8. Januar 2009

Fahrbericht Ford F-650 Super Duty Tanken für 500 Euro

Der Ford F-650 Super Duty fasst 400 Liter Diesel
Der Ford F-650 Super Duty fasst 400 Liter Diesel © Foto: press-inform

Er ist beinahe so groß wie ein Sattelschlepper und treibt der Umgebung den Schrecken ins Gesicht. Der beste Freund des gigantischen Ford F-650 Super Duty ist der Tankwart - aber nicht wegen des Verbrauchs.




Von Stefan Grundhoff

Der Auftritt des Ford F-650 in den Straßen einer Großstadt wie München kommt einem sportlichen Großereignis gleich. In Bayerns Metropole, wo sich sonst nach einem Auto niemand ernsthaft umdreht, stehen die Passanten mit offenem Mund und schüttelndem Kopf am Wegesrand. Glücklicherweise sieht man einen Ford F-650 in deutschen Landen nicht alle Tage, sonst müsste man einen Ampelstopp wohl als Demonstration anmelden. Wer aus einem kleinen Sportroadster nach oben Richtung Führerhaus blickt, könnte den F-650 für einen Unimog oder eine Scania-Zugmaschine halten. Dabei ist der 650er derzeit nicht mehr und nicht weniger als der mächtigste Serien-Pick-Up auf dem Weltmarkt.


Fassungsvermögen 400 Liter

Wem ein Hummer H1 zu unbequem ist und eine Stretch-Limousine zu gewöhnlich, der kann sich vielleicht für einen Ford F-650 begeistern und damit seinem Tankwart um die Ecke ein dauerhaftes Lächeln auf die Lippen zaubern.

Dabei ist es weniger der Verbrauch, der sich bei gemächlicher Fahrweise zwischen 15 und 20 Liter einpendelt oder der nach wie vor stramme Dieselpreis, sondern das Fassungsvermögen der beiden verchromten Tanks links und rechts. Sie schlucken zusammen rund 400 Liter Diesel. Wer voll tankt, verabschiedet sich von mehr als 500 Euro auf seinem Kreditkartenkonto.

Erstklassiger Blick auf die Umgebung

Hinterlässt einen spürbaren Eindruck auf der Landstraße
Hinterlässt einen spürbaren Eindruck auf der Landstraße © Foto: press-inform

Aus dem Führerhaus hat man einen erstklassigen Blick in die Umgebung. Wie ein Leuchtturm erhebt sich der F-650 aus dem europäischen Straßenverkehr. Noch höher als das Führerhaus sind nur die beiden High Pipes, die sich in den Himmel recken. Wer das Volant über die Trittstufen der Seitentanks erst einmal erklommen hat, wird sich wundern, wie leicht und locker sich der über fünf Tonnen schwere Koloss im Alltagsbetrieb bewegen lässt.

Wie ein Kapitän der Landstraße sitzt man auf seinem Bock und lässt sich von der automobilen Umgebung herzlich wenig beeinflussen. Größer ist sowieso keiner und die winzigen Range Rover, VW Golf, Kia Sorento oder Mercedes Sprinter im Straßenverkehr um einen herum zaubern einem allenfalls ein hämisches Lächeln auf die Lippen. Im Radio dröhnt Truck Stop und um einen Parkplatz braucht man sich sowieso nicht zu kümmern. Einfach abstellen reicht. Die gewöhnlichen Parklücken sind sowieso zu klein und abschleppen kann einen auch keiner - höchstens umgekehrt.

Breit wie ein Panzer

Motorraum so groß wie ein Smart
Motorraum so groß wie ein Smart © Foto: press-inform

Gerade in der Innenstadt sollte man seinen Blick jedoch nicht von den überdimensionalen Außenspiegeln abwenden. Breit wie ein Panzer nutzt man gut und gerne eineinhalb Fahrbahnen. Die Lenkung des F-650 ist LKW-typisch indirekt und das Schalten übernimmt eine pneumatische Sechsstufen-Automatik aus dem Hause des LKW-Spezialisten Allison, die mit Drucktasten betätigt wird und die Kraft des 6,7 Liter großen Achtzylinders an die Hinterachse leitet.

Ein Blick unter die nach vorne zu klappende Motorhaube von der Größe eines Smart Fortwo zeigt den großvolumigen Cummins-Dieselmotor, der 239 kW / 325 PS und ein mächtiges Drehmoment von 1.000 Nm leistet. Der Sicherheit wegen ist der Ford F-650 bei 125 km/h abgeregelt. Eine Fahrt über den Brenner kann so durchaus zu einem Vergnügen werden. Auf der großen Ladefläche kann man Lebensmittel für eine ganze Wohnsiedlung transportieren.

Ford Ka für die Ladefläche

Einfach gestaltetes Interieur
Einfach gestaltetes Interieur © Foto: press-inform

Alle sprechen von sparsamen Kleinwagen; das Thema Downsizing ist in aller Ingenieurs Munde und Geiz ist nach wie vor für viele Autofahrer geil. Wer sich von der Masse abheben will, ist im Ford F-650 da genau richtig. Zu bekommen ist der Gigant aus Dearborne jedoch nur bei US-Importeuren wie Geigercars in München. Beim Ford-Händler um die Ecke stehen allenfalls der neue Ford Fiesta oder die ersten Modelle des kleinen Ka - beide wären selbst als Anhänger zu klein und würden allenfalls auf der Ladefläche Platz finden.

Fords weltweit begehrte F-Serie, die in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag feierte, wird in Deutschland ebenso wenig angeboten wie Mustang oder Shelby. Der F-150 ist in den USA seit vielen Jahren das erfolgreichste Auto. Wer es eine oder zwei Nummern größer will, gönnt sich einen 250er oder einen 350er mit Doppelkabine und Zwillingsbereifung. Den Übervater F-650 bekommt man selbst im mittleren Westen der USA nicht alle Tage zu sehen.

Symbiose aus Lastesel und Lifestyle-Mobil

Damit die mächtige Symbiose aus Lastesel und Lifestyle-Automobil überhaupt auf den deutschen Straßen unterwegs sein darf, musste er abgelastet werden. Sein zulässiges Gesamtgewicht ist auf 7,5 Tonnen begrenzt; ansonsten sind es knapp 13 Tonnen. US-Spezialist Geigercars kommt mit den Aufträgen kaum nach und hat bereits eine Handvoll der 6,50 Meter langen Mega-Pick-Ups unter die Leute gebracht - zu Preisen ab 100.000 Euro.

«Wir verkaufen jeden Monat mindestens ein Auto», so Firmenchef Karl Geiger, «wir bekommen aus den USA einfach nicht mehr Autos.» Die Kunden, die einen der Super Dutys erstanden haben, können sich im Lastwagen-Cockpit sogar über Annehmlichkeiten wie Klimaanlage, Ledersitze und eine Luftfederung freuen. Und das Soundsystem, in dem sich Truck Stop irgendwie heimisch anhört.






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