7. April 2006

Fahrbericht BMW F800S: Die neue Mitte

BMW F800S
BMW F800S © Foto: Werk

Mit der F800S und der tourentauglichen F 800ST hat BMW wieder eine richtige Mittelklasse im Angebot. Die Neue zeigt überzeugende Fahrleistungen, wie unser Test zeigt.




[i]Von Rainer Unruh[/i]


Endlich schließt BMW die Lücke zwischen den Einzylinder-Maschinen und den großen Boxern. Seit 2001 haben die Ingenieure und Designer daran gearbeitet, die neuen Modelle, die sportliche F800S und die tourentaugliche F800ST, auf ihre zwei Räder zu stellen. Nun ist sie da, die neue Mittelklasse von BMW und ab 12. Mai beim Händler zu haben.

Gedankenspiele des Designers

Die Sonne steht tief an diesem Morgen im Süden, als BMW die neuen Modelle in Südafrika vorstellt. Im Gegenlicht stehen die neuen 800er. Raubvögeln gleich ist die Seitenansicht - genauso, hat sie BMW Motorrad-Designer David Robb am Abend zuvor mit wenige Strichen an eine Tafel gezeichnet. Raubvöglen gleich ist die Seitenansicht.

Die F800S wirkt im Profil, mit dem kurzgeschnittenem Verkleidungsteil wie ein Seeadler, die ST, wegen der Tourer-Seitenverkleidung, wie ein Habicht. Von oben und ausreichender Höhe betrachtet erinnert die Maschine an einen Californian Dreamboy. Breite Schultern, der Lenker, angenehmer Brustkorb, der Tank und schmale Hüfte, die Sitzbank.

Klang einer Norton

Das Cockpit der neuen BMW
Das Cockpit der neuen BMW © Foto: Werk

Genauso wichtig wie das Aussehen ist die Frage, wie klingt der Motor und wie fahren die Neuen. Ralf Moelliken verantwortlich für das Aggregat spricht von dem unnachahmlichen Klang einer Norton aus den frühen siebziger Jahren und von einer Klangverwandtschaft zu den Boxermodellen. Puristen können hier mit dem lesen aufhören, ihnen missfällt es vermutlich, dass BMW in seine Mittelklasse keinen Boxermotor eingebaut hat, sondern gemeinsam mit Bombardier-Rotax einen neuen 798ccm Paralleltwin entwickelte.

Motor überzeugt

Der Motorblock
Der Motorblock © Foto: Werk

Aber der Motor überzeugt, er blubbert tatsächlich wie ein Aggregat längst vergangener Tage, ist jedoch High-Tech pur mit 85PS, bei 8000 Touren und einem maximalen Drehmoment von 86 Nm bei 5800 Kurbelwellenumdrehungen. Der Massenausgleich des Paralleltwin erfolgt über ein im Serien-Motorradbau einzigartiges System: Ein zusätzliches Schwenkpleuel kompensiert die Massenkräfte und sorgt dafür, dass der Zweizylinder vibrationsarm zu Werke geht. Der Kräfteunterschied zu größeren Boxermodellen ist gering.

Munter startet die F800S, die erste Kurve wird mit Bravour genommen, die Zweite folgt. In 3,5 Sekunden geht ess von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 220 km/h und lässt sich mit dem eng gestuften Sechsganggetriebe und auf freier Straße schnell erreichen.

ABS unbedingt ordern

Die Seitenansicht der BMW F800
Die Seitenansicht der BMW F800 © Foto: Werk

Mehr braucht der Biker nicht. Die Maschine hängt gut am Gas. Auch bei der Fahrt in niederen Gängen bringt der Dreh am Griff stets genügend Power. Der Verbrauch lag bei der Testfahrt unter fünf Litern Super. Die F800 S, F800ST haben einen geregelten Dreiwege-Kat. ABS gibt es auf Wunsch und kostet 690 Euro extra. Die Investition ist aber in jedem Falle empfehlenswert, denn die Neuen mit ABS stehen nach Bremsattacken, auf gerader Strecke, im Stadtverkehr oder auf Serpentinen wie eine eins.

Der Sekundärantrieb erfolgt über einen Zahnriemen , er ist im Vergleich zur F650 größer und breiter. Die Zauberworte heißen “ruckelfrei” und “wartungsarm”. Das ideale Terrain für beide Maschinen ist die Landstraße. Die F800 S liebt die Kurven vielleicht ein wenig mehr als ihre Schwester. Möglicherweise liegt das auch daran, dass sie mit 204 Kilogramm Trockengewich fünf Kilo leichter ist als die ST.

Guter Windschutz

Die BMW F800ST
Die BMW F800ST © Foto: Werk

Das “Ergonomie-Dreieck”, wie Designer David Robb es nennt, ist bei der F800S ebenfalls angenehmer. Etwas schräger, ein wenig mehr nach vorne gebeugt, drückt der Fahrtwind erfreulich wenig auf die Schultern. Tacho, Drehzahlmesser und Bordcomputer sind übersichtlich, letzterer lässt sich über einen Taster auf der linken Lenkerarmatur leicht bedienen.

Wiedereinsteiger oder Motorradneulinge sollen die neuen F800er Modelle von BMW fahren und natürlich Frauen. Denen gefielen bei den Ausfahrten vor allem die roten Maschinen und das es im Bedarfsfall eine Sitzbank gibt, deren Höhe auf unter 1,70 Meter einstellbar ist. Keine Frage, den Bayern ist mit der F800S und der F800 ST wieder ein großer Wurf gelungen ist. Zumindest viele Wiedereinsteiger ab 45 Jahre aufwärts können sich vermutlich auch die 8450 Euro Einstiegspreis leisten. Die F800ST kostet 9150 Euro und ist ab September erhältlich.






Mehr zur Marke BMW

Premiere auf IAABMW X7 iPerformance: Noch eine Nummer größer

Bislang ist bei BMW der X6 das größte SUV-Modell. Auf der IAA zeigen die Münchner ab Dienstag nun auch den X7 iPerformance.


25 Elektroautos bis 2025BMW-Chef Krüger kündigt Elektro-Offensive an

Harald Krüger schiebt die Elektromobilität an. Der BMW-Chef will jedes Modell der Gruppe mit jedem beliebigen Antrieb ausstatten und auch auf diesem Wege, Fahrverbote verhindern.


Facelift hat Premiere auf IAABMW i3: Elektroauto auf sportlich getrimmt

BMW hat sein Elektroauto i3 einem Facelift unterzogen. Neben optischen und technischen Neuerungen wird es auch eine Sportversion geben.



Mehr aus dem Ressort

Einstiegspreis für 4690 EuroSuzuki GSX-R 125: Racing-Flair für Einsteiger

Suzuki GSX-R 750. Dieses Kürzel lässt Superbike-Fans aufhorchen. Nun gibt es dieses Motorrad auch für Einsteiger mit 125 ccm.


Test über 2000 KilometerBMW K 1600 GT: Klagen auf hohem Niveau

Sechszylinder! Und das bei einem Motorrad. Muss man noch mehr sagen? Man muss. Vor allem wenn man die BMW K 1600 GT einem Härtetest über 2000 Kilometer unterzogen hat.


Teures SondermodellDucati Multistrada Enduro Pro: Gemacht für Weltreisende

Ducati bietet mit der Multistrada Enduro Pro ein Sondermodell an, dass keine Wünsche offen lässt. Dafür verlangen die Italiener indes einen stolzen Preis. Lohnt sich der?