29. Juni 2007

Fahrbericht BMW 330i Cabrio: Schön und günstig

BMW 330i
BMW 330i © Foto: Werk

Die Schönheit im Cabriosegment hat einen Namen: Das 3er Cabrio von BMW. Nach über 20 Jahren Stoffmütze ändert auch das Hardtop nichts an den sportlichen Genen des 330i.




Von Marc Leimann

BMW traut sich was. Nach drei erfolgreichen Generationen mit Stoffdach versprüht das neue 3er Cabrio einen völlig neuen Charme. Dank voll versenkbaren Hardtops mündet die C-Säule klassisch in einem Winkel und bildet erstmals bei einem BMW Cabrio den sogenannten typischen «Hofmeisterknick». Auch für den Endkunden eine Umstellung, die bei anderen Verkehrsteilnehmern Begehrlichkeiten und gesteigertes Interesse weckte, wie wir während unserer Testfahrten feststellen konnten.


Platzangebot, Raumgefühl und Sicht verbessert

Mithilfe der neuen Dachkonstruktion ist es gelungen, den hinteren Passagieren insbesondere im Schulterbereich mehr Platz zur Verfügung zu stellen. Insgesamt gewinnt der Innenraum dadurch knappe sieben Zentimeter, vorbei also die Zeiten des zärtlichen Aneinanderreibens auf der Rücksitzbank des 3er Cabrios.

Die Beinfreiheit indes hat wenig zum Vorgänger gewonnen. Noch immer geht es insbesondere bei großgewachsenen Insassen im Heck eng zu. Ausgedehnten Oben-Ohne-Fahrten fallen diese Plätze eh zum Opfer, zumindest, wenn das Windschott zum Einsatz kommt. Dann verwandelt sich das 3er Cabrio zum einfachen Zweisitzer, mit einem jedoch erstaunlichen Nebeneffekt. Der Einsatz des Windschotts ermöglicht problemlos Gespräche mit dem Mitfahrer bis 180 km/h.

Im geschlossenen Zustand fällt auf, dass sich die Sicht im 3er Cabrio deutlich verbessert hat. Dies gilt nicht nur für den Blick durch die Heckscheibe, die nun aus Glas ist und in Breite als auch Höhe hinzugewonnen hat. Auch die Rundumsicht zeigt sich dank schmaler A- und C-Säulen sowie quasi nicht existenter B-Säule deutlich optimiert.

Optimierte Verbrauchs- und Emissionswerte

Die Heckansicht
Die Heckansicht © Foto: AG/Leimann

Als idealer Wegbegleiter für das 3er Cabrio kann der 272 PS Benziner bezeichnet werden. Die High Precision Injection bietet zusammen mit der doppelten variablen Ventilsteuerung sehr sportliche Fahrleistungen. Den Spurt auf 100 km/h absolviert der 330i Cabrio damit in 6,5 Sekunden, bei 250 km/h Höchstgeschwindigkeit wird das Aggregat elektronisch abgeregelt.

Im Stadtverkehr allerdings spürt man dem Wagen seine sportlichen Gene nicht an. Wenngleich das maximale Drehmoment von 320 Newtonmetern bereits bei 2.750 U/min. anliegt, wäre ein kräftigeres Ansprechverhalten auf das Betätigen des Gaspedals zu erwarten. Hier lässt sich der 330i ein wenig Zeit, entfaltet dann die Kraft aber sehr homogen über alle sechs Gänge.

Im Schnitt zehn Liter

Edler Innenraum
Edler Innenraum © Foto: Werk

Dass sportlichere Fahrleistungen nicht automatisch höhere Verbrauchs- und Emissionswerte bedeuten, wissen wir bei BMW spätestens seit Einführung der neuen Motoren beim 1er. Auch für den Drei-Liter- Benziner trifft dies zu. Der Hersteller gibt den kombinierten Verbrauch mit 8,1 Liter auf 100 Kilometer an. Diese Werte konnten wir leider nicht erreichen, im Schnitt pendelte sich der Verbrauch bei zehn Litern ein.

Aber bei moderater Fahrweise zeigte der Bordcomputer auch schon mal acht Liter Durchschnittsverbrauch an, Volllastfahrten quittierte er mit rund 13 Litern auf 100 Kilometern. Und das bei Emissionswerten, die aufhorchen lassen. 194 Gramm CO2 emittiert das 330i Cabriolet auf einem Kilometer - für diese Klasse ein guter Wert.

