26. Januar 2009

Fahrbericht Wintererprobung BMW Z4 Offen auf dem Eis

Der neue BMW Z4 auf Erprobungsfahrt
Der neue BMW Z4 auf Erprobungsfahrt © Foto: BMW

Der Schock bei den Fans bayrischer Roadsterkunst war groß, als BMW die ersten Fotos vom neuen Z4 zeigte. Durch sein Klappdach bricht der Zweisitzer mit bekannten BMW-Traditionen. Im winterlichen Lappland zeigt der Neu-Regensburger seine Stärken.




Von Stefan Grundhoff

Seine offizielle Weltpremiere hat der BMW Z4 auf der North American International Auto Show in Detroit gefeiert. Im Innern des Messezentrums Cobo Hall ist es jedoch angenehm warm. Hier braucht ein Roadster weder Stoffmütze noch Aluminiumdach. Doch gerade bei den kühlen Temperaturen in Motor City an der Grenze zu Kanada könnte der neue Z4 an sich glänzen. Weil der neue BMW Z4 bei seiner Weltpremiere jedoch keinen Meter außerhalb der wohlig klimatisierten Messehallen unterwegs war, drehen die BMW-Entwicklerteams mit den nahezu fertigen Prototypen in Lappland derzeit die letzten Testrunden. Es geht um den letzten Feinschliff bevor der neue Z4 im Mai auf die weltweiten Märkte kommt. Besonders das Aluminium-Klappdach, Geräuschniveau, Regelsysteme und Dichtungen stehen auf dem täglichen Testprogramm.


Schwierige Entscheidung

Nachdem die Temperaturen im Dezember lange Zeit nur wenig unter die Null-Grad-Marke fielen, ist es am finnischen Polarkreis endlich kälter geworden. Hier kann die neue Dachkonstruktion zeigen, was sie kann. Denn erstmals ist ein BMW-Roadster ohne Stoffdach unterwegs. «So lange als möglich hatten wir die Prototypen mit beiden Dachversionen in der Erprobung», berichtet Entwickler Heinz Krusche, bei BMW seit Jahren für die Fahrdynamik zuständig, «doch irgendwann ist die Entscheidung für das Klappdach gefallen.»

Also raus aus den dicken Winterjacken und hinein in den eng geschnittenen Innenraum des Roadsters. Die Ablage hinter den bequemen Sportsitzen ist klein. Daher sollte man nicht nur voluminöse Daunen-Oberbekleidung gleich in den 180 bis 310 Liter großen Kofferraum packen. Auf Wunsch gibt es eine Skidurchlade. Doch trotz üppiger Schneeverhältnisse geht es heute nicht auf die Piste; die Bretter bleiben daheim.

Öffnen nur im Stand

In 20 Sekunden offen, aber nur im Stand
In 20 Sekunden offen, aber nur im Stand © Foto: BMW

Der Innenraum mit wertigen Bedienelementen, übersichtlichen Armaturen und der sehr gelungenen Mittelkonsole fällt sofort ins Auge. Hier konnte der Vorgänger nicht gerade glänzen. Die wichtigsten Funktionen lassen sich über das gute iDrive-System bedienen.

Doch nach ein paar hundert Metern der erste Lapsus. Trotz langsamer Fahrt lässt sich das vollelektrische Aludach nicht öffnen. Das liegt jedoch nicht an winterlichen Außentemperaturen oder dem angenehm schnell aufgeheizten Innenraum, sondern an einer überflüssigen Sicherheitseinrichtung. BMW erlaubt beim neuen Z4 das Öffnen und Schließen des Aludachs nur im Stand. Das ist bitter - weniger im finnischen Winter, als vielmehr im sommerlichen Alltagsgeschäft zwischen Leopoldstrasse und Elbchaussee. Darüber täuscht auch die standesgemäße Bearbeitungszeit von 20 Sekunden nicht hinweg.

