28. Mai 2010

Fahrbericht BMW R 1200 GS Kerniger Auftritt zum Jubiläum

Die BMW R 1200 GS
Die BMW R 1200 GS © BMW

 Die BMW R 1200 GS gehört seit Jahren zu den Bestsellern in der Zulassungsstatistik. Daran ändert auch ihr saftiger Preis von 13.000 Euro nichts. Nun feiert der Klassiker Geburtstag. Ganz ungetrübt fällt die Feierstunde aber nicht aus.




Von Frank Mertens

Wer sich persönlich was gönnen will, der greift bei der Wahl einer Reiseenduro meistens zu einer BMW R 1200 GS. Nun feiert die GS ihr 30-jähriges Jubiläum. Es war im Herbst 1980 als die Münchner die R 80 G/S auf die Straße brachten, eine Maschine, die sowohl für die Straße als auch für das Gelände geeignet war. Damit begann der Siegeszug eines Motorrades, an dem sich die Konkurrenz bis heute orientiert. Bis heute haben sich von den GS-Modellen über 560.000 Einheiten verkauft.


Kerniger Sound

Passend zum Jubiläum hat BMW der R 1200 GS bereits im Herbst des vergangenen Jahres eine Modellüberarbeitung verpasst. Dazu gehört unter anderem auch ein kernigerer Sound des Boxer-Motors. Erreicht wurde er durch eine elektronisch gesteuerte Abgasklappe im Auspuff. Die Jubilarin röhrt so – passend zum Alter – noch sonorer. Beim Motor bekam die GS den DOHC-Boxer aus der HP2 Sport spendiert.Damit einher geht eine Leistungssteigerung von fünf PS auf nun 81 kW/110 PS.Die Nennleistung der so modifizierten GS liegt bei 7750 Umdrehungen in der Minute an, das maximale Drehmoment von 120 Newtonmetern steht bei 6000 Umdrehungen zur Verfügung.

Überzeugende Fahrleistungen

Doch Daten sind das eine, die Fahrleistung das andere. Aber hier hat sich im Gegensatz zur Vorgängerin nichts geändert, zumindest nicht viel. Die leistungsgesteigerte GS hängt gefühlt einen Deut besser am Gas, setzt den Dreh des Gashebels noch eine Spur spontaner in Vortrieb um. Auch die Maximaldrehzahl hat sich nach oben verschoben. Statt bei wie bisher 8000 beginnt der rote Bereich auf dem Drehzahlmesser bei 8500 Umdrehungen in der Minute. In der Summe der Maßnahmen hat sich an der neuen R 1200 GS sicherlich kein Quantensprung vollzogen.

Also kann man die Neuerungen unter Nettigkeiten verzeichnen? Nein, die BMW ist durch diese Modifikationen noch einen Hauch besser geworden. Sie bietet ihrem Fahrer - etwa bei Überholmanövern – noch etwas mehr Reserven. So unterwegs hat man in Situationen, in denen es nicht schnell genug gehen kann, ein noch besseres Gefühl.

Gutes Gefühl im Stadtverkehr

Ansonsten ist bei der GS alles beim Alten geblieben – und das ist gut so. Wer auf ihr Platz nimmt, fühlt sich wohl. Die aufrechte Sitzhaltung gibt einem ein gutes Gefühl im Stadtverkehr. Wer auf der GS unterwegs ist, behält immer den Überblick und er kann ohne Verrenkungen selbst das Cruisen durch den dichten Berliner Stadtverkehr genießen. Er kann es vor allem auch deshalb tun, weil sich dieses Motorrad auch bei niedrigen Drehzahlen schaltfaul bewegen lässt. Auch von unten heraus hat der Zweizylinder-Viertaktmotor genügend Power, ohne dass man unbedingt einen Gang runter schalten muss. Wer es trotzdem will – kein Problem. Das Sechsganggetriebe der GS ist hervorragend abgestimmt, lässt sich mühelos schalten. Der Verbrauch hält sich auch im Rahmen; im Durchschnitt genehmigte sich die GS bei unseren Testfahrten 5,9 Liter Super.

Wer auf der R 1200 GS einige Zeit unterwegs ist, weiß, weshalb sich diese Maschine in den vergangenen 30 Jahren zu einem Erfolgsmodell entwickelt hat. Sie leistet sich kaum eine Schwäche, sondern bietet ihrem Fahrer das, was er erwartet. Eine verlässliche Begleiterin für den Alltag – sei es nun auf der Straße oder im Gelände.

Probleme mit Bremsleitungen

Doch ganz ungetrübt fällt das Jubiläum der GS nicht aus. Getrübt wird die Erfolgsgeschichte durch Probleme mit undichten Bremsleitungen. Das trifft zwar nicht auf das aktuelle von uns getestete Modell zu, sondern «nur» auf Maschinen des Produktionszeitraumes August 2006 bis Mai 2009.

Hier ruft BMW (die Autogazette berichtete) die Halter der Modellreihen R 1200 GS, R 1200 GS Adventure, R 1200 R, R 1200 ST, R 1200 RT und K 1200 GT zum Werkstattbesuch auf. Durch Vibrationen im Fahrbetrieb kann nicht völlig ausgeschlossen werden, dass eventuell verspannt eingebaute Bremsleitungen undicht werden und in der Folge Bremsflüssigkeit austritt.

Im Extremfall kann dies zum Ausfall der Vorderradbremse führen. Für BMW ein peinlicher Rückruf, da es hier vor zwei Jahren wegen des gleichen Problems schon einmal eine so genannte Technische Aktion gegeben hatte. Doch schon damals konnte weder dieses technische Problem noch die in den Jahren zuvor aufgetretenen Probleme mit dem ABS-System die Beziehung der BMW-Fahrer zur GS nachhaltig beeinträchtigen. Auch diesmal dürfte dies nicht anders sein.






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