Ein Kofferraum, der keiner ist
Ein Kofferraum, der keiner ist © Foto: AG/Leimann

Kofferraum zu klein

Dass ein versenkbares Hardtop nicht nur Vorteile mit sich bringt, zeigt der Blick in den Kofferraum. 210 Liter bei geöffnetem und 140 Liter bei geschlossenem Dach lassen keine Jubelarien zu, zumal die Kofferraumvariabilität aufgrund der Dachkonstruktion sehr begrenzt ist. Eine Vielzahl an Warnaufklebern lässt die Ausnutzung kleiner Mulden im zerklüfteten Kofferraum nicht zu. Ganz zu schweigen von Reisegepäck oder Sprudelkasten.

Hier hilft nur eines: Dach auf und die Rücksitzbank beladen. Und kleine Ablageflächen sucht man vergebens. Selbst das Handschuhfach ist aufgrund seiner Größe nur bedingt für Accessoires wie CDs geeignet.

Teure Aufpreisliste

Vorgänger und Nachfolger
Vorgänger und Nachfolger © Foto: AG/Leimann

Wer in den Genuss des 330i Cabrio kommen möchte, muss mindestens 48.350 Euro auf den Tisch legen. Eine Sechsgang-Automatik mit Steptronic und adaptiver Getriebesteuerung (2.160 Euro), Metalliclackierung (770 Euro), Lederausstattung (mindestens 2.240 Euro), Klimaautomatik (770 Euro), Park Distance Control (720 Euro), Navigationssystem (mindestens 2.300 Euro), CD-Wechsler (430 Euro) und Lautsprechersystem (mindestens 570 Euro) als Sonderausstattung schrauben den Preis dann leicht in die 60.000 Euro Region.

Aber der Blick zur Konkurrenz zeigt, dass auch hier tief in die Tasche gegriffen werden muss, um sportliche Fahrleistungen und Cabriolet zu vereinen. Ein vergleichbar gut ausgestattetes Audi A4 Cabriolet «lockt» zu Preisen um die 56.000 Euro, hat allerdings 40 PS weniger. Mercedes ruft für den gleichstarken 350 CLK 55.000 Euro als Basispreis auf. In Summe sicherlich ein stolzer Preis für den BMW 330i Cabrio. Aber dafür erhält der Kunde auch ein überzeugendes Cabriolet, das sich nur wenig Schwächen leistet. Es war eben noch nie billig, Freude am Fahren zu verspüren.






Mehr zur Marke BMW

BMW i-Chef Robert Irlinger«Wir sind bei Elektrifizierung bereits in die Breite gegangen»

Robert Irlinger verantwortet bei BMW die Elektromobilität. Im Interview mit der Autogazette spricht der Leiter von BMW i über kommende Modelle, die Ansprüche der Kunden und darüber, weshalb es klare regulatorische Vorgaben des Gesetzgebers bedarf.


Markstart im OktoberBMW G 310 GS: Gelungener Einstieg in die Offroad-Welt

BMW konnte seinen Kunden lange kein Angebot unterhalb der 500 Kubikzentimeter machen. Doch ein Jahr nach der G 310 R kommt nun bereits die GS-Variante auf den Markt.


Premiere auf IAABMW X7 iPerformance: Noch eine Nummer größer

Bislang ist bei BMW der X6 das größte SUV-Modell. Auf der IAA zeigen die Münchner ab Dienstag nun auch den X7 iPerformance.



Mehr aus dem Ressort

Renault feiert Pickup-Premiere mit dem Alaskan
Abkömmling des Nissan NavaraRenault Alaskan: Klonereien im Gelände

Renault steigt mit dem Alaskan ins Pickup-Segment ein. Der Lastenesel beschreitet dabei den Weg, der beim Volkswagen-Konzern seit Jahren an der Tagesordnung ist.


Neues SUV der RüsselsheimerOpel Grandland X: Der Aufsteiger

Das SUV-Segment wächst und wächst. Daran will auch Opel teilhaben. Deshalb setzen die Rüsselsheimer ihre SUV-Offensive fort und bringen nach dem Mokka X, dem Crossland X nun den Grandland X auf dem Markt.


Kia steigt mit dem Stonic in das Segment der Mini-SUV ein
Neues Mini-SUVKia Stonic: Tonangebend durch die trendige Harmonielehre

Kia steigt mit dem Stonic in das Segment der kleinen SUV ein. Auf dem optisch geländefähigen Ableger des Rio setzen die Koreaner ganz hohe Erwartungen.