Stabiles Raumklima

Raumklima im Innenraum bleibt stabil
Raumklima im Innenraum bleibt stabil © Foto: BMW

Trotzdem wird der Z4-Projektleiter Werner Kleeberger nicht müde, die Vorteile des Klappdach zu unterstreichen: «Das Raumklima bleibt stabil. Bei einem Stoffdach hingegen kann im Winter manchmal der Eindruck von Feuchtigkeit eintreten.» Das Klappdach hat nach der Präsentation es Mercedes SLK im Jahre 1996 einen Siegeszug angetreten und erfreut sich weltweit längst großer Beliebtheit. Viele Kunden wissen bei der Mischung aus Cabriolet und Coupé nicht nur die subjektive Sicherheit, sondern auch die größere Wintertauglichkeit und die geringeren Versicherungsprämien zu schätzen.

Ein Vorteil der neuen Dachkonstruktion sind die größeren Glasflächen und die schmaleren Säulen rundum. Einen wirklich leisen Eindruck macht das Aluminium-Klappdach des nunmehr in Regensburg produzierten BMW-Roadsters jedoch nicht. Im Gegenteil: Fahrbahn und Abrollgeräusche dringen beim Prototypen deutlich vernehmbar über C-Säule und beheizbare Heckscheibe in den Innenraum.

Mehr Lenkpräzision

Loblied auf Klappdach
Loblied auf Klappdach © Foto: BMW

Obwohl die BMW-Verantwortlichen bei der Einführung des Vorgängers im Jahre 2003 das Gegenteil proklamierten, singen die bayrischen Marketingverantwortlichen nunmehr ein wahres Loblieb auf das Klappdach. «BMW hat sich beim neuen Z4 bewusst für ein Dach aus Alu-Schalenbauweise entschieden, weil ein leichtes Dach - im Gegensatz zu einem schwereren Blechdach - deutliche Vorteile hinsichtlich einer günstigeren Schwerpunktslage bringt», erklärt BMW-Sprecher Friedbert Holz.

Die Vorteile des neuen Z4 sollen markentypisch in der Fahrdynamik liegen. Daran mag man bereits nach ein paar Kilometern im 15 Zentimeter verlängerten Spaßmacher nicht zweifeln. Der gut 1,5 Tonnen schwere Bolide liegt trotz schwieriger Straßenverhältnisse prächtig auf der Piste, glänzt mit einer feinen Fahrwerksabstimmung und einen Klasse-Lenkung. Heinz Krusche: «Wir haben die Kritik am Vorgänger aufgenommen und dem Wagen mehr Komfort, mehr Lenkpräzision, kurzum mehr Ruhe mit auf den Weg gegeben.»

Markteinführung im Mai

Probleme hat das 306 PS starke Testmodell in Person des BMW Z4 sDrive 35i jedoch, seine Kraft auf die vereisten Straßen rund um Rovaniemi zu bekommen. Es ist glatt und mit der Traktion ist es trotz griffiger Winterpneus nicht zum Besten bestellt. Trotz unbestrittener Winterqualitäten sollten sich die zukünftigen Z4-Kunden daher Schneeketten oder besser Spikes besorgen. Da diese in unseren Breiten verboten sind, ist ein anderes Winterauto wohl die bessere und wahrscheinlichere Wahl. Sowieso dürfte der mindestens 35.900 Euro teure Z4 von den meisten Kunden als Zweitfahrzeug bewegt werden.

Und zwar unabhängig von Dachkonstrukt und Motorisierung. Zur Markteinführung im Mai werden drei Reihen-Sechszylinder von 204 bis 306 PS verfügbar sein. Ein besonders effizienter Vierzylinder mit rund 170 PS soll ebenso folgen wie die obligatorische M-Version, die 2010 erwartet wird. Alle Modelle verfügen über variable Ventilsteuerung, Benzin-Direkteinspritzung, Bremsenergie-Rückgewinnung, Schaltpunktanzeige und eine optimierte Aerodynamik. Einen besonders gelungenen Eindruck machte bei den Testfahrten die prächtig abgestimmte Siebengang-Sportautomatik, die Dank Doppelkupplung ein Schalten ohne Zugkraftunterbrechung ermöglicht. Friedbert Holz: «Die neue Siebengang-Sportautomatik mit Doppelkupplungsgetriebe hat die gleiche Basis wie das DKG bei den M3-Modellen, ist quasi baugleich und stammt auch vom gleichen Lieferanten - Getrag.» Da kann der nächste Frühling kommen.






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