPG: Zunächst eine Rechenaufgabe

Nur der Schriftzug LPG am Heck unterscheidet die Autogasversion
Nur der Schriftzug LPG am Heck unterscheidet die Autogasversion © Ford

Der Ford Fiesta LPG mit einer Autogasanlage ab Werk ist deutlich teurer als die bloße Benzinvariante des Modells. Aber er lohnt sich schon nach kurzer Zeit zeigt der Kostenvergleich.




Von Martin Woldt

Rechnen sollte man vor jedem Autokauf. Aber bei der Anschaffung eines Fahrzeuges mit zusätzlicher Autogasanlage ist es geradezu geboten. Denn beispielsweise unser Testauto der Ford Fiesta 1.4 LPG ist 1.990 Euro teurer als die mit 14.400 Euroveranschlagte, gleichstarke, ausschließlich für den Benzinbetrieb geeignete Variante des Kleinwagens. Soll heißen: Allein der Umstand, dass sich die Reichweite durch den zusätzlichen Gastank in der Reserveradmulde um 450 Kilometer verlängert, ist kein triftiger Grund für die Mehrausgabe.


Tanken für 26 Euro

Der Autogas-Interessent will zu allererst eins: Sparen! Und da macht ihm der Fiesta LPG eigentlich von Anfang an Freunde. Den 34-Liter-Gastank für summa summarum 26 Euro aufzufüllen, beschwert den Gang zur Kasse längst nicht so wie jene 45 Liter, die der Benzinbunker fasst. Und man ärgert sich auch weniger über abenteuerliche Preisschwankungen an den Zapfsäulen. Noch bis 2018 ist Autogas steuerlich begünstigt. Schwankten die Benzinpreise Ende Oktober in unserem Berliner Testgebiet um bis zu 11 Cent pro Liter, lag die Spanne bei Autogas nur bei fünf Cent. Man hatte seltener das Gefühl, wiedermal zum falschen Zeitpunkt an Zapfsäule zu sein.

Armortisation nach drei Jahren

Grundsolides Fahrwerk
Grundsolides Fahrwerk © Ford

Aber den eigentlichen Spareffekt muss man wirklich errechnen. Nur so lässt sich klären, ob man an der Tankstelle reinholt, was bei der Anschaffung draufgezahlt wurde. Legt man einen E10-Spritpreis von 1,50 Euro und eine Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometer zugrunde, kann man im Normverbrauch des Fiesta (5,8 Liter pro 100 Kilometer) jährliche Kraftstoffkosten von 1.305 Euro erwarten. Dieselbe Strecke nur mit Autogas gefahren, betragen die Ausgaben lediglich 783 Euro. Bedeutet: Man muss seinen Fiesta LPG etwas mehr als dreieinhalb Jahre nutzen, um den verteuerten Anschaffungspreis aufzuwiegen.

Aber der Normverbrauch ist ja bekanntlich nicht die Alltagswahrheit. Veranschlagt man stattdessen etwa 7 Liter auf 100 Kilometern, stehen jährliche Kraftstoffkosten von 1575 Euro (E10) 945 Euro (Autogas) gegenüber. Die Amortisation erfolgt ein dreiviertel Jahr früher. Dann spart man eher. Obwohl das Online-Portal Greenmotorsblog.de errechnet hat, dass die LPG-Variante mit Blick auf die Gesamtkosten vom ersten Tag an besser abschneidet als der Benziner. Berücksichtigt man nämlich auch die Versicherungsprämien, Betriebs-, Fest- und Wertverlustausgaben muss man für einen normalen Fiesta 411 Euro, für die Autogasversion nur 394 Euro im Monat einkalkulieren.

Über 6.000 Tankstellen

Autogasanzeige in der Mittelkonsole
Autogasanzeige in der Mittelkonsole © Ford

Inzwischen gibt es nach Branchenangaben über 6.200 Autogastankstellen in Deutschland. Klingt viel, geht aber nicht überall ohne Sucherei ab. Wer ganz ohne Benzinbetrieb auskommen will, sollte vorher im Internet seinen Kurs planen. Man findet inzwischen fast immer eine LPG-Säule, aber längst nicht an jeder Markentankstelle. Die Betankung selbst ist nicht kompliziert. Allerdings empfiehlt sich zum An- und Abschrauben des jeweiligen Tankstutzens Handschuhe zu tragen. Haftet der Geruch des beim Entspannen der Schlauchverbindung entwichenen Gases doch noch einige Zeit auf der Haut.

Kaum Fahrunterschiede

Gastank in der Reserveradmulde
Gastank in der Reserveradmulde © Ford

Nicht an allen Säulen funktionierte die Arretierung des Druckbügels an der Zapfpistole. Dadurch wird man zu einer akrobatischen Leistung gezwungen: Mit der einen Hand den Druckbügel gespannt halten und gleichzeitig mit der anderen an der Säule während der gesamten Füllzeit Daumendruck auf den Startknopf auszuüben. Manchmal aber hilft nur die Flügelspanne eines Condors. Dann nämlich, wenn man sein Auto mit dem Einfüllstutzen auf der säulenabgewandten Seite in Position gebracht hat. Was anfangs mitunter passiert, weil der Fiesta seinen Tankdeckel auf der eher unüblichen Fahrerseite hat.

Das Fahren mit der LPG-Version ist nicht anders als im in jedem anderen Fiesta auch. Als Kleinwagen besitzt er ein bemerkenswert gut abgestimmtes Fahrwerk und eine tadellos ansprechende Lenkung. Sie lässt nur insofern Wünsche offen, weil man die Lenksäule nicht zu sich heranziehen kann. Die Rundumsicht ist so bescheiden wie der Knieraum vor der Rückbank. Mit der Entscheidung für einen Autogas-Fiesta verzichtet man wegen des Gastanks auf ein Reserverad. Außerdem auf die Möglichkeit, das Auto mit Automatikgetriebe und Anhängervorrichtung zu ordern.






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