13. Juni 2005

Fahrbericht BMW R 1200 ST: Blickfang aus München

Das Cockpit der BMW R 1200 ST
Das Cockpit der BMW R 1200 ST © Foto: nz/Mertens

Mit der R 1200 ST hat BMW viel Mut beim Design bewiesen. Der neue Sporttourer aus Bayern bietet jedoch auch überzeugende Fahrleistungen. Nur beim Preis des neuen Motorrades vergeht einem der Spaß.




[i]Von Frank Mertens[/i]


Für BMW ist 2005 das Jahr der Neuheiten: Mit der R 1200 RT, der R 1200 ST, der K 1200 R und der HP 2 bringen die Münchner gleich vier neue Motorräder auf den Markt. Mit Ausnahme des Reisetourers RT sorgten die Bikes beim Betrachter für Verblüffung, wenn nicht sogar für Stirnrunzeln.

Kein Mainstream

Schließlich entspricht dieses Trio rein äußerlich nicht unbedingt dem, was man von den Bayern erwartet. Mit Mainstream haben sie nichts zu tun, alle drei setzen mit ihrem Aussehen - jede auf ihre Art - Akzente. Negativ ist das nicht, auch wenn das Design den ein oder anderen eingefleischten BMW-Fahrer verwirrt haben dürfte: So haben die Designer der R 1200 ST die beiden zentralen Scheinwerfer übereinander angeordnet - sie befinden sich über den seitlich angebrachten Lufteinlässen. Sieht in der Tat ungewöhnlich aus - doch über Design lässt sich bekanntlich immer streiten. Eines ist dem Fahrer des Sporttourers auf jeden Fall sicher: Die Aufmerksamkeit des Betrachters.

Das Cockpit der BMW R 1200 ST
Das Cockpit der BMW R 1200 ST © Foto: nz/Mertens

So ungewöhnlich wie die Anordnung der Scheinwerfer, ist auch die der Instrumente: Sie sind nicht an der Verkleidung untergebracht, sondern thronen auf der Gabelbrücke. Warum eigentlich nicht? Sieht schließlich gut aus. Die Instrumentenkombi entstammt übrigens der R 1200 GS: Neben dem runden Tachometer, gibt es einen leicht ovalen Drehzahlmesser und ein Informationsdisplay. Diese Einheit informiert den Fahrer über die Reichweite, Öltemperatur, Uhrzeit, Tankinhalt und den gerade eingelegten Gang. Im Gegensatz zur Front ist das Heck konventioneller, man kann auch sagen, BMW-typisch ausgefallen.

Die Ergonomie der Neuen ist kaum zu beanstanden: So lassen sich sowohl Lenker als auch Sitz auf die unterschiedlichen Bedürfnisse einstellen: Der Lenker ist in der Höhe um 2,5 Zentimeter und der Sitz auf eine Höhe von 81 beziehungsweise 83 Zentimeter einzustellen. Damit fühlen sich selbst groß gewachsene Fahrer wohl auf der ST.

Zwölf PS mehr als bei der GS

Wie die übersichtlich gestaltete Instrumentenkombi entstammt auch der Motor der R 1200 GS. Der neu konstruierte Zweizylinder-Boxermotor, ausgestattet mit einer Ausgleichswelle und 1170 Kubikzentimetern, bringt es indes in der ST auf 81 kW/110 PS. Das Mehr von zwölf PS an Leistung im Vergleich zur Enduro haben die BMW-Ingenieure durch eine Erhöhung der Nenndrehzahl um 500 U/min. auf 7500 U/min. erzielt. Daneben tragen unter anderem modifizierte Nockenwellen, eine neue Schalldämpferanlage und eine neue Sauganlage zu dieser Leistungssteigerung bei. Das maximale Drehmoment von 115 Nm liegt bei 6000 U/min. an.

Und das, was die ST an Leistung entfaltet, lässt kaum Wünsche offen: Bereits beim Anlassen verwöhnt der Boxermotor die Ohren mit seinem satten Klang. Dieser Positiveindruck setzt sich auch beim Beschleunigen fort: Ein Griff am Gashahn lässt den Sportstourer ohne Mühe in 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h nach vorn schnellen. Seine Spitzengeschwindigkeit erreicht die ST bei der 225 km/h. Den Weg dorthin stellt den Fahrer vor keine großen Probleme, die sechs Gänge lassen sich mühelose einlegen - so muss es sein.

Die von der Ausgangsposition um jeweils zwei Zentimeter nach oben verstellbare Scheibe bietet einen hervorragenden Windschutz, sodass man auch problemlos länger jenseits der 150 km/h unterwegs sein kann. Der Verbrauch soll sich laut Hersteller bei 120 km/h auf 5,1 Liter belaufen. Bei den Testfahrten schluckte die ST durchschnittlich etwas mehr als sechs Liter SuperPlus.

Doch auch wenn man auf Topspeed keinen Wert legt, bietet die ST ausreichend Fahrspaß. Dafür sorgt unter anderem der Telelever, der im Zusammenspiel mit der Hinterradführung Paralever für ein sehr gutes Fahrverhalten sorgt. Lastwechsel bei Kurvenfahrten macht die BMW problemlos mit. Das Handling überzeugt. Die Hinterradführung wurde ebenfalls komplett der R 1200 GS entnommen, jedoch der größeren Reifengröße angepasst: Vorn fährt die ST auf Reifen der Dimenson 120/70 ZR17 und hinten 180/55 ZR17.

Bremskraftverstärker gewöhnungsbedürftig

Referenzklasse sind die Bremsen mit dem Motorrad Integral ABS (Aufpreis 1050 Euro): Mit ihnen lässt sich beherzt in die Bremshebel greifen. Wenngleich der Bremskraftverstärker von BMW arg gewöhnungsbedürftig ist. Doch davon einmal abgesehen, sind die Bremsen der BMW für Notsituationen ein verlässlicher Partner: Sie stoppen das 229 Kilo-Bike abrupt und sicher ab.

Die Seitenkoffer ander BM W R 1200 ST.
Die Seitenkoffer ander BM W R 1200 ST. © Foto: nz/Mertens

Diejenigen, die mit der R 1200 ST auch einmal längere Strecke zurücklegen wollen - und das dürften auf einem Sportstourer die Mehrzahl sein - sei die Anschaffung der Seitenkoffer (je 225 Euro) empfohlen. Ihr Volumen beläuft sich auf je 32 Liter und sie lassen sich mühelos an der Maschine anbringen.

Unter dem Strich hat BMW mit der R 1200 ST ein überzeugendes Motorrad mit einem unverwechselbaren Aussehen und einer Menge Fahrspaß konzipiert. Der Spaß endet indes beim Preis: Denn der beginnt bei 12.500 Euro, ohne ABS versteht sich. Der Hauptständer (95 Euro) ist übrigens auch extra zu bezahlen. Das ist bei einem Motorrad dieser Preisklasse schlicht eine Unverschämtheit. Wer also mit der ST liebäugelt, ist mit ABS und Koffern schnell bei 14.000 Euro angelangt.






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