5. November 2007

Fahrbericht Amerikanische Reminiszenz

Cadillac CTS
Cadillac CTS © Foto: AG/Flehmer

Cadillac will mit dem CTS in Deutschland den Platzhirschen Konkurrenz bieten. Trotz eines annehmlichen Fahrgefühls wird der Amerikaner seine Liebhaber in Deutschland suchen müssen.




Von Thomas Flehmer

Ein wenig werden Erinnerungen wach. Cadillac, das war doch die Marke der riesigen Automobile in Bonbonfarben mit Heckflossen und der für Europa damals noch unüblichen Automatik-Schaltung, zudem noch an der Lenkradsäule angebracht. Mit dem CTS wollen die Amerikaner diese Reminiszenzen auch im europäischen Raum etwas mehr erweitern. Sicher, die Formen aus den 50er und 60er Jahren sind verschwunden, doch kommt der neue Luxusliner der zweiten Generation sehr imposant daher und ist gleich als Exot erkennbar.


Imposantes Äußeres

Die Ziele sind fast schon vom bulligen Kühlergrill ablesbar. «Wir haben seit 2002 einen historischen Wandel herbeigeführt und uns auf andere Märkte eingestellt», sagt Jim Taylor. Was der Cadillac General Manager nicht sagt, steht trotzdem unausgesprochen im Raum. Hier soll Konkurrenz zur E-Klasse von Mercedes, zum 5er BMW oder zum Audi A6 heranwachsen.

Gewachsen ist der neue CTS in allen Dimensionen. Mit 4,87 Meter ist er 38 Millimeter länger als der Vorgänger, in der Breite hat er 46 Millimeter zugelegt und kommt nun auf 1,84 Meter. Die Höhe wurde um 31 Millimeter auf 1,47 Meter aufgestockt. Genug Platz also, um den Premium-Anspruch zu verkörpern. Unterstrichen wird die Extravaganz durch das Design, das zwar andere Märkte anspricht, aber die amerikanischen Wurzeln nicht verbergen kann. Ein für europäische Verhältnisse übermäßig großer Kühlergrill, der den Abschluss der V-förmig geschnittenen Motorhaube bildet, verschafft ebenso Eindruck wie die eckigen Front- und Heckleuchten, deren Design auch im Dunkeln den Luxusliner als Cadillac erkennen lassen.

Robust, aber nicht derb

Hinten ist es etwas enger
Hinten ist es etwas enger © Foto: AG/Flehmer

Aufgrund seiner Kanten schaut auch die Seitenlinie recht robust aus, ohne sich dabei niveaulos zu präsentieren. So ist auch der Innenraum zwar nicht derb wie ein Dodge oder Jeep, aber auch nicht edel wie eine E-Klasse. Zwar sind die Materialien im Vergleich zum Vorgänger sehr viel höherwertiger, doch der American Way of Life ist auch hier unverkennbar. Zwischen «erlesenen Hölzern», wie Jim Taylor stolz verkündet, gut gepolsterten Sitzen und Leder mit feinen Nähten, macht auch hier sich Plastik breit, wenn auch auf hohem Niveau.

Etwas weniger freundlich geht es auf den hinteren Sitzen zu. Personen unter 1,80 Meter können hier noch bequem sitzen, darüber wird es eng. Nimmt man den Kofferrauminhalt von lediglich 373 Liter hinzu, kann man auch deutlich die Zielgruppe erkennen, die Cadillac anspricht. Der CTS ist eigentlich nur für höchstens zwei Personen gedacht, die der BMW-Mercedes-Audi-Familie entfliehen wollen.

Amerikanische Spielereien

Die Knöpfe des Bordcomputers sind nicht sichtbar
Die Knöpfe des Bordcomputers sind nicht sichtbar © Foto: AG/Flehmer

Sehr amerikanisch schraubt sich das Display aus der Mittelkonsole heraus. Ganz klar, dass die Amis besonders stolz auf den acht Zoll großen Monitor mit einer 40 Gigabyte großen Festplatte sind, auf der neben der Musik auch die gesamte Navigation verwaltet wird.

Dafür müssen die Bedienknöpfe des Bordcomputers sehr umständlich ertastet werden, da sie sich links hinter dem Lenkrad sehr gut versteckt halten.

Sechszylinder mit Normalbenzin

Bulliger Kühlergrill
Bulliger Kühlergrill © Foto: AG/Flehmer

So ist die Einstellung der Benzinverbrauchs-Anzeige sehr umständlich. Diese spuckte auf den ersten Testfahrten mit dem neuen 3,6 Liter V6-Benziner einen Wert von rund 14 Litern aus. Cadillac gibt den Wert mit zwölf Litern für den knapp 1,8 Tonnen schweren Hecktriebler an. Das 229 kW/311 PS-starke Aggregat mit dem starken Drehmoment von 374 Nm, die bei 5200 U/min anliegen, benötigt allerdings nur Normalbenzin. Für einen Sechszylinder recht ungewöhnlich und angesichts der Preisangleichung zwischen Normal und Super fast nicht mehr relevant. Ein Diesel soll 2009 folgen.

Bis dahin muss sich der Kunde mit dem Ottomotor und der Sechsgang-Schaltautomatik begnügen. Diese musste während der Testfahrten relativ viel arbeiten und stellte sich nur langsam auf die jeweiligen Verhältnisse ein. Umso agiler passte sich das Fahrwerk den vorherrschenden Straßenverhältnissen an. Wer nur cruisen möchte, kann auch mit der Automatik genießen, ansonsten empfiehlt sich der Griff zum manuellen Schaltgetriebe.

Attraktiver Einstiegspreis

Imposante Erscheinung
Imposante Erscheinung © Foto: AG/Flehmer

Pluspunkte sammelt der Caddilac über den Preis. «Der CTS ist gut 20 Prozent günstiger als ein 5er BMW», sagt Gerard Jansen, Managing Director von Cadillac Europe. Das muss er auch sein, um überhaupt als Konkurrent wahrgenommen zu werden. Der Vorgänger verkaufte sich in diesem Jahr von Januar bis September laut Kraftfahrtbundesamt ganze 25 Mal! Mit einem Einstiegspreis von 36.290 Euro für den 2.8 V6 in der Basisausstattung «Elegance» kommt der CTS gar als Schnäppchen daher. Die zweite und teurere Variante Sport «Luxury» beginnt bei 39.890 Euro.

Der von uns gefahrene 3.6 V6 in der «Sport Luxury»-Version kostet mit der Automatik 46.490. Das Modell mit Schaltgetriebe ist 2000 Euro billiger. Dieses Geld könnte schon angelegt werden in das angesprochene DVD-System mit Bose 5.1 Surround System (3230 Euro) oder in ein Panoramaglasdach zwischen 2250 und 2820 Euro. Insgesamt ist die Aufpreisliste klein, aber auch nicht unbedingt als günstig anzusehen. Mehr als 25 Kunden wird der neue CTS aber bestimmt anziehen.






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