5. Oktober 2009

Fahrbericht BMW X6 xDrive 35d Hartge Schneller am Ziel

BMW X6 xDrive 35d Hartge
BMW X6 xDrive 35d Hartge © Foto: Press-Inform

Als BMW vor kurzem verkündete, einen Powerdiesel mit 306 PS auf den Markt zu bringen, konnte man im saarländischen Beckingen nur müde schmunzeln. BMW-Tuner Hartge hat einen 328 PS starken X6 Diesel bereits im Programm.




Von Stefan Grundhoff

Im September bekommen die Dieselfans des 7er BMW ein neues Topmodell. Achtzylinder-Diesel sind bei BMW out und so sollen doppelt aufgeladene Sechszylinder-Diesel die leistungshungrigen Kunden erfreuen. Der BMW 740d leistet Dank variabler Turbolader 226 kW / 306 PS und 600 Nm. Später soll der doppelt aufgeladene Kraftprotz auch in anderen Modellen zum Einsatz kommen. Dass dies selbst für einen drei Liter großen Commonrail-Diesel nicht das Ende der sportlichen Fahnenstange ist, zeigt der BMW X6 xDrive 35d von Hartge.

Der langjährige BMW-Tuner hat sich vor einiger Zeit den ebenso dynamischen wie umstrittenen SUV X6 vorgenommen. Bereits der erste Auftritt des schwarzen Ungetüms ist Angst einflößend. Denn Hartge‘s X6 bekam nicht nur mehr Leistung, sondern eine komplettes Trainingsoutfit mit Rennanzug und Sprinterschuhen.


Wuchtiges Äußeres

Front- und Heckschürze geben dem bereits im Serienzustand alles andere als zahmen BMW X6 ein wuchtiges Äußeres. Dabei brennen sich besonders die ausgestellten Radhäuser in das Auge des Betrachters. In den Radkästen selbst krallen sich gewaltige 22-Zöller in den Asphalt. Die 10,5 Zoll Felgen vorn sowie 12 Zoll hinten mit 295er beziehungsweise 335er Reifen machen es dem Piloten im sportlich modifizierten Cockpit einfach, die Motorleistung eindrucksvoll auf die Piste zu brennen. Dank verschiedener Maßnahmen an Motorelektronik und doppelter Turboaufladung gab es für das an sich 286 PS starke SUV-Coupé eine Leistungsspritze von über 40 PS.

Das Cockpit des Hartge X6
Das Cockpit des Hartge X6 © Foto: Press-Inform

«Unsere Fahrzeuge bekommen zumeist Leistungssteigerungen von rund 20 Prozent», erklärt Gilles Petit von der Herbert Hartge GmbH mit Sitz im saarländischen Beckingen, «damit nutzen wir das Spektrum des Motors gerade auch in Punkto Langlebigkeit optimal aus.»

Nach erfolgreichem Umbau leistet der Commonrail-Diesel 241 kW / 328 PS. Das maximale Drehmoment von an sich 580 Nm stieg auf 675 Nm bei 2.000 U/min. Herbert Hartge weiß was er tut. Seit über 30 Jahren werkelt der ehemalige Rennfahrer erfolgreich an sportlichen BMW-Modellen herum. Waren es einst besonders die 3er BMW, denen er die Sporen gab, so erfreuen sich längst die großen SUV besonderer Beliebtheit. «Unsere Kunden kommen aus den USA, Europa oder Asien», erzählt Hartge-Sprecher Gilles Petit, «die meisten kaufen ihren Wagen neu bei BMW und bringen ihn dann direkt zu uns. Doch selbstverständlich kann man auch bei uns direkt die kompletten Autos kaufen.»

Eine Sekunden weniger

Der Hartge-Motor
Der Hartge-Motor © Foto: Press-Inform

Das Leistungsplus macht sich besonders in der Beschleunigung des X6 Hartge bemerkbar. Statt der gewöhnlichen 6,9 Sekunden braucht der X6 35d im Sporttrimm eine ganze Sekunden weniger. Die Höchstgeschwindigkeit bleibt jedoch auch trotz der Vitaminspritze knapp unter der 250-km/h-Marke. Das Plus an Leistung kann sich sehen und fahren lassen. Doch insbesondere die sportliche Fahrwerksabstimmung steht dem erstarkten X6 gut zu Gesicht.

Die Sportfedern mit einer entsprechenden Niveauregulierung für die Hinterachse sorgen zusammen mit den breiten Sportwalzen und einer 30-Millimeter-Tieferlegung für eine beeindruckende Kurvenlage. Wären da nicht die knapp 2,2 Tonnen Leergewicht, man hätte Zweifel daran, in einem SUV Platz genommen zu haben. Wie beim Serien-X6 stört allein die zu leichtgängige Lenkung, die gerade bei flotter Gangart auf Autobahn oder Landstraße mehr Rückmeldung vertragen könnte. Noch besser als bei BMW ist hingegen das griffige Steuer, mit dem sich der Koloss präzise durch die Kurven zirkeln lässt. Wenn oben herum etwas fehlt, dann ist es Drehzahl. Aber das ist bei einem Diesel bekanntlich nicht zu machen. Wer mehr will: Hartge verleiht auch den starken X6-Benzinern Flügel.

Saftiger Preis

Das ohnehin sportlich schimmernde Innenraumambiente des BMW X6 xDrive 35d wird in der Firma des 64jährigen Firmengründers Herbert Hartge ebenfalls nachgeschärft. Die Karbon-Applikationen an Lenkrad, Innenraumleisten und Verkleidungen sind Geschmacksache; erfreuen sich jedoch bei der internationalen Kundschaft einer großen Beliebtheit. Gleiches gilt für den Aluminium-Pedalsatz und den an sich überflüssigen 300-km/h-Tacho mit roten Zeigern. Doch der geneigte Tuning-Kunde will schließlich zeigen, dass man mehr Leistung unter der Haube hat, als die Serienversion.

Das Heck des X6 von Hartge
Das Heck des X6 von Hartge © Foto: Press-Inform

So viel Exklusivität und Sportlichkeit hat ihren Preis. Der Preis für das karg ausgestattete Basismodell des BMW X6 xDrive 35d liegt bei 64.152 Euro. Der Komplettumbau inklusive der entsprechenden Leistungssteigerung auf 328 PS macht den Hartge-X6 mindestens 97.959 Euro teuer. «Sonderwünsche sind für uns selbstverständlich kein Problem“, winkt Gilles Petit souverän ab, „viele Kunden haben ganz spezielle Vorstellungen, was Farben, Innenraum und Materialien angeht.»






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