10. Juli 2007

Fahrbericht Buell XB 12 STT: Individualität ist alles

Die Buell XB 12 STT
Die Buell XB 12 STT © Foto: Buell

Die Buell XB 12 STT ist ein Motorrad mit Ecken und Kanten. Doch wer sich für das Ami-Bike entscheidet, setzt ohnehin auf Individualität - und nimmt einige kleine Schwächen gern in Kauf.




Von Frank Mertens

Liebe auf den ersten Blick sieht anders aus. Wer die Buell XB 12 STT sieht, ist zunächst erstaunt. Fußrasten sind ebenso Fehlanzeige wie Haltegriffe für den Sozius. Wer auf dem Bike der Amerikaner zu zweit unterwegs sein will, muss ein Sozius-Kit für happige 500 Euro ordern. Wer sich dafür entscheidet, muss indes auf die zwei seitlichen Plastikabdeckungen verzichten. Sie sind, wie übrigens die gesamte Maschine, weiß lackiert.


Nur eine Lackierung

Wer kein Fan dieser Farbe ist - was ja vorkommen soll - hat Pech. Buell bietet die XB 12 STT ausschließlich in dieser Lackierung an. Weshalb, das erschließt sich einem nicht wirklich. Vielleicht liegt es daran, dass Buell-Käufer als Individualisten gelten, die ihre Maschine mit einer Vielzahl an Zubehör aufmotzen - einschließlich einer neuen Lackierung. Doch sei es drum.

Das Aussehen ist das eine, Leistung und Handling das andere. Doch auch hier sorgt die Buell zunächst einmal alles andere als für Begeisterung. So fühlen sich großgewachsene Fahrer auf ihr nicht gerade behaglich. Denn die Knie passen schlichtweg nicht in die Ausbuchtungen des Tanks, stoßen damit unweigerlich an den Rahmen. Das ist etwas, was einen auf Dauer schlicht nervt. Vor allem ist ein solches Manko nicht nachzuvollziehen. Denn aufgrund ihrer Sitzhöhe von 78,9 Zentimeter ist dieses Motorrad vor allem eines für größere Fahrer. Wer kleiner ist, bekommt schon Probleme mit der Standfestigkeit.

Betörender Sound

Der V2-Motor der Buell XB 12 STT
Der V2-Motor der Buell XB 12 STT © Foto: Buell

Doch das ist schnell vergessen, wenn man mit dem Startknopf den 1203 ccm großen Zweizylinder-Viertaktmotor zum Leben erweckt. Der Sound und die Vibrationen dieser Maschine sind betörend. Sie machen die Buell so einzigartig, so ausdrucksstark. Es kann losgehen - doch was ist das! Der Lenkeinschlag ist so begrenzt, dass man Mühe bekommt, die Maschine auf der Straße zu wenden. Ein solches Gefühl hatte man zuletzt in der Fahrschule! Das kann ja was werden.

Doch so schlimm wird es dann wider Erwarten doch nicht. Denn unterwegs reagiert die Buell auf die Lenkbefehle ausgesprochen exakt, setzt die Befehle so um, wie man sich das wünscht.

Aufrechte Sitzhaltungt

Das Cockpit der Buell XB 12 STT
Das Cockpit der Buell XB 12 STT © Foto: Buell

Auch wenn die am Rahmen anstoßenden Knie weiter nerven, kann man sich auf der XB 12 STT aufgrund der aufrechten Sitzhaltung - die für eine gute Übersicht sorgt - durchaus wohl fühlen. Einen entscheidenden Teil dazu trägt der V2-Motor mit seinen 101 PS bei. Das maximale Drehmoment von 110 Nm stellt die Buell bei 6000 Umdrehungen in der Minute zur Verfügung. Seinen Fahrer beeindruckt der urige V2 vor allem durch den satten Durchzug aus dem Drehzahlkeller. Da macht die mit Zahnriemen angetriebene Buell mächtig Dampf. Die Buell des Modelljahres 2008 wird übrigens nur noch über 95 PS verfügen: damit und einigen anderen kleinen Veränderungen will man die Euro 3 erreichen, die die aktuelle Buell derzeit nicht erreicht.

Die Seitenansicht der Buell XB 12 STT
Die Seitenansicht der Buell XB 12 STT © Foto: Buell

Eines mag die Buell indes nicht. Abseits akribisch geteerter Wege - mit ihrem Radstand von 1365 mm liegt sie ansonsten satt auf der Straße - hat es ein Ende mit der Behaglichkeit. Denn die Federung ist ausgesprochen straff, lässt den Fahrer jeden Schlag spüren. Gewöhnungsbedürftig ist auch die Fünfgangschaltung, die mit einigem Kraftaufwand betätigt werden will. So nervig wie der ständige Kontakt der Knie mit dem Rahmen ist noch etwas anderes: die Lüftung. Mit ihrer enormen Geräuschkulisse irritiert sie nicht nur den Fahrer, sondern beim Parken der Buell auch die vorbeikommenden Fußgänger. Auf eine derartige Aufmerksamkeit kann man verzichten.

Bremsen mit Bedacht

Eine individuell gestaltete Buell XB 12 STT
Eine individuell gestaltete Buell XB 12 STT © Foto: Buell

Wer bei der Buell in die Bremse greift, sollte dies übrigens mit Bedacht tun. Denn die Vorderbremse reagiert ausgesprochen bissig. So bissig, dass schnell das Hinterrad in die Höhe geht. Bei der Betätigung der Hinterradbremse wünscht man sich indes ein deutlich besseres Ansprechverhalten. Doch sei es drum. Die Buell ist halt kein perfektes Motorrad. Wer auf ein in allen Komponenten ausgewogenes Bike steht, sollte sich bei einem anderen Hersteller umschauen. Doch wer nicht mit dem Mainstream geht und auf Individualität wert legt, für den ist die 10.999 Euro teure XB 12 STT wie gemacht. Doch wie gesagt: Liebe auf den ersten Blick sieht anders aus.






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