3. November 2006

Fahrbericht BMW R 1200 R: Mehr Sein als Schein

Die BMW R 1200 R
Die BMW R 1200 R © Foto: Werk

BMW hat die neue R 1200 R mit einer Vielzahl technischer Neuerungen ausgestattet. Darunter befindet sich neben einem modifizierten ABS auch eine Antriebsschlupfregelung. Was das Bike kann, zeigt unser Test.




Von Werner Wagner

Ziemlich lange hat die BMW-Motorrad-Abteilung die Fans der Roadster warten lassen. Jetzt wird der überarbeitete Boxermotor mit 1170 ccm Hubraum endlich für die unverkleidete R 1200 R angeboten. Nach der Enduro GS, dem Sportler S, dem Sporttourer ST und dem Tourer RT ist das Quintett damit nun komplett.


Neues ABS

Quasi als Lohn fürs lange Warten erhalten die Kunden dafür ein ganz besonderes technisches Schmankerl: Die Roadster kann als erste BMW für 1050 Euro Aufpreis mit dem neuen Integral-ABS geordert werden. Die Bremsanlage kommt nun ohne den oft kritisierten Bremskraftverstärker aus, ein Zug am Handbremshebel wirkt auf alle drei Scheiben, das Hinterrad wird separat verzögert.

Die Bremse ist genau dosierbar, verzögert das 223 Kilogramm schwere Bike souverän und beißt bei Bedarf auch knackig zu, dabei bleibt das Hinterrad stabil und spurtreu. Ab dem Frühjahr 2007 soll dann auch die neue Antriebsschlupfregelung ASC erhältlich sein, die mit 275 Euro Aufpreis zu Buche schlägt.

Das Wissen um den sicheren Stopp der R 1200 R sorgt bei den Fahrten stets für ein beruhigendes Gefühl im Hinterkopf, denn die Roadster ist eine Spaßmaschine ersten Ranges. Wendig und leicht flitzt sie um Kurven, legt sich bis zur Haftgrenze der Reifen in Schräglage und reizt nur allzu oft, die eigenen Grenzen auszuloten und die der Straßenverkehrsordnung zu überschreiten. Immer wieder lässt sich der Zweizylinder in den roten Bereich drehen, der knapp unter 8000 U/min beginnt. Den Tribut an diese Fahrweise zahlt man dann schließlich in Form eines recht stattlichen Verbrauchs von 5,8 Litern Super plus auf 100 Kilometer.

Motor mit 109 PS

Die Seitenansicht der R 1200 R
Die Seitenansicht der R 1200 R © Foto: Werk

Der Zweizylindermotor treibt in nahezu identischer Form auch die Schwestermodelle RT und ST an und leistet in der Roadster 80 kW/109 PS. Das maximale Drehmoment beträgt 115 Nm bei 6000 U/min. Kein Wunder, dass mit diesen Werten eine flotte Nummer gedreht werden kann, zumal auch das Sechsgang-Getriebe den Gangwechsel schnell und sauber erledigt. So angenehm ließ sich noch keine Boxer schalten, selbst in kaltem Zustand lassen sich die Gänge problemlos einlegen.

An unserem Exemplar war das Windschild «Sport» montiert, das 165 Euro zusätzlich kostet, aber angesichts der relativen Ruhe auf der Autobahn ein sinnvolles Extra darstellt. So ausgestattet schafft es die R 1200 R mühelos bis zur Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h. Vor Wetter und Wind schützt das Plastikteil natürlich nicht ausreichend, aber wer so etwas braucht, der sollte doch eher zu einem anderen Modell greifen.

Hauptständer kostet extra

Die Roadster ist bei allem aktuellen technischen Standard und moderner Ausstattung immer noch ein Bike ohne unnötigen Schnickschnack. Kritisieren muss man an ihr, dass die Rückspiegel zu viel von den Fahrerarmen und zu wenig vom rückwärtigen Verkehr zeigen. Und dass BMW sich Selbstverständlichkeiten wie den Hauptständer mit 105 Euro bezahlen lässt.

Wer also Motorrad pur will, der bekommt für 11.200 Euro mit der neuen BMW R 1200 R ein klassisch gebautes Motorrad ohne störendes Plastik, dafür aber mit ordentlich Power, einem phantastischen Fahrwerk und sensationell guten Bremsen. Nur optisch wirkt die Maschine ein wenig zu unscheinbar. Was vielleicht auch daran liegt, dass es sie nur in den Farben Grau und Schwarz gibt. (mid)